Gefeiert immer am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest, ist Fronleichnam - das Hochfest des Leibes und Blutes Christi - ein lebendiges Glaubensbekenntnis. Gleiches gilt für die immer am Sonntag darauf in Kronach begangene Schweden-Prozession, womit die Bevölkerung ein Gelöbnis aus dem 30-jährigen Krieg einhält. Beides muss heuer wegen der Corona-Pandemie ausfallen.

"Fronleichnam und der Schweden-Sonntag sind ganz besondere Ereignisse in Kronach", weiß Walter Lieb, der von 1955 bis 1997 das Amt des Mesners in der Pfarrei St. Johannes der Täufer in Kronach innehatte. Der Stellenwert zeige sich durch die Teilnahme von Vereinen und Hilfsorganisationen, Kommunion- und Kindergartenkindern, Behörden sowie Kommunalpolitikern sowie am liebevoll ausgestalteten Prozessionsweg mit kunstvoll verzierten Altären, Fahnen und Blumenschmuck.

Schulen waren stark vertreten

"Ich kann mich erinnern, dass wir manchmal bei sehr starkem Regen am ersten oder zweiten Altar in die Pfarrkirche umgekehrt sind. Aber ansonsten fanden die Prozessionen während meiner Zeit als Mesner immer statt", erzählt der 85-Jährige. Wenngleich er selbst schon seit einigen Jahren den Weg nicht mehr mitlaufen könne, bedauere er doch die coronabedingten Absagen sehr. Als Mesner seien die Festlichkeiten für ihn jedes Mal mit viel Arbeit verbunden gewesen - von der Vorbereitung bis zur Durchführung.

Der größte Unterschied zu heute sei die Teilnehmeranzahl, die früher deutlich höher gewesen sei. "Der Marktplatz war komplett voller Leute", erinnert er sich insbesondere an unzählige teilnehmende Schulkinder sämtlicher Jahrgangsstufen der Grund- und Volksschule, aber auch von Realschule und Gymnasium. Vor allem die Kommunionkinder und Firmlinge wurden durch das Tragen verschiedener Figuren, die sie am Tag zuvor schmückten, einbezogen. Begleitet wurden die Klassen von Lehrern oder Ordensschwestern.

Pfingstferien brachten eine Zäsur

"Mit der Einführung der Pfingstferien (1959) war es damit dann fast schlagartig vorbei", bedauert der ehemalige Mesner. Dieser erinnert sich noch gut daran, wie er und seine Frau die Figuren aufstellten und darauf gewartet hätten, dass die Schulklassen kommen und die Figuren schmücken. "Niemand kam, weil sich niemand darum gekümmert hatte. Wir haben dann noch schnell nachts die Figuren, die nicht mitgetragen wurden, aus der Kirche verschwinden lassen", schmunzelt Walter Lieb. Die Einführung der Ferien habe einen gravierenden Einschnitt in der Beteiligung dargestellt.

Seit 1893 nimmt der Rosenberg-Kindergarten teil, mittlerweile auch andere katholische Kindergärten, wird doch der dritte Altar zu Fronleichnam abwechselnd von verschiedenen Kindergärten inhaltlich ausgestaltet. Seitens der Vereine nehmen am längsten die Kolpingfamilie und die KAB teil, nämlich seit ihrer Gründung 1861 beziehungsweise 1900, sofern es ihnen in der Nazi-Zeit nicht verboten worden sei. Beide übernehmen alljährlich bei der Schweden-Prozession die Ausgestaltung des zweiten und dritten Altars auf der Festung.

Als sehr schön empfindet Walter Lieb den ökumenischen Aspekt, schließen sich doch viele evangelische Mitchristen den Prozessionen an. Der zweite Fronleichnams-Altar findet nahe der evangelischen Christuskirche statt. Der vierte Altar der Schweden-Prozession am Melchior-Otto-Platz wurde von der "Action 365" im Zeichen der Ökumene übernommen, was vor allem Kronachs Ehrenbürger Heinrich Schreiber ein großes Anliegen gewesen sei.

Sehr freut sich der ehemalige Mesner, dass die gebürtige Kronacherin Kathrin Bauer 2009 ihre Zulassungsarbeit zum 1. Staatsexamen zum Thema "Fronleichnamsprozessionen Kult und Ritus - Am Beispiel der Fronleichnamsprozession in Kronach" schrieb. Hierfür erhielt sie 2010 auch den Kaspar-Zeuß-Preis der Stadt Kronach. Da er sie bei ihren Nachforschungen unterstützte, überließ Bauer ihm ein Exemplar ihres 150 Seiten umfassenden Werks. "Die Prozessionen waren mit viel Arbeit verbunden; aber ich möchte sie nicht missen", bekundet Walter Lieb - in der Hoffnung, dass sie 2021 wieder traditionell stattfinden können.

Dem schließt sich Stadtpfarrer Thomas Teuchgräber an. Wie dieser ausführt, bedürfen besondere Situationen neuer kreativer Wege und Methoden. In diesem Sinne werde man heuer auch die beiden Festtage im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten begehen. Die Eucharistiefeier am Fronleichnamsfest beginnt in der Kronacher Stadtpfarrkirche um 9.30 Uhr. Dabei wird es auch eine kleine Prozession in der Kirche geben, wobei die liturgischen Dienste die Monstranz tragen. Nachmittags ist in der Spitalkirche das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt.

