Schon längst ist die Rodachtalbahn zwischen Kronach und Nordhalben Geschichte geworden. Am 30. Mai 1976 wurde der Personenverkehr eingestellt. Lediglich die Güterzüge rollten bis zum 25. September 1994 auf dem 24,88 Kilometer langen Schienenstrang nach Nordhalben und bis zum 1. April 2002 war die Strecke bis zur Loewe AG in Kronach noch intakt.

Rückblende: Als vor 120 Jahren, am 28. Juli 1900, die Lokalbahn eröffnet wurde, waren damit die Voraussetzungen für eine gedeihliche Entwicklung im Rodachtal geschaffen worden. Die Inbetriebnahme bedeutete für die Menschen dieser Region einen großen Fortschritt.

Vor dem Zweiten Weltkrieg verkehrten vier Personenzugpaare; die Züge waren das einzige Verkehrsmittel nach Kronach. Von der Frankenwaldmetropole aus hatten die Menschen Anschluss in die weite Welt. Noch vor 1945 war ein Leben ohne Eisenbahn unvorstellbar, denn das Auto konnten lediglich Privilegierte nutzen.

Sonderzüge zum Schützenfest

Mit der Rodachtalbahn fuhr die Bahn einstmals stattliche Gewinne ein. Bereits 1907 lag der Überschuss bei beachtlichen 30 700 Reichsmark. Welch erfreuliche Zeiten für die Bahn! Beliebt waren vor allem die Sonderfahrten zum Kronacher Schützenfest.

Doch das sollte nicht immer so bleiben, denn die Zeiten änderten sich; der Individualverkehr forderte unaufhaltsam seinen Tribut. Die Eisenbahn geriet in die "roten Zahlen". 1976 war dann Schluss mit dem Personenverkehr. Wenig später organisierten die Eisenbahnfreunde auf der landschaftlich reizvollen Strecke Sonderfahrten.

Beim Güterverkehr zeichnete sich zunächst ein anderes Bild ab, wenngleich so mancher widersprüchliche Gleisrückbau den Betrieb einengte. Eine 600 PS starke Diesellok fuhr montags, mittwochs und freitags von Kronach nach Nordhalben. Immerhin lag das Verkehrsaufkommen 1987 noch bei 24 257 Tonnen. Den Löwenanteil der Fracht bildeten holzwirtschaftliche Güter. Dafür mussten 833 Waggons eingesetzt werden. Der Kronacher Bahnhofsvorsteher, Bundesbahnamtmann Erwin Höpp, sah in der Frachthöhe einen deutlichen Beweis für die Aufrechterhaltung der Strecke. Vor allem durch InterCargo, das Topangebot der Bahn, konnten Güter schnell und sicher in die Wirtschaftszentren befördert werden, so sein Argument.

Bereits 1988 verdichteten sich die Gerüchte wegen einer endgültigen Schließung. Der Stockheimer Redakteur Gerd Fleischmann nutzte vor 32 Jahren die Chance, den Güterbetrieb von Kronach nach Nordhalben hautnah zu erleben. Heute sind seine Fotos ein bedeutsames Zeitdokument. Rede und Antwort standen bei der Exkursion Lehrlokführer Herbert Küfner aus Bamberg, Lokführer Karl Pilipp (Stockheim) und Zugführer Adam Fehn (Pressig).

Strenge Sicherheitsvorkehrungen

Herbert Küfner, der wohl alle Vorschriften im Schlaf herunterrasseln konnte, informierte über die strengen Sicherheitsbestimmungen. Je nach Streckensituation fuhr die Diesellok aus dem Jahre 1957 zwischen 10 und 30 Kilometer in der Stunde. Mittels einer exakt festgelegten Streckenkarte war jede Tätigkeit vorgeschrieben. Deutsche Gründlichkeit feiert nun einmal bei der Bahn wahre Triumphe - und das seit 1835.

Leichtsinnige Passanten

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen musste das Zugpersonal höllisch aufpassen, denn oft leichtsinnig verhielten sich die Verkehrsteilnehmer bei unbeschrankten Bahnübergängen. Des öfteren wurden Pfeifsignale ignoriert und schnell noch die Schiene überquert. Bereits 1988 ergaben sich beim Rangieren insbesondere durch den Gleisrückbau in Steinwiesen und Wallenfels Probleme. Damit deutete sich ein Rückzug auf Raten an. Die Strecke, die einst mit großem Kapitalaufwand gebaut worden war, blutete langsam aber sicher aus.

Den Eisenbahnfreunden Rodachtalbahn e. V. mit Vorsitzendem Ralf Ellinger haben wir es zu verdanken, dass diese einst stolze Ära seit 2007 auch heute noch zwischen Steinwiesen und Nordhalben mit einem Nostalgietriebwagen - "roter Brummer" genannt - weiterlebt. Wegen der Corona-Pandemie und aufgrund baulicher Maßnahmen ruht derzeit der Museumsbahnbetrieb auf der elf Kilometer langen Strecke.