Die Vertreter der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken (FVO) und der heimischen Waldbesitzervereinigungen (WBV) bezogen am Montagnachmittag in einem Pressegespräch klar Position. Sie wollen den Dialog mit den Nationalpark-Befürwortern, allen voran dem Initiator der Bewerbung, MdL Jürgen Baumgärtner (CSU), aufnehmen. Mit Unterstützung für das Vorhaben darf dieser jedoch nicht rechnen. Denn aus Sicht der privaten Forstwirtschaft gibt es triftige Argumente, die gegen das Mammutprojekt für den Frankenwald sprechen.

Hans-Georg Lindig, der Vorsitzende der WBV Rennsteig, stellte klar, dass es natürlich einen Dialog zwischen Befürwortern und Gegnern eines Nationalparks Frankenwald geben müsse. Er warnte nur: "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht überfahren werden, und es plötzlich heißt, das mit dem Nationalpark machen wir ganz schnell."


Region nicht auseinander dividieren

Auch Vorsitzender Georg Konrad von der WBV Kronach-Rothenkirchen warnte davor, sich im Frankenwald - wie bei Mitbewerbern geschehen - auseinander dividieren zu lassen. Es gehe darum, sich an einen Tisch zu setzen und miteinander zu reden. Seiner Ansicht nach ist es für die Forstwirtschaft wichtig, ein eigenes Konzept für die Zukunft des Frankenwaldes zu erstellen, das einem Nationalpark als Alternative gegenübergestellt werden kann. "Wir sollten ein Konzept erarbeiten, dass auch die Politik überzeugt", unterstrich er.

Lindig zeigte auf, mit welchen Entwicklungen die Region zu kämpfen hat. "Muss man das, was noch funktioniert, auch zerstören? Den Wald", schimpfte er. Wenn es zu großflächigen Stilllegungen im heutigen Nutzwald kommen sollte, dann hat er schlimme Befürchtungen. Raubbau am Wald in Ländern, die wegen des Holzausfalls einspringen und nicht nachhaltig arbeiten. Käferplagen im heimischen Wald. Und nicht zuletzt wird seiner Ansicht nach der begonnene Waldumbau zunichte gemacht. Von alleine würden keine Tannen und Buchen im heimischen Fichtenwald Einzug halten, ist er überzeugt.

Wolfgang Schultheiß, Zweiter Vorsitzender der FVO, listete eine ganze Reihe an Argumenten gegen einen Nationalpark auf. "Wer für den Klimaschutz und gegen die Erderwärmung ist, darf keinen Wald stilllegen", stellte er fest. Ein bewirtschafteter Wald neutralisiere viermal so viel Kohlendioxid wie ein nicht bewirtschafteter Wald.


Kommt Käfer-Katastrophe?

Der Nationalpark Bayerischer Wald habe gezeigt, dass eine Borkenkäfer-Katastrophe drohe. Dadurch werde auch die Schutzfunktion des Waldes gefährdet. Weitere Bedenken hat Schultheiß hinsichtlich der Trinkwasserschutzgebiete, wobei die Ködeltalsperre künftig überregional eine immer größere Rolle spielen werde. Der Schutz des Schwarzstorchs, die Schwarzwild-Problematik, die Wiederhestellung der natürlichen Bestockung, die Vorzüge einer regionalen Holzproduktion, die Kappung von Verbindungswegen und nicht zuletzt die enge Verzahnung von Staats- und Privatwald brachte er ebenfalls ins Gespräch ein.

Was touristische Verbesserungen angeht, so fragte Schultheiß, warum es die ohne Nationalpark nicht geben sollte. Der Baumwipfelpfad in Bamberg zeige, dass sich trotz der Ablehnung eines Nationalparks einiges bewegen lasse.

Siegmund Kolb, Zweiter Vorsitzender der WBV Frankenwald, wies darauf hin, dass in der Diskussion endlich Details der Planung auf den Tisch kommen müssten. Und er fürchtete, dass qualifizierte Arbeitsplätze verloren gehen könnten, wenn der Park kommen sollte. Darauf ging Gerit Mählich, Geschäftsführer der WBV Rennsteig, näher ein. Seinen Zahlen nach ist von bis zu 1200 gefährdeten Arbeitsplätzen die Rede. Kolb ergänzte, dass darüber hinaus beim Holzverkauf ein jährlicher Verlust von rund sechs Millionen Euro zu erwarten wäre.

Obwohl ihre Meinung zementiert scheint, dass ein Nationalpark nicht gut für den Frankenwald wäre, wollen sich die Forstleute auf weitere Gespräche einlassen. "Wenn es eine faire und ergebnisoffene Diskussion ist", betonte Kolb.