Am Anfang eines Projekts steht ein Auftrag auf dem Papier. Und Papier kann bekanntermaßen geduldig sein. Nicht so bei Frank Ebert, Geschäftsführer von Oberfranken Offensiv, und seinen drei Mitstreiterinnen vom Demografie-Kompetenzzentrum Oberfranken. "Wir haben jetzt schon konkrete Pläne. Man kann sagen, eine Vision", zieht er nur knapp sechs Monate nach dem Startschuss ein Zwischenfazit für das in Kronach auf dem Loewe-Gelände angesiedelte Zentrum.


Schnell aktiv geworden

Eine große Fragebogen-Aktion bildete die Grundlage für die nächsten Schritte der vierköpfigen Mannschaft. 385 Institutionen wurden laut Mitarbeiterin Sabine Nuber oberfrankenweit angeschrieben. Ungefähr 200 Fragebogen sind zurückgekommen. "Das ist ein hoher Rücklauf. Mehr als wir erwartet haben", freut sich die wissenschaftliche Mitarbeiterin Tanja Rieger über die gute Resonanz. Das Ziel der Aktion: Es galt herauszufinden, wo es in der Region "brennt".

Tausende Kilometer wurden deswegen in den vergangenen Monaten mit dem unverkennbaren weiß-rot-grünen Oberfranken-Mobil heruntergespult. Der Dialog ist der Mannschaft vom Demografie-Kompetenzzentrum sehr wichtig. Nicht nur die Theorie, sondern vor allem das Wissen aus der Praxis soll ins Handeln einfließen. Landräte, Bürgermeister und andere Meinungsbildner wurden deshalb besucht. "Wir haben knapp 100 Gespräche geführt", erinnert sich Ebert. "Wie halte ich Menschen hier? Wie hole ich sie zurück?", diesen Fragen wollten die Mitarbeiter des Kompetenzzentrums auf den Grund gehen.


Doppelte Strukturen - doppelte Arbeit

Ebert betrachtet die Situation hoffnungsvoll, jedoch nicht ohne sachliche Kritik. "Es gibt in Oberfranken unglaublich viel Engagement", berichtet er, "aber auch unglaublich viele Doppelstrukturen. Man macht sich dadurch doppelte Arbeit." Hier könne der Hebel angesetzt werden. Und die Verantwortlichen in den verschiedenen Bereichen müssten sich immer wieder selbst hinterfragen, um mit der Entwicklung Schritt zu halten. Denn was heute noch "best practice" sei, könne morgen schon überholt sein.

Geld kann Ebert niemandem zusagen. Darum geht es beim Demografie-Kompetenzzentrum nicht. Vielmehr dreht es sich darum, Ideen einzubringen, erfolgreiche Konzepte aus anderen Bereichen zu übertragen und Kontakte herzustellen. "Wir sind die klassischen Kümmerer", stellt Ebert klar. "Wir durchforsten beispielsweise die Förderstrukturen", geht der Geschäftsführer auf einen Zahlendschungel ein, in dem sich so mancher verirrt und für Hilfe dankbar ist. "Wir haben uns vorgenommen, die wichtigsten Förderkulissen auf die Homepage zu nehmen - in einer verständlichen Sprache", stellt Mitarbeiterin Sandra Wolf fest. "Wo könnte ich etwas bekommen? Wo kann ich nachfragen?", solche Fragen sollen nicht nur im Gespräch, sondern schon im Online-Angebot aufgegriffen werden, wie Nuber ergänzt.

Die Arbeit des Kompetenzzentrums reicht aber viel weiter. Dabei gilt: Das Rad muss nicht jedes Mal neu erfunden werden. Es geht auch darum, gute Ideen von einem Bereich auf den anderen zu übertragen und sie anzupassen. Gleichzeitig schafft die Einrichtung selbst Muster, die später an anderer Stelle wieder verwendet werden können.


Imagegewinn für Oberfranken

Im Fichtelgebirge geht es beispielsweise darum, angesichts des demografischen Wandels eine "Willkommensagentur" zu installieren. "Man möchte ein breit gefächertes Angebot zur Verfügung stellen, das zeigt, wie man dort leben kann", erzählt Sandra Wolf. Logo, Website, ... - das Team aus der Cranach-Stadt ist von Anfang an in jeden Schritt einbezogen. "Die Erkenntnisse von dort sollen später auch andernorts zur Sprache kommen", so Ebert.

Auch in Sachen Finanzfachhochschule in Kronach ist der Rat des Kompetenzzentrums gefragt. Es geht ja nicht nur darum, eine funktionierende Schule aufzubauen. "Wir möchten darüber hinaus ein Stück weit den Weg bereiten, dass sich die Leute in Kronach wohlfühlen. Gleichzeitig sollen sie erkennen, dass Oberfranken insgesamt schön ist", erklärt Ebert. Wenn es gelinge, den 200 Schülern die Region näherzubringen, "dann wird über Oberfranken bald anders geredet".

Seitens der Kommunalpolitiker sei erfreulicherweise zu spüren, dass sie froh über den neuen Ansprechpartner Kompetenzzentrum sind, stellt Sabine Nuber fest. Wichtig sei ihnen, dass jemand das Thema "Demografie" übergreifend im Blick hat. Ebert ergänzt: "Das soll nicht arrogant wirken, aber letztlich könnte das sonst keiner so machen. Man braucht etwas Übergeordnetes, Unabhängiges."


Zusammenarbeit klappt gut

Der gute Draht reicht auch zur Regierung von Oberfranken. Die Zusammenarbeit mit der Behörde wird ausdrücklich gelobt. Ebert betont: "Dort gibt es einen Lenkungskreis Demografie - da sind wir als einzige Externe regelmäßig dabei."

Die Weichen sind also gestellt, damit das Demografie-Kompetenzzentrum seiner selbst gestellten Erwartung gerecht werden kann, Impulse für die Region zu setzen und ein Stück weit Image für Oberfranken zu erarbeiten. Ansatzpunkte dafür gibt es laut Ebert jedenfalls genug. "Es gibt Anfragen von allen Seiten", unterstreicht er. Und Nuber ergänzt: "Wir werden inzwischen wahrgenommen. Man sagt uns: ,Ihr seid der Partner, mit dem man etwas umsetzen kann.‘"