Für Birgitta Staufer-Neubauer gibt es keinen Zweifel an der Notwendigkeit des internationalen Frauentages: "Der ist auf jeden Fall sinnvoll. Wir haben seit Jahren gravierende Problem", betont die Kronacher Pastoralreferentin und verweist dabei beispielsweise auf häusliche Gewalt gegen Frauen oder auch sexuellen Missbrauch. "Es gibt zwar mittlerweile Aufklärungsarbeit, aber richtig viel geht da nicht vorwärts."

Birgitta Staufer-Neubauer muss es wissen, immerhin betreut sie Menschen bei Ehe- und Familienproblemen. Aber auch wenn es um Fragen der allgemeinen Lebensbewältigung geht, ist die Pastoralreferentin Ansprechpartnerin.

In ihrer zeitlich begrenzten Beratertätigkeit von rund 200 Stunden pro Jahr hat sie 70 bis 80 "Fälle" - Tendenz steigend. Den Grund sieht sie aber weniger darin, dass die Probleme heute vielleicht größer sind als noch vor einigen Jahren.
Vielmehr macht sie die Entwicklung an anderer Stelle fest: "Das Thema Beratung ist nicht mehr so negativ behaftet. Die Menschen gehen offener damit um. Es genieren sich nicht mehr so viele, sich an eine Beratungsstelle zu wenden."

Meistens sind es Frauen, die sich in erster Linie mit Eheproblemen an Birgitta Staufer-Neubauer wenden. "Hauptthema ist das Auseinanderleben. Die Frauen sind oft damit unzufrieden, während die Männer die Situation gar nicht richtig erkennen. Darunter leiden viele Frauen und wünschen sich eine Verbesserung der Situation." Häufig kann der Mann zwar von einer Teilnahme an der Beratung überzeugt werden, vielfach würden die Paare den Weg zur Beratungsstelle aber zu spät suchen. Generell rät sie dazu, in einer Partnerschaft offen über Probleme zu kommunizieren. "Dann könnte vielfach das Ruder noch herumgerissen werden", erklärt die Pastoralreferentin.

Kirchlich geprägtes Elternhaus

Eigentlich wollte sie Juristin werden. Doch weil sie aus einem kirchlich geprägten Elternhaus stammt und sie sich schon in jungen Jahren stark in der Kirche engagiert hat, schlug sie einen anderen Lebensweg ein. "Ich habe viel Jugendarbeit geleistet, mit Dekanatsjugendseelsorgern gearbeitet und war in der Diözesanleitung tätig. Das hat mich geprägt", erklärt Birgitta Staufer-Neubauer. Hinzu kommt ihr großes Interesse an der Beantwortung von Fragen der Lebensgestaltung und -bewältigung. Und diese Kombination gab schließlich den Ausschlag dafür, sich auch beruflich in der Kirche zu engagieren und darüber hinaus in der Beratung tätig zu werden. In ihrer Funktion als Beraterin wird sie nicht selten mit seelischen Problemen von Menschen beispielsweise bei der Bewältigung von Trennung und Trauer konfrontiert. Auch das Zusammenleben mehrerer Generationen unter einem Dach ist immer wieder Thema: "Das kann schön sein, ist vielfach aber auch mit Belastungen verbunden", berichtet sie aus ihrer Erfahrung.

Auch wenn immer mehr Männer den Weg zu ihr finden, in erster Linie sind es doch Frauen, die das Beratungsgespräch suchen. Dass diese in der Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle spielen, steht für Birgitta Staufer-Neubauer im Übrigen außer Frage. "Auf ihre Kompetenz kann die Gesellschaft nicht verzichten", spricht die Pastoralreferentin nicht nur das ehrenamtliche, sondern auch das berufliche Engagement an. "Frauen haben eine andere Sichtweise der Dinge; ihre Lebenswelt ist eine andere. Allerdings bleibt ihr Wissen häufig im Verborgenen." Um dieses Potenzial ausschöpfen zu können, sei es auch erforderlich, noch mehr Frauen in Leitungspositionen zu heben. In diesem Zusammenhang appellierte sie an die Arbeitgeber, neue Modelle in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf anzubieten. Auch das Thema "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" stehe nach wie vor auf der Tagesordnung.

Dass die Gleichberechtigung weiter vorangetrieben wird, dafür ist für die Pastoralreferentin der internationale Frauentag hilfreich. Es habe sich aber auch die Zusammenarbeit von Gewerkschaften, Bildungsträgern und Kirchen gewandelt. "Es ist ein gemeinsames Bewusstsein entstanden", weist sie auf positive Entwicklungen hin. Doch damit allein sei es nicht getan: "Da muss noch viel mehr passieren."