In naher Zukunft könnte eine große Flüchtlingsunterkunft in Kronach errichtet werden. Der Weismainer Bauunternehmer Alois Dechant hat der Regierung von Oberfranken angeboten, an der Industriestraße in Kronach ein Heim für Asylbewerber zu bauen, das weitaus größer wäre als das bestehende am Schützenhaus.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Regierung nach geeigneten Räumen für Gemeinschaftsunterkünfte in Kommunen sucht. Die Kronacher Unterkunft ist mit ihren 40 Plätzen permanent voll besetzt, immer mehr Flüchtlinge werden mangels Alternative in dezentralen Einrichtungen im Landkreis untergebracht - aktuell gilt das für 451 Menschen. Im Bereich der Industriestraße könnte nun eine neue, weitaus größere Unterkunft errichtet werden. Im Gespräch seien angeblich vier Gebäude, die nach Informationen unserer Zeitung bis zu 500 Personen fassen sollten.


Was ist dran? "Uns wurde ein Angebot gemacht, den Bau einer Unterkunft betreffend", bleibt Oliver Hempfling, Sprecher der Regierung von Oberfranken, vage.

Pro Woche müssen allein im Regierungsbezirk Oberfranken 200 Flüchtlinge untergebracht werden. Die Asyldurchführungsverordnung - DVAsyl, sieht vor, dass 6,5 Prozent davon in Kronach untergebracht werden sollen, das wären 13 pro Woche. Wer aus den Westbalkanländern geflohen ist, wird in Bamberg untergebracht, alle anderen in den übrigen oberfränkischen Landkreisen.

Hempfling widerspricht nicht dem Gerücht, dass es Planungen an der Industriestraße gebe. Man befinde sich in Verhandlungen mit einer Privatperson, die den Bau einer Unterkunft in Kronach angeboten habe. "Zu laufenden Verfahren äußern wir uns aber generell nicht", sagt Hempfling.


Preisgekrönte Unterkunft gebaut

Dafür aber Alois Dechant, Seniorchef der Dechant Hoch- und Ingenieurbau GmbH (dhib) mit Sitz in Weismain. Er ist es, der den Bau einer Unterkunft plant. In Weismain hat seine Firma bereits zwei Areale realisiert, die Platz für 275 Flüchtling bieten. "Wenn sie genehmigt werden, bauen wir die Objekte an der Kronacher Industriestraße im kommenden Jahr", sagt Alois Dechant. Wenn die Kommune der Ansicht sei, "sie kommt mit einer anderen Lösung besser weg, dann soll es so sein". Seine Firma sei gut ausgelastet und nicht auf den Bau von Asylbewerberunterkünften angewiesen. "Es ist ein Hobby von mir, und wir sehen, dass es in Weismain so hervorragend funktioniert", sagt Dechant. Eines seiner Projekte im früheren Caritas-Altenheim in Weismain ist von Ministerpräsident Horst Seehofer und der Regierung von Oberfranken als "beste Einrichtung in Bayern" bezeichnet worden.

Ursprünglich sei angedacht worden, auf der Fläche an der Industriestraße - gegenüber des Aldi-Marktes - vier Häuser mit Platz für je je 80 bis maximal 125 Menschen zu bauen. "Das haben wir verkürzt auf zwei Häuser mit insgesamt 160 Plätzen", relativiert Dechant. Die Gebäude könnten erweitert werden auf Platz für je 125 Menschen. Denkbar sei auf dem Grundstück theoretisch Auslastung von maximal vier Häusern mit je 125 Plätzen, "aber das ist nicht geplant, davon sind wir weg", versichert der Bauunternehmer. Die Zahl von 500 Menschen sei also "überzogen".

Landratsamt und Regierung seien seiner Auffassung nach "sehr dafür". Sollte bis Frühling 2016 eine Baugenehmigung durch die Kommune erteilt werden, könne der Komplex im Sommer stehen.

Hauptamtsleiter Stefan Wicklein hält sich kurz: Er verweist darauf, dass die Planungen sich noch nicht in einem Stadium befänden, in dem die Kommune und seine Gremien unmittelbar aktiv wären. Man nehme die Rolle eines Vermittlers ein. "Da die Regierung nach Unterkünften oder potenziell nutzbaren Grundstücken sucht, haben wir uns umgesehen und Vorschläge gemacht", sagt Wicklein. Das sei auf Bitten des Landratsamts wohl in allen Kommunen des Kreises Kronach geschehen. Welche und wie viele Grundstücke man in Kronach für geeignet erachtet, führt Wicklein nicht aus, nur: "Die meisten befinden sich in privater Hand."


Landratsamt hält sich bedeckt

Die Zuständigkeit in Flüchtlingsfragen im Kreisgebiet liegt bei der Regierung von Oberfranken und beim Landratsamt. Die Kreisbehörde ist deshalb wohl in jegliche Planungen involviert. Äußern will sich Amtssprecher Bernd Graf zur Sache Industriestraße aber mit keiner Silbe: "Ich bitte Sie, Fragen dazu an die Regierung zu richten."

Die Industriestraße verläuft durch Gewerbegebiet, das eigentlich nicht zum Anlegen von Wohnbauten gedacht ist. Eine Sonderregelung des Gesetzgebers hat aber bundesweit die soziale Nutzung von Gewerbegebieten erleichtert, um dort den Bau von Flüchtlingsunterkünften zu erleichtern. Dabei kommt der Paragraf 246, Abschnitt 10 im Baugesetzbuch zum tragen: "Bis zum 31. Dezember 2019 kann in Gewerbegebieten (§ 8 der Baunutzungsverordnung, auch in Verbindung mit § 34 Absatz 2) für Aufnahmeeinrichtungen, Gemeinschaftsunterkünfte oder sonstige Unterkünfte für Flüchtlinge oder Asylbegehrende von den Festsetzungen des Bebauungsplans befreit werden, wenn an dem Standort Anlagen für soziale Zwecke als Ausnahme zugelassen werden können oder allgemein zulässig sind und die Abweichung auch unter Würdigung nachbarlicher Interessen mit öffentlichen Belangen vereinbar ist."