Am Montag war der "Tag der Reinigungskräfte", berichtet Erzbischof Ludwig Schick. Am Donnerstag war dann wohl der Tag für gerechte Arbeiter - zumindest wenn es nach der katholischen Betriebsseelsorge geht. Auf jeden Fall ging es an beiden Tagen um die Wertschätzung der Arbeiterschaft. Und um Gerechtigkeit. Das Arbeitnehmerpastoral der Erzdiözese Bamberg verlieh zum sechsten Mal den Preis "Arbeiter für Gerechtigkeit".

Gerechtigkeit bedeutet, "dass es jedem gut gehen soll, dass jeder bekommt, was er für ein gutes Leben braucht", so Erzbischof Schick. Damit dieser Wert nicht nur ein vielversprechendes Wort bleibt, brauche es manchmal einen, der sich für die Verwirklichung einsetzt. "Einen Macher", mit dem Blick für das Wesentliche, der die Sachen wie ein Handwerker anpackt, so wie es nach Überlieferungen in der Bibel schon Josef getan hat, sagte Betriebsseelsorger Eckhard Joey Schneider. Eben einen wie Jürgen Fehn aus dem Stockheimer Ortsteil Reitsch. "Jürgen fällt nicht durch Reden auf, sondern durch zupackende und kompetente Hilfe", sagte Schneider.

Jürgen Fehn lässt Taten sprechen

Jürgen Fehn arbeitet seit 35 Jahren bei der regionalen Einrichtungsfirma Ass, ist seit 25 Jahren verheiratet und seit 15 Jahren als Betriebsrat - als dienstältester Betriebsrat der Firma Ass - und Gewerkschafter unterwegs. Schneider schrieb ihm in seiner Laudatio Verlässlichkeit und Treue - und noch weitere ehrwürdige Charaktereigenschaften - zu. Dem Ausgezeichneten selbst war der Trubel um seine Person nicht ganz geheuer. Er habe sogar überlegt, die Ehrung abzulehnen. "Ihr sollt wissen, dass ich den Preis auch stellvertretend für Euch annehme", sagte er Donnerstagabend in Richtung seiner Kollegen.

Erzbischof Ludwig Schick sah es als "gutes Zeichen", dass so viele Familienmitglieder und vor allem auch Kollegen zur Verleihung gekommen waren. Immer wieder hielten Fehns Schwester oder seine Tochter, die ihn im Voraus ermutigt hatte, den Preis anzunehmen, einzelne Momentaufnahmen der Verleihung mit dem Smartphone fest.

Die Bronzeplakette, die Fehn bekam, darf er behalten. Sie soll ihm eine "Ermutigung, eine Bestärkung sein". Stärke bewies er auch in seiner Dankesrede. "Als die ganzen Entlassungen waren, hätte ich mir eine Sonntagspredigt gewünscht, die den Betroffenen Hoffnung gibt", sagte er rückblickend und verdeutlichte damit, welche regionalen "Spuren das Reich Gottes in der Arbeiterwelt", wie es Manfred Böhm vom Arbeitnehmerpastoral eingangs ausdrückte, hinterlassen könnte.

Jürgen Fehn, der Schreiner und Macher aus Stockheim, der von sich selbst behauptet, dass er nur "kleine Erfolge", bestenfalls "Abwehrkämpfe" als Betriebsrat vorzuweisen habe, hat seit gestern jedenfalls auch ein Dankeschön zum Anfassen zu Hause.