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Kronach
Wildrisse

Reh ausgeweidet: Sind im Wald bei Gifting Wilderer unterwegs?

Spaziergänger finden im Wald bei Gifting ein ausgenommenes Reh. Sind dort illegale Jäger unterwegs? Der erste Eindruck täuscht, erklärt der Experte.
 
Sind im Wald bei Gifting Wilderer unterwegs? Das Gerücht macht schon länger die Runde. Symbolfoto: Adobe stock
Sind im Wald bei Gifting Wilderer unterwegs? Das Gerücht macht schon länger die Runde. Symbolfoto: Adobe stock
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Das Paar aus dem nördlichen Landkreis geht gerne im Wald zwischen Gifting und Marienroth mit seinem Hund spazieren. Doch diesmal endete der Sonntagsausflug mit einem Schock.

"Unser Hund hat länger an einer Stelle auf der Wiese geschnüffelt", erinnert sich die Frau. "Von Weitem dachten wir zuerst, da liegt ein Stück Holz." Doch als das Paar nähertritt, müssen sie feststellen: In der Wiese liegt ein ausgeweidetes Reh, seine Innereien in einem Pulk daneben. "Der Körper des Tiers sah ganz säuberlich aufgeschnitten aus, so als hätte sich da jemand mit einem Messer zu schaffen gemacht."

Der Speichel lügt nicht

Just in diesem Moment sei ein Mann in einem Fahrzeug vorbei gekommen, den das Paar für einen Jäger gehalten hat. "Wir haben ihm den Kadaver gezeigt und der hat gesagt, dass da eindeutig gewildert worden ist. So etwas ist in der Gegend schon häufiger vorgekommen, hat er gesagt."

Doch wieso machen sich Wilderer die Arbeit, das Tier auszuweiden und den Kadaver dann samt Innereien liegen zu lassen? Auch dafür habe der Jäger eine Erklärung gehabt: Die Wilderer würden die Tiere ausnehmen, um die Patronen einzusammeln.

So könnten die illegalen Jäger verhindern, anhand ihrer Munition ermittelt zu werden. Demnach hätten es die Wilderer auch nicht auf das Fleisch der Paarhufer abgesehen. Ihnen gehe es ausschließlich darum, ein Tier zu schießen. Das besagte Reh kann noch nicht lange dort gelegen haben, glaubt die Spaziergängerin. "Das sah alles noch ganz frisch aus."

Nächtlicher Snack für Vierbeiner

Sind im Wald zwischen Gifting und Marienroth tatsächlich Tierschänder unterwegs? "Das ist der größte Quatsch, den ich seit Langem gehört habe." Bernhard Schmitt, seines Zeichens Vorsitzender des Jagdschutz und Jägerverbandes Kronach, ist angesichts der Aussage, die ein vermeintlicher Jäger-Kollege getroffen haben soll, empört.

Zwar sei ihm auch zu Ohren gekommen, dass in der Gegend illegal gejagt worden sein soll. "Leute haben Schüsse und auch nachts Autos gehört. Doch es wurde niemand gesehen." Die Fotos des nun gefundenen Rehs hat er einem Kollegen gezeigt, der gleichzeitig Luchs- und Wolfsberater ist. "Für ihn war die Sache sofort klar: Das war ein wildernder Haushund." Erst vor Kurzem hätte es in der Gegend einen vergleichbaren Rehriss gegeben. Der Kadaver sei auf Speichelreste untersucht worden und das Ergebnis habe eindeutig bewiesen, dass sich ein Hund an dem Reh zu schaffen gemacht hat.

Auch bei dem zurückliegenden Riss hätte es ausgesehen, als ob jemand den Bauch mit einem Messer aufgeschnitten hätte, so sauber sei der Schnitt gewesen. "Die Zähne der Hunde sind wie eine Säge, die das Fleisch vom Knochen abtrennen", erklärt Bernhard Schmitt. Dass die Innereien neben dem Kadaver gefunden wurden, sei ebenfalls ein eindeutiges Zeichen dafür, dass hier ein Hund am Werk war. "Die fressen nur das Fleisch, nicht aber die Innereien."

War ein Hund am Werk?

Ein Luchs dagegen bevorzuge Muskelfleisch und beginne an den Schenkeln zu fressen. Vermutlich handele es sich darum um den Arbeitshund eines Hofes in der Nähe, der nachts draußen bleibt und dann auch mal durch den Wald streift.

Ob er das Reh gerissen hat oder es dort verendet ist, könne man anhand der Fotos nicht sagen. Allerdings glaubt der Jagd-Vorsitzende, dass der Hund bereits mehrere Nächte an dem Kadaver zu Gange war. "Der kommt dann auch wieder. Bis ein Reh so ausgehöhlt ist, braucht es lange." Ein echtes Problem mit wildernden Hunden gibt es laut dem Experten nicht: "Es ist nicht so, dass wir jede Woche drei solche Rehe finden, aber es kommt eben hin und wieder vor."

Die Version, dass sich illegale Jäger in den Wäldern herum treiben, schließt Bernhard Schmitt aus, denn für Wilderer sei es keine gute Zeit, unentdeckt zu bleiben. "Es sind - auch nachts - häufig Jäger im Wald unterwegs, weil wir gefordert sind, mit der Reduktion von Wildschweinen das Risiko für die Afrikanische Schweinepest zu minimieren." Alleine in Oberfranken hätten die Jäger im vergangenen Jahr 1600 Wildschweine erlegt. Und das wüssten - falls es sie hier gibt - auch die Wilderer.