Nicht nur ein freier Tag

"Der Festtag fällt nicht aus, sondern wird eben anders begangen", betont er - in der Hoffnung, dass die Menschen Fronleichnam nicht nur als freien Tag betrachten, sondern bewusst begehen. Sicherlich werde es Übertragungen im Fernsehen geben und man könne einfach das Gebetbuch oder Fronleichnams-Liederheftchen zur Hand nehmen und gemeinsam in der Familie typische Fronleichnamslieder anstimmen.

Die beiden großen Kronacher Prozessionen

Fronleichnam Der erste Beleg findet sich in einer Bürgermeister-Rechnung von 1444. Daraus geht auch hervor, dass die Stadtschützen bei der Prozession bewaffnet das Allerheiligste begleiteten und hierfür bezahlt wurden.

Um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert kann der Ablauf in Kronach als "klassisch" bezeichnet werden. Vor der Prozession wurde die Messe in der Stadtpfarrkirche gefeiert und danach der Umgang mit den vier Stationen abgehalten. Im Anschluss geleitete die Gemeinde das Allerheiligste feierlich in die Kirche zurück. Der Prozessionsweg war der gleiche wie heute. Lediglich die Standorte der einzelnen Altäre haben sich - mit Ausnahme des zweiten Altars - leicht geändert.

Die inhaltliche Ausgestaltung an den vier Stationen wurde bis in die 60er Jahre von der Pfarrei übernommen und klar von der Kirche vorgegeben. Eindeutige Änderungen im Gesamtablauf wurden unter Stadtpfarrer Theo Herold (1976 - 1989) Ende der 70er Jahre vollzogen und bis heute beigehalten. Diese Neuerungen stehen im Zusammenhang mit der Liturgiereform nach dem II. Vatikanischen Konzil. Herold rückte das gemeinsame Feiern der Eucharistie in den Mittelpunkt des Fests und verlegte die Messe auf den Kronacher Marktplatz. Als Folge der Forderung des II. Vaticanums, Laien an der Messe zu beteiligen, wurde die inhaltliche Ausgestaltung des zweiten, dritten und vierten Altars kirchlichen Gruppen übergeben. (Quelle: Zulassungsarbeit von Kathrin Bauer "Fronleichnamsprozessionen Kult und Ritus - Am Beispiel der Fronleichnamsprozession in Kronach")

Schweden-Prozession: Vor über 380 Jahren erstmals - mit nur wenigen Unterbrechungen - begangen, bietet die Schwedenprozession noch immer einen außergewöhnlichen Anblick: Noch vor dem Allerheiligsten schreiten die Frauen. Mit der Friedens- und Dankesprozession erinnern die Kronacher daran, dass sie im 30-jährigen Krieg verschont blieben. Zugleich ist sie auch Bitte für ein friedliches Miteinander - und ein Dank an die tapferen Frauen, die dem feindlichen "Schwedenheer" das Fürchten lehrten.

Als nördlichstes Bollwerk des Bistums Bamberg wurde die alte Crana in diesem Krieg gleich dreimal belagert. 1634 standen die Kronacher einer riesigen Übermacht an Angreifern gegenüber. Als die Männer vom Kampf ermüdet aufgeben wollten, schlug die Stunde der tatkräftigen Frauen. Bewaffnet mit Pflastersteinen und kochendem Wasser aus den Brauhäusern verteidigten sie ihre Stadt und schlugen sie die Gegner in die Flucht. Jahr für Jahr lösen die Kronacher ihr damals gegebenes Versprechen ein und machen den Sonntag nach Fronleichnam zum Schwedensonntag. Den Anfang bildet eine Eucharistiefeier in der Stadtpfarrkirche. Danach begeben sich die Teilnehmer auf den vier Stationen umfassenden Prozessionsweg zur Festung Rosenberg.

So wird in diesem Jahr gefeiert

Fronleichnam Das Fronleichnamsfest wird an diesem Donnerstag gefeiert - aber ohne Prozessionen: Erzbischof Ludwig Schick hat mitgeteilt, dass keine Prozessionen im üblichen Rahmen gehalten werden können, da "der Zwei-Meter-Abstand dabei schwer einzuhalten ist und wegen der Mund-Nasen-Bedeckungspflicht Atemprobleme entstehen können." Gefeiert wird das Hochfest deshalb heuer in den Pfarrkirchen. Die Eucharistiefeier beginnt in der Kronacher Stadtpfarrkirche um 9.30 Uhr. Ihr schließt sich eine kurze eucharistische Anbetung mit sakramentalem Segen an. Um Anmeldung der Teilnahme wird gebeten.

Schwedensonntag am 14. Juni in Kronach: Gemeinsam mit Bürgermeisterin Angela Hofmann liegt der Pfarrei sehr daran, das Gelübde der Vorfahren auch heuer zu erfüllen. Eine Prozession mit vielen Teilnehmenden wird es aus den gleichen Gründen wie zu Fronleichnam nicht geben. Stattdessen wird zu einer Messfeier um 9.30 Uhr im Freien auf der (hinteren) Bastion der Festung Rosenberg eingeladen, wo die Mitfeiernden im Zwei-Meter-Abstand stehen müssen. Sitzgelegenheiten können nicht angeboten werden. Falls es am Vormittag regnen sollte, findet die Messe um 9.30 Uhr in der Stadtpfarrkirche statt. Auch zu diesem Gottesdienst wird die Anmeldung im Pfarramt erbeten. Ob und wo es im Anschluss Bratwurst-to-go-Angebote gibt, ist der Tagespresse zu entnehmen.