"Latente Unsicherheit", fasst Heribert Trunk das Ergebnis der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage für Oberfranken Bayreuth im Kreis Kronach zusammen. Die hiesigen Firmen hätten in der Zukunft vor allem mit drei Problemen zu kämpfen: steigenden Energiekosten, fehlenden Fachkräften und Planungsunsicherheit.Vor Schwarzmalerei warnt der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken Bayreuth aber.

30 Prozent der Unternehmen im Kreis Kronach schätzen ihre aktuelle Geschäftslage positiv ein, 20 Prozent empfinden sie als negativ. Die Inlands- und die Auslandsnachfrage stagnieren, und 44 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass sie nicht ausgelastet sind. Der IHK-Konjunkturklimaindex für die Region Kronach ist um 17 Punkte auf 102 gesunken - das oberfränkische Mittel liegt bei 118. Das sind keine rosigen Zahlen.
Um darüber zu sprechen, waren Heribert Trunk, Präsident der IHK Oberfranken Bayreuth und sein Vizepräsident Hans Rebhan (Vorsitzender des IHK-Gremiums Kronach) am Mittwoch in der Lokalredaktion zu Gast.

Ein Viertel der Befragten Unternehmen im Kreis Kronach klagt über ein sinkendes Auftragsvolumen. Das drückt auch die Erwartungen für die zukünftige Konjunktur. "Hier machen sich die jüngsten innenpolitischen Entscheidungen und aktuellen Krisenherde im Ausland bemerkbar", meinte Rebhan. Die Ukraine-Krise und die damit verbundenen Sanktionen gegen russische Unternehmen gehen zu Lasten der Exporte heimischer Firmen.

"Rein vom Umsatzpotenzial ist die Ukraine eine überschaubare Herausforderung", meinte Trunk. Die Stabilität im Hinblick auf den russischen Gasmarkt sei anders zu beurteilen. Das schürt negative Erwartungen bei den Unternehmen. Und "50 Prozent der Wirtschaft sind Psychologie", wie der IHK-Präsident für Oberfranken Bayreuth mehrfach betonte.

Investitionen

Die Kronacher Unternehmen planen laut der Konjunkturumfrage mit steigenden Investitionen, vorwiegend im Inland. "Der Wirtschaftsraum Kronach liegt bei der Investitionsplanung unter den Top 3 der acht Teilregionen unserer Kammer in Oberfranken", so Rebhan. Das sei ein starkes Statement für die Region, auch da es sich hauptsächlich um Inlandsinvestitionen handele. Zudem stimme die Auftragslage optimistisch: "Gerade im Auslandsmarkt rechnen viele Unternehmer mit steigenden Auftragsvolumina", meinte der IHK-Vize.

Fachkräftemangel

Negativ beurteilte Heribert Trunk die Rente mit 63. Das sei ein "Schritt in eine falsche Richtung", so Trunk. Einem Handwerker, der nach 45 Jahren nicht mehr arbeiten könne, sei die Rente gegönnt. Es müsse aber gleichzeitig solchen, die länger arbeiten möchten, möglich sein, das zu tun. In einer Schlacht gegen den Fachkräftemangel müsse auf alle Ressourcen zurückgegriffen werden. Zumal die Expertise der erfahrenen Kräfte - der Menschen über 60 - nicht unterschätzt werden dürfe, sagte Trunk.

Ausbildungslage

In Kronach kann jeder Schulabgänger im Schnitt zwischen zwei oder drei Lehrstellen wählen, schätzte Hans Rebhan. Die folge sei: "Unternehmer bekommen nicht mehr die Lehrlinge, die sie gerne hätten". Kronach liege zwar auf dem Niveau des Vorjahres - vor dem Hintergrund des Demografiewandels sei das ein Erfolg, meinte Trunk. Das ändere aber nichts daran, dass mehr Lehrlinge gebraucht werden. Dass sie fehlen, geht zu Lasten der Planungssicherheit der Firmen.

Kosten

Die Kapazitätsauslastung wird in Kronach so negativ beurteilt wie in keiner anderen der acht Teilregionen der IHK für Oberfranken Bayreuth. Das liegt daran, dass es zu wenige Aufträge gibt. Gleichzeitig steigen aber die Ausgaben - allen voran für Energie. "Die größte Sorge für die Unternehmen sind die Kosten", sagte Rebhan. Über die Hälfte der Unternehmen klage darüber. Mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Kreis Kronach sei die Politik gefordert, "Entlastungen statt neuer Stolpersteine herbeizuführen", so Rebhan. Er appellierte an Berlin, sich Lösungen für das Problem zu überlegen.

Löhne

Das Thema Mindestlohn (ab Januar 2015 flächendeckend verpflichtend) sieht Heribert Trunk für die Industrie als unproblematisch an. Im produzierenden Gewerbe werde meist schon mehr als die geforderten 8,50 Euro gezahlt. Anders im Dienstleistungssektor, der ebenfalls in den Bereich der IHK fällt. "Den Mindestlohn wird die Bevölkerung zahlen", sagte Trunk. Die Preise beim Taxifahren, Frisör oder in der Gastronomie würden zwangsläufig steigen und auf den Verbraucher umgelegt werden.

Vor allem das geplante Einstiegsalter mit 18 sieht Trunk als falsches Signal. Er sieht die Gefahr, dass Kinder aus bildungsfernen Schichten von ihren Eltern gesagt bekommen: "Lern' keinen Beruf, lern' lieber nix. Geh' für Mindestlohn arbeiten, da verdienst du mehr." Trunk wäre ein Einstiegsalter mit 21 lieber. "In zwei oder drei Jahren wird man die Politik für den Mindestlohn schelten, weil ein Teil der Klientel nicht mehr zur Ausbildung geht".
Befragt wurden im Kreis Kronach 170 Unternehmen, von denen 42 der IHK ihre Einschätzungen mitgeteilt haben.