Nach Statistiken der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung verunglückten 2012 etwa 110 000 Kinder und Jugendliche auf dem Weg zur Schule oder auf dem Heimweg - Tendenz steigend. Durch so genannte Schulweghelfer oder Schulbusbegleiter könnte dem entgegengewirkt werden. Doch für ein solches Ehrenamt stellen sich nur die wenigsten zur Verfügung.

Über 100 000 verunglückte Kinder auf dem Schulweg - eine erschreckende Zahl. Und der eine oder andere Kronacher erinnert sich wohl noch an das Jahr 2009, als an der Bushaltestelle am Struwwelpeter ein Junge von einem Schulbus angefahren und verletzt wurde.

Die Schulweghelfer sind dafür da, eben solche Zwischenfälle zu vermeiden. Sie sorgen für Ordnung an den Bushaltestellen und helfen beim Überqueren der Straße. Ein Schulweghelfer ist nicht zu verwechseln mit dem altbekannten Schülerlotsen, denn Schulweghelfer sind in der Regel erwachsen.
Schülerlotse hingegen kann man bereits mit zwölf Jahren werden. Hier liegt schon das erste Problem.

"Normalerweise wurden immer die älteren Schüler als Lotsen eingesetzt", betont der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht, Roland Pyka. "Problematisch ist, dass Hauptschulen nicht mehr grundsätzlich an Grundschulen sind."

Da die Kleinen damit beschäftigt sind, auf sich selbst aufzupassen, suchen viele Schulen Hilfe bei Eltern oder Senioren. "Erstens hätten wir dann flächendeckend Schulweghelfer, und zweitens ist die Autorität von Erwachsenen viel höher."

Andere Perspektive

Die 28-jährige Natascha Gäßlein aus Haig engagiert sich seit Anfang des Schuljahres als Schulweghelferin an der örtlichen Bushaltestelle. Nachdem sie zusammen mit ihrem Sohn um kurz vor 7 Uhr zur Bushaltestelle gelaufen ist, beginnt ihre Arbeit. "Ich passe auf, dass die Kinder stehen bleiben, wenn der Bus kommt", berichtet sie. Die Kinder seien schlichtweg noch zu klein, um Gefahren selbst einschätzen zu können. "Kinder haben da eine andere Perspektive", ist sie überzeugt.

Doch warum finden sich so wenige Ehrenamtliche? Siegbert Jakob, Fachberater für Verkehrs- und Sicherheitserziehung am Schulamt Kronach glaubt, es liege vor allem auch an der Angst, sich mit den Eltern der Kinder auseinander setzen zu müssen, würde man ihr Kind zurecht weisen.

Trotz der Hemmnisse kämpfen die Verantwortlichen um ehrenamtliche Helfer. "Wir werben gezielt darum", betont Siegbert Jakob. So hat die Kreisverkehrswacht erst Schilder aufstellen lassen, mit der Aufschrift: "Schulweghelfer gesucht". Allerdings hat sich daraufhin kein einziger Interessent gemeldet. "In anderen Landkreisen scheint die Bereitschaft größer zu sein", erklärt Siegbert Jakob. Warum das in Kronach nicht der Fall ist, darüber könne man nur spekulieren. Um Unfällen auf dem Schulweg vorzubeugen, versucht die Kreisverkehrswacht bereits seit Jahren, Präventionsarbeit zu leisten - vom Kindergarten bis zum Busfahrerseminar. Siegbert Jakob setzt sich besonders für das Programm "Kind und Verkehr" ein. Dieses richtet sich in erster Linie an die Eltern. Was kann mein Kind schon? Wie erziehe ich mein Kind zu einem verantwortungsvollen Verkehrsteilnehmer? All das sind Fragen, die geklärt werden sollen. "Leider sind diese Aktionen in den vergangenen Jahren wegen mangelnden Interesses der Eltern eingeschlafen", bedauert Siegbert Jakob.

Im Frühjahr 2015 soll das Programm aber wieder aufgenommen werden. Es bleibt zu hoffen, dass dann mehr Eltern und Kinder für den Verkehr sensibilisiert werden können.