Das ist alles ein bisschen Wischiwaschi. Ein Wort, das jedes Kind versteht, nichts Halbes und nichts Ganzes, schlecht aufgeräumt, nicht zu Ende gemalt: Wischiwaschi. Wenn allerdings die beiden Erzieherinnen aus Ludwigsstadt und Nordhalben, Lisa Hagenbring und Jessica Kürschner, das Wort unabhängig voneinander ins Spiel bringen, steht es nicht für halbgare Kindereien, sondern für einen Brief aus dem Familienministerium, unterzeichnet von Familienministerin Carolina Trautner (CSU). Die Aufforderung des Ministeriums, dass die Kindertagesstätten selbst entscheiden, wann die Weihnachtsferien beginnen, empfinden einige Erzieherinnen im Landkreis Kronach als, eben: Wischiwaschi.

Als in der letzten Novemberwoche verkündet wurde, dass die Schulen bayernweit ab dem 19. Dezember geschlossen bleiben und nur eine Notbetreuung eingerichtet wird, war noch nicht die Rede von den jüngeren Kindern. In den offiziellen Statements der Staatsregierung wurde von einem "früheren Ferienstart in den Schulen" gesprochen. Doch die Überlegung, ob die Kitas ebenfalls früher in die Ferien gehen, besteht schon länger.

Schreiben ohne Klarheit

"Da die Weihnachtsferien heuer früher beginnen, haben wir umgehend am vergangenen Dienstag den Trägern angeboten, dass sie ohne Kürzung von Fördermitteln ihre Einrichtungen bereits ab 21. Dezember schließen dürfen. Voraussetzung dafür ist, dass sie unbürokratisch für diejenigen Kinder eine Betreuung anbieten, die eine solche unbedingt benötigen", sagt Bayerns Familienministerin Carolina Trautner (CSU) auf FT-Anfrage. "Den Regelbetrieb in den Kitas unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie aufrechtzuerhalten, ist für alle Seiten ein Kraftakt."

Die Träger der Kindertagesstätten in Bayern haben in der vergangenen Woche ein Schreiben vom Familienministerium bekommen. In diesem nicht-öffentlichen Papier, das der Redaktion vorliegt, steht geschrieben: "Die Träger erhalten mit diesen Regelungen größtmögliche Flexibilität beim vorzeitigen Ferienstart. Diese Flexibilität gilt jedoch auch für den Fall, in denen sie von der Möglichkeit zu vorgezogenen Weihnachtsferien keinen Gebrauch machen."

Weihnachtsferien ab dem 19. Dezember? Die einen Kita-Leiterinnen sind zuversichtlich, dass sie mit Notbetreuung ein Restprogramm aufrecht erhalten. Andere sagen, dass die frühere Schließung mit einem höheren Aufwand verbunden ist. Elternbeirat einberufen, Umfragen unter allen Eltern starten: "Eine klare Entscheidung vom Ministerium wie bei den Schulen wäre uns lieber gewesen", sagt Jessica Kürschner, Leiterin des Katholischen Kindergartens in Nordhalben. Der Kindergarten bleibt geöffnet wegen der ganzen Hürden", sagt sie, und dass es nur zu Unruhe führen würde, früher zu schließen. Mit einer klaren Ansage des Ministeriums, sagt die Erzieherin, wäre es leichter gewesen, eine früheren Start in die Weihnachtsferien vor den Eltern zu vertreten. Schließlich wären von der frühzeitigen Schließung 50 Krippen- und Kiga-Kinder betroffen.

Die gleiche Entscheidung hat auch der AWO-Kindergarten "Ludwig Meier" in Ludwigsstadt getroffen. Erzieherin Lisa Hagenbring hält nichts von Wischiwaschi. "Entweder soll das Ministerium klare Regeln festlegen - oder gar keine", sagt sie auf Nachfrage des FT. Die Einrichtung mit 14 Regel- und acht Krippeplätzen bleibt die Tage bis Weihnachten geöffnet.

Die gleiche Entscheidung trifft auch die Leiterin des Katholischen Kindergartens St. Anna in Teuschnitz, wenn sie auch eine andere Meinung als ihre Kolleginnen in Ludwigsstadt und Nordhalben zum Schreiben des Ministeriums hat. "Wir haben regulär bis 23. Dezember geöffnet", sagt Ulla Förtsch. Alle Kinder und Erzieher seien gesund, sagt sie. "Bei Personalausfall", würde sie wahrscheinlich auf das Angebot des Ministerium zurückkommen. Grundsätzlich findet die Leiterin des Kindergartens mit 46 Plätzen wichtig, dass jede Betreuungseinrichtung situationsabhängig frei und selbstständig entscheidet, wie sie die Frage nach den Ferienbeginn beantwortet.

Jeder Kindergarten trifft eine eigene Entscheidung. Das ist Abwägungssache erfährt man unter den Erzieherinnen. Im Evangelischen Kindergarten "St. Jakobistrolche" in Küps nimmt Birgit Wagner den zusätzlichen Aufwand in Kauf. "Wir entscheiden das zusammen mit dem Elternbeirat", erklärt sie auf Nachfrage unserer Zeitung. Dann werden die Eltern per Umfragezettel um Auskunft gebeten und am Ende je nach Beteiligung eine Notbetreuung eingerichtet. "Wir hatten auch schon Notbetreuung für ein Kind", sagt sie. Das heißt, selbst wenn die Mehrheit der Eltern ihre Kinder zuhause betreut, wird auch ein einzelnes Kind sicher betreut.

Wann gibt es Notbetreuung?

Doch welches Kind zählt überhaupt als Notfall? Auch dabei räumt das Ministerium maximalen Spielraum ein - oder, wenn man so will, lässt maximal Leerstellen offen. In dem Schreiben heißt es: "Nachdem es sich um keine staatlich verordneten zusätzlichen Schließtage aufgrund des Infektionsschutzgesetzes handelt, entfallen staatlicherseits Vorgaben, für welche Eltern beziehungsweise welche Kinder in jedem Fall eine Betreuung angeboten werden soll. Hier bietet sich vielmehr ein unbürokratisches Vorgehen vor Ort an. Auf Nachweise der Eltern ist dabei möglichst zu verzichten."

Birgit Kestel hat gerade die Kärtchen und Steine für ein Spiel auf dem Tisch verteilt, die weitaus bunter und spannender wirken, als das Schreiben für die Eltern. Aber so ist es eben: Farbenfroh waren Schreiben aus dem Ministerium noch nie. Die Leiterin des Katholischen Kindergarten "Rosenberg" in Kronach und ihre Kolleginnen haben kurzerhand das ministeriale Schreiben kopiert und darunter einen Umfragezettel für die Eltern angeheftet. Der letzte offizielle Kindergarten wird der 18. Dezember sein, erklären die Erzieher auf dem Brief. "Wer trotzdem dringend eine Betreuung benötigt" soll den Zettel ausfüllen und bis 9. Dezember abgeben.

Auch im Rosenberg-Kindergarten steht die Notbetreuung zur Verfügung. Die Adventsfeier mit den Eltern hingegen fällt dem Virus und der früheren Schließung zum Opfer. "Uns ist wohler damit, wir haben diese Entscheidung zusammen gefällt", sagt Leiterin Kestel.

Doch so viele Einrichtungen für Kinder es im Landkreis gibt, 47 an der Zahl, so viele Einzelentscheidungen müssen getroffen werden. Bei den Katholischen Kindergärten in Kronach beispielsweise, wird die Entscheidung nicht vom Träger getroffen, sondern direkt im Kindergarten. Wischiwaschi oder Entscheidungsfreiheit? Auch das darf jeder selbst beurteilen.