• Historische Entdeckung in Oberfranken: Archäologen gelingt spannender Fund
  • Heimatforscher entdeckte Bodendenkmal in Friesen (Gemeinde Kronach) bereits vor 30 Jahren
  • Erneute Untersuchung liefert überraschend neue Erkenntnisse - Eingrenzung nun erstmals möglich
  • Hinweise ergeben zudem: Siedlung aus dem Mittelalter bestand wohl aus zwei kleineren Siedlungen 
  • Forscher finden auch Anzeichen für mehrere bislang unbekannte Gebäude und Handwerksplätze

Archäologen haben in Oberfranken eine unerwartete Entdeckung gemacht: Mehr als 30 Jahre nach dem Fund eines mittelalterlichen Bodendenkmals in Friesen (Gemeinde Kronach) liefert eine erneute Erkundung nun neue Erkenntnisse. Infolge einer Untersuchung durch eine Fachfirma lässt sich nun erstmals das Ausmaß der einstigen Siedlung eingrenzen. "Wir haben das gesamte Areal um die eigentliche Ausgrabungsstelle untersucht", berichtet Projektleiter Philipp Schinkel. "Hierzu waren bislang überhaupt keine Informationen bekannt." Zudem gibt es jetzt Hinweise auf mehrere bislang unbekannte Gebäude und Handwerksplätze.

Bodendenkmal in Friesen: Archäologische Untersuchung liefert Forschern neue Erkenntnisse

"Wir waren meistens zu dritt an der Fundstelle vor Ort", erzählt Archäologe Schinkel inFranken.de. "Insgesamt waren außerdem neun ehrenamtliche Helferinnen und Helfer im Einsatz." Der 31-Jährige weist sogleich auf die Bedeutung der historischen Stätte hin. "Dieser Fundplatz in Friesen hat schon eine relativ lange Geschichte. Er ist bereits Ende der 80er-Jahre entdeckt worden." Die grundsätzliche Kenntnis des hohen historischen Stellenwerts des Gebiets verdankt die Wissenschaft Gregor Förtsch.

Der aus dem Raum Kronach stammende Heimatforscher fand seinerzeit während einer Begehung auf einem Acker nahe Friesen zahlreiche mittelalterlichen Fundobjekte. Im Anschluss führten das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und die Uni Bamberg vor Ort Ausgrabungen durch. Dabei wurden zwei Steinfundamente aus dem 12. Jahrhundert zutage gefördert.  Andere Funde gehen Schinkel zufolge gar auf das 8. Jahrhundert, also das frühe Mittelalter, zurück.

"Die Fundamente sind inzwischen etwas zugewuchert, aber nach wie vor zu sehen", berichtet der Archäologe. Danach herrschte erst einmal für lange Zeit Stille. Nun gibt es gleichwohl spannende Neuigkeiten zu berichten. Rund 30 Jahre nach seiner Entdeckung des Bodendenkmals wollte Gregor Förtsch die historische Fundstelle erneut unter die Lupe nehmen. Im Auftrag der Archäologischen Arbeitsgruppe Kronach und der Stadt Kronach fand in diesem Jahr schließlich eine weitere Untersuchung statt.

"Ganz wichtiger Fundplatz": Eingrenzung von Siedlung aus dem Mittelalter nun erstmals möglich

Der Würzburger Archäologe Philipp Schinkel und seine Fachfirma "Archäoscout" führten von Februar bis April 2021 eine sogenannte geophysikalische Prospektion durch. Das Besondere: Erstmals wurde dabei auch das erweiterte Umfeld der beiden Gebäudefundamente in den Fokus genommen. "Wir haben das gesamte Areal um die eigentliche Ausgrabungsstelle untersucht", berichtet Schinkel. "Hierzu waren bislang überhaupt keine Informationen bekannt."

"Diese gefundenen Steinfundamente aus dem 12. Jahrhundert deuteten zwar bereits an, dass dort in der Gegend etwas Bedeutsames war", erklärt der 31-Jährige. "Es scheint, ein ganz wichtiger Fundplatz zu sein." Eine weitflächige archäologische Untersuchung war bis dato allerdings ausgeblieben. "Man hatte bis vor Kurzem überhaupt keine Ahnung, wie groß dieses Siedlungsareal eigentlich einmal war, weil bislang nur der Bereich der entdeckten Steinfundamente ergraben war." Erst die jüngste Erkundung der geschichtlichen Stätte lieferte der Forschung neue Erkenntnisse.

"Insgesamt scheint sich das Projekt sehr gelohnt zu haben", konstatiert der in Coburg geborene Archäologe. Der Grund: "Wir haben auf einem Areal von 5,7 Hektar, also einer ziemlich großen Fläche, gemessen. Dabei haben wir Grabenumwehrungen feststellen können, die das Siedlungsareal eingrenzen."

Bodendenkmal aus dem 12. Jahrhundert: Vermutlich gleich zwei Siedlungen nebeneinander 

Die Besonderheit hierbei: Vermutlich setze sich das Bodendenkmal nahe Friesen aus zwei Teilbereichen zusammen. "Das eine ist wahrscheinlich ein kleineres Areal. Hinzu kommt ein zweites, größeres Areal, das mit einem anderen Graben eingefriedet war", sagt Schinkel. Die Quintessenz der neuen Entdeckung: "Es deutet viel darauf hin, dass da eine kleinere Siedlung - vielleicht schon aus dem frühen Mittelalter - später zu einer größeren Anlage ausgebaut wurde."

Doch damit nicht genug: "Innerhalb dieser Grabenstrukturen haben wir bei unserer Messung mehrere Gebäudestandorte feststellen können." Aus Forschungssicht eine spannende neue Erkenntnis. "Das heißt, wir haben nun neben den bereits ergrabenen Fundamenten Hinweise auf weitere Gebäude", unterstreicht Schinkel.

Durch das neu erlangte Wissen sei nun erstmals das ungefähre Ausmaß des Bodendenkmals bekannt geworden. "Wir können jetzt tatsächlich einschätzen, wie groß diese Siedlung ehemals war." Die kleinere - und womöglich ältere - der beiden Siedlungen dürfte demnach gut 1,5 Hektar groß gewesen sein. "Der spätere Ausbau muss dann bei mindestens 4,5 Hektar gelegen haben." 

Hinweise auf mehrere bislang unbekannte Gebäude und Handwerksbereich

Das Interessante: "In dem größeren Ausbau deuten sich tatsächlich auch noch unterschiedliche Areale ab." Demnach entdeckten Schinkel und sein Team im Zuge ihrer Prospektion in dem einen Gebiet gleich mehrere Gebäude, die allesamt ähnlich ausgerichtet waren. "Sie sind auch ähnlich groß." Nach jetzigem Forschungsstand weise viel darauf hin, dass es in dem Areal westlich der vor rund 30 Jahren gefundenen Steinfundamente seinerzeit einen Handwerksbereich gegeben hat. "Dort hat wahrscheinlich in irgendeiner Form Metallverarbeitung stattgefunden", vermutetet der Projektleiter. 

Schinkel zufolge seien Gregor Förtsch, dem einstigen Entdecker des Bodendenkmals, im Lauf der Jahre zudem unzählige Funde im Umfeld des Ackers geglückt. "Er hat an dem Fundplatz nicht nur mittelalterliche Funde gemacht, sondern teilweise auch erheblich ältere." Demnach wurden unter anderem auch Funde aus der späten Bronzezeit und sogar der Steinzeit getätigt. "Das zeigt, dass der Standort durch die Epochen hinweg interessant war und immer wieder genutzt wurde."

Auf Grundlage von Förtschs Entdeckungen habe man zwar schon vorher grob bestimmen können, welche Zeitstellungen vorliegen und an welcher Stelle sich der Siedlungsbereich ungefähr befand - "aber dass man jetzt wirklich konkret sagen kann, wo die einzelnen Gebäudestandorte und die äußeren Grenzen der Anlage zu fassen sind, ist vollkommen neu."

"Großer Vorteil": Geophysikalische Prospektion ermöglicht "zerstörungsfreie" Erkundung

Dies sei nun erstmals dank der angewandten Magnetometerprospektion möglich geworden. Dabei handelt es sich um eine geophysikalische Untersuchungsmethode. Im Gegensatz zu herkömmlichen archäologischen Ausgrabungen (mit Schaufel und Spaten) sei es hierdurch möglich, ein wesentlich größeres Gelände "zerstörungsfrei" zu erkunden. Der entscheidende Pluspunkt dieser Herangehensweise: "Ich kann archäologische Informationen sammeln, ohne den Befund ausgraben zu müssen." Auf diese Weise werde verhindert, dass das Bodendenkmal in irgendeiner Weise angegriffen werde. "Das ist der große Vorteil dieser Methode." 

So aufregend die neu gewonnen Erkenntnisse über das Areal nahe Friesen bereits jetzt sind, für Philipp Schinkel und seine Fachfirma ist die Arbeit noch nicht beendet. Zwischen Ende Oktober und Anfang November soll noch eine sogenannte Bohrkernsondierung erfolgen. "Dabei sollen die einzelnen Anomalien, die wir gemessen haben - also zum Beispiel die Gebäudestandorte und die Grabenstrukturen - noch einmal nachgeprüft werden."

Im Zuge dessen werde erörtert, welche Sedimente (Akkumulationen von Lockermaterial) vorliegen. "Gibt es also beispielsweise Hinweise auf Brandschichten oder Ähnliches", erklärt Schinkel das Procedere. "Das Ganze ist wichtig, um die vorhandenen Strukturen noch ein wenig genauer interpretieren zu können." 

Tourismus-Pläne: Historische Stätte soll Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden

Ein wesentlicher Punkt sei zudem die Frage, in welcher Form die archäologische Aufarbeitung und Dokumentation der Grabungen erfolge. Dies soll in Absprache mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege geschehen. "Das ist ein sehr bedeutsamer Fundplatz. Das weiß eigentlich jeder, der sich damit befasst."

Geplant sei aus diesem Grund außerdem, das geschichtsträchtige Gebiet einem breiten Publikum zugänglich zu machen. "Das Thema steht nun wieder auf der Tagesordnung und soll angegangen werden", sagt Projektleiter Schinkel. Derzeit werde anhand einer "Machbarkeitsstudie" geprüft, welche Möglichkeiten es vor Ort gebe, um die historische Stätte langfristig für den Tourismus zu erschließen.

"Es ist denkbar, dass man die ausgegrabenen Fundamente wieder ein bisschen anschaulicher gestaltet und vielleicht sogar teilweise ein Stück weit auch rekonstruiert." Geschichte zum Anfassen quasi. 

Erst im Sommer war Archäologen im oberfränkischen Klosterlangheim ein überraschender Fund geglückt. Bei einer Grabung stießen sie auf ein bislang unbekanntes Mauerwerk.