Die Hälfte aller ein- bis dreijährigen Kinder wird heutzutage in einer Krippe oder bei einer Tagesmutter betreut. Die Nachfrage steigt stetig - auch im Kreis Kronach. Doch kann der Bedarf überhaupt gedeckt werden? "Jeder, der unbedingt eine Betreuung braucht, der findet etwas", erklärt Michaela Schneider, Fachaufsicht für Kindertagesstätten im Landkreis Kronach. Vielleicht ist nicht kurzfristig in der Wunscheinrichtung ein Platz frei, aber woanders findet man einen, da ist sich Schneider sicher. Besonders im Kronacher Innenstadtbereich seien die Plätze schnell belegt.

Erst vor kurzem hatte Michaela Schneider ein Telefonat mit einer jungen Mutter, die für ihr einjähriges Kind ab September einen Krippenplatz sucht. "Wir haben uns angeschaut, wo sie wohnt und wo sie auf dem Weg zur Arbeit entlang fährt." Dabei seien dann vier Einrichtungen in Frage gekommen, die auch noch Kapazitäten frei haben. Die Grundversorgung im Landkreis sei nahezu erreicht.


Neue Lösung in Kronach

Die Kinderbetreuung stelle das Landratsamt sowie die Gemeinden immer wieder vor Herausforderungen. "Die Entwicklung ist heutzutage sehr kurzfristig." Ein Jahr brauche man mehr Krippenplätze, das andere Jahr mehr Kindergartenplätze. Es sei wichtig, dass man eine hohe Flexibilität erreicht. Eine Lösung dafür könnten altersgemischte Gruppen sein.

Aktuell konzipiert das Bayerische Rote Kreuz (BRK) Kreisverband Kronach für das Mehrgenerationenhaus (MGH) in Kronach eine solche Gruppe. Dafür wird das Erdgeschoss des MGH umgebaut. "Spätestens im Juni können die ersten Plätze belegt werden", erklärt Antje Angles. Sie ist beim BRK für das Projekt Lebensqualität für Generationen zuständig. 22 Plätze wird es in der altersgemischten Gruppe, die für ein- bis sechsjährige Kinder konzipiert ist, geben. "Ein Kind unter drei Jahren belegt jedoch zwei Plätze. Dadurch können wir ihnen besser gerecht werden", erklärt Angles.

Mit der neuen Gruppe soll dem bestehenden Kindergarten in Kronach jedoch keine Konkurrenz gemacht werden. "Wir wollen das Angebot erweitern, da die Plätze in Kronach knapp sind." Zwar seien oft in den umliegenden Kindergärten noch Plätze frei. "Aber wir haben viele Eltern, die kein Auto haben und die Einrichtung zu Fuß oder mit dem Rad erreichen müssen", erklärt Silke Weniger, Leiterin der BRK-Krippe "Rotkreuzbienchen". Zudem gebe es das Problem, dass einige Kinder bald drei Jahre werden. "Wir finden für sie schlecht einen Kindergartenplatz in Kronach", meint Angles.


Früher waren Krippen verpönt

Offiziell wurden im Kreis Kronach 2007 die ersten Krippenplätze ausgewiesen. Ab dann stieg die Anzahl stetig - von 299 auf aktuell 455. Für den steigenden Bedarf gibt es laut Michaela Schneider mehrere Gründe: "Viele Mütter wollen frühzeitig wieder arbeiten. Andere müssen, wenn ein Haus gebaut wurde." Zudem sei es heute gesellschaftlich anerkannter, sein Kind schon mit einem Jahr in eine Einrichtung zu geben. "Früher war das verpönt."

Auch die Flüchtlingskinder haben laut Schneider die Situation im Kreis beeinflusst. Ein Segen für einige Einrichtungen. "In Nordhalben hatten wir viele freie Plätze. Jetzt sind sie belegt." Ein finanzieller Vorteil.

Alle ein bis zwei Jahre machen die Kommunen laut der Fachaufsicht eine Bedarfsplanung: Wie viele Kinder gibt es und wie sehen die Wartelisten für die Einrichtungen aus? "Wenn ein Bedarf an Krippenplätzen ermittelt wird, wird erst einmal eine Übergangslösung geschaffen, um zu schauen, ob sie wirklich gebraucht werden", erklärt Schneider. Krippen werden zwar zum großen Teil gefördert, doch die staatlichen Mittel sind zweckgebunden und decken nicht die Gesamtkosten. "Wenn die Krippe doch nicht angenommen und geschlossen wird, muss die Kommune die Mittel zurückzahlen."

Im Landkreis sind noch dieses Jahr Projekte in Sachen Kinderbetreuung geplant: In Kronach sollen weitere Krippenplätze entstehen und in Ludwigsstadt werden die Baumaßnahmen für eine zweite Gruppe beginnen.