An die 800 Jahre prägte die Flößerei den Frankenwald. Sie ist