Axel Gentzsch von der Pressestelle des Fernsehherstellers bestätigte auf Nachfrage, dass die Kündigungen am Donnerstag verschickt wurden: "Das Ganze wird jetzt konkret." Details über die Ergebnisse der Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretung und Gewerkschaft wollte Gentzsch nicht nennen. "Details werden den Mitarbeitern am Montag erläutert. Vorher werden wir nichts dazu sagen, um unsere Mitarbeiter zu schützen."

Der Abbau von 190 Vollzeit arbeitsstellen stand seit Aufnahme der Verhandlungen Anfang Januar im Raum. Die Anzahl der Kündigungen könnte tatsächlich aber etwas niedriger liegen, da das Unternehmen dem Vernehmen nach versucht haben soll, älteren Mitarbeitern den Schritt in den Ruhestand zu erleichtern. Andererseits wird wohl in der Zwischenzeit der eine oder andere Mitarbeiter selbst die Initiative ergriffen und sich nach einer neuen Stelle umgesehen haben. Die genauen Zahlen wird das Unternehmen allerdings erst am Montag bekannt geben.

Wie aus dem Umfeld des Unternehmens zu erfahren war, soll am Montag die Produktion auf Grund der Versammlung stillstehen. In einer Mail an die Mitarbeiter wurden diese über die Tagesordnung informiert. So soll Vorstandsvorsitzender Matthias Harsch über die Entwicklung in den vergangenen zwei Monaten berichten. Zudem soll Finanzvorstand Rolf Rickmeyer über den ausgehandelten Sanierungstarifvertrag informieren. Auch eine Stundenreduzierung soll in diesem Zusammenhang ein Thema sein. Eine Ansprache des Betriebsrates steht ebenso auf der Tagesordnung wie eine Information über die Transfergesellschaft.


Maximal zwölf Monate

Diejenige, die für einen Wechsel in die Transfergesellschaft bereit sind, werden in dieser auf ein neues Beschäftigungsverhältnis vorbereitet - mit dem Vorteil, dass man nicht sofort als arbeitslos gilt und der Anspruch auf das Arbeitslosengeld davon unberührt bleibt. Die Entlohnung ist in etwa so hoch wie das Arbeitslosengeld; der Bezug auf maximal zwölf Monate begrenzt.

Ursprünglich wollte Loewe die Verhandlungen bereits Ende Januar abgeschlossen sehen. Dass sich diese nun bis in den März hineingezogen haben, soll wohl auch an der Frage einer Transfergesellschaft gelegen haben. Da deren Verwaltungskosten im Regelfall vom Unternehmen, also in diesem Fall von Loewe, getragen werden müssen, waren Gespräche mit den Banken erforderlich.

Diese waren es im Übrigen, die im Dezember auf Grund der immer schlechter werdenden Geschäftszahlen von Loewe die Reißleine zogen und das Unternehmen dazu veranlassten, Personal- und Sachkosten zu reduzieren. Lagen die Verluste im Geschäftsjahr 2010 bei 5,3 Millionen Euro, musste 2011 bereits ein Minus von 10,5 Millionen Euro registriert werden. Im vergangenen Jahr betrug der Verlust gar 29 Millionen Euro. Darin enthalten waren allerdings bereits Rückstellungen für den bevorstehenden Personalabbau. Der Umsatz entwickelte sich im gleichen Zeitraum von 307,3 Millionen Euro (2010) auf 250 Millionen Euro im vergangenen Jahr zurück.

Wie das Unternehmen Ende Januar in einer Pressemitteilung mitgeteilt hatte, will man im Rahmen der strategischen Neuausrichtung vor allem in neue Märkte und Produkte investieren. Im Mittelpunkt steht dabei das Sortiment im Premiumsegment. Dabei setzt Loewe in erster Linie auf das neue Home-Entertainment-System "Loewe Individual" oder auch auf die High-End-TV-Gerätefamilie Reference ID". Zudem will das Unternehmen in diesem Jahr den strategisch wichtigen Audio bereich mit neuen Geräten weiter ausbauen.

Für das laufende Geschäftsjahr will der Fernsehhersteller bei einem leichten Umsatzwachstum ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen.