Fast jeden Tag läuft Kerstin Löw durch die Räume. Macht einen kleinen Rundgang. Vorbei an Skulpturen, Gemälden, Tafelbildern und Altären. Vorbei an fränkischer Kunst aus der Spätgotik und Frührenaissance. Hier kommt sie zur Ruhe. Hier ist es still. Keine Geräusche. Nur ihre Schuhe klacken in gleichmäßigen Abständen auf dem Boden.

An einer Figur bleibt sie aber stehen. Eine Figur, bei der sie immer stehen bleibt. Jedes Mal. "Der heilige Abt", eine spätgotische Skulptur aus Mittelfranken um 1490, Künstler unbekannt. "Die Figur hat eine unglaubliche Eleganz und künstlerische Qualität, sie ist beseelt", sagt die Leiterin des Tourismusbetriebs Kronach und schwärmt. Und das können auch andere. Die Figur ist nämlich Teil der Fränkischen Galerie, die am Freitag Geburtstag feiert.

30 Jahre ist es her, dass die Fränkische Galerie als Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums im ehemaligen Kommandantenbau gegründet und errichtet wurde. Das Feiern soll im Jubiläumsjahr aber nicht im Mittelpunkt stehen. Vielmehr sieht Löw 2013 als "Arbeitsjahr". Denn dank eines Zuschusses des Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, dem die Galerie angegliedert ist, können längst vorgesehene Neuerungen umgesetzt werden. Und der Zuschuss ist nicht klein: 400 000 Euro bekommt die Galerie zur Verfügung gestellt. "Der Zuschuss ist ein Segen für uns und war wirklich notwendig", sagt Löw.

Neue Lampen, neue Farbe

Mit dem Geld kommt es jetzt zu einigen Neuanschaffungen. Erneuert wird unter anderem die Beleuchtung des Museums - mit 250 000 Euro die teuerste Aktion der Umgestaltung. LED-Lampen sollen künftig Strom sparen und vor allem die Skulpturen neu in Szene setzen. Die Räume bekommen außerdem neue Schilder mit neuen Texten und ein neues Farbkonzept. "Welches, will ich noch nicht verraten", sagt Löw. Davon kann man sich aber ab März nächsten Jahres selbst überzeugen - pünktlich zur Saisoneröffnung soll dann nämlich alles fertig sein.
Auch der neue Katalog. Erstellt und geschrieben von Matthias Weniger vom Bayerischen Nationalmuseum. Der alte Katalog, der zur damaligen Eröffnung im Juli 1983 erschienen war, ist mittlerweile vergriffen. Im neuen Katalog werden die Objekte genau vorgestellt - "für das breite Publikum und für das Fachpublikum", erklärt Weniger. Auch neue Erkenntnisse über die Herkunft der Ausstellungsstücke sollen darin enthalten sein. Eine Erinnerung für Besucher an ihren Museumsbesuch. "Die Fränkische Galerie hat Bedeutung weit über Kronach hinaus", begründet er.

Vorbereitet für die kommende Saisoneröffnung wird außerdem ein Audio-Guide, einer für Erwachsene, ein weiterer für Kinder und Jugendliche, den Andrea Partheymüller-Gerber, Künstlerin und Lehrerin am Frankenwald-Gymnasium, gemeinsam mit Schülern konzipiert. Den Guide soll es Löw zufolge zweisprachig geben.

Über 200 Ausstellungsstücke

Dann kann man sich damit durch die Räume führen lassen. Und wie Löw die über 200 Werke bewundern, die die Galerie auf 1000 Quadratmetern beherbergt. Werke aus dem 13. bis 16. Jahrhundert. Werke von Lucas Cranach, Tilman Riemenschneider, Wolfgang Katzheimer oder Hans von Kulmbach, einem Schüler von Albrecht Dürer. "Es sind außerdem neue Ausstellungsstücke geplant", kündigen Löw und Weniger an.

Kulturschätze in die bayerischen Regionen bringen, nicht nur in die Landeshauptstadt - das war laut Löw vor 30 Jahren der Gedanke, der hinter der Eröffnung des Zweigmuseums in Kronach vor 30 Jahren steckte. "Die Galerie ist eine Bereicherung für Kronach und Gäste von auswärts", sagt Löw. Politische Diskussionen, das Museum zu schließen, habe es dennoch gegeben. "Betriebskosten sind zu tragen, egal ob viele oder wenige Besucher. Kultur ist eine Verantwortung, die eine Kommune übernehmen muss", betont Löw.

Für Löw haben die Werke jedenfalls einen "enormen Wert". Deswegen läuft sie bestimmt auch heute wieder durch das Museum. Kommt zur Ruhe. Schaltet ab. Dann klacken auch wieder ihre Schuhe. Und dann bleibt sie wieder stehen vor dem heiligen Abt. Und führt mit ihm einen stillen Dialog.
Festvortrag:

Der 30. Geburtstag der Fränkischen Galerie wird am Freitag, 12. Juli, ab 18.30 Uhr in der Alten Kapelle der Festung gefeiert. Im Mittelpunkt steht der Festvortrag von Matthias Weniger. Der Eintritt ist frei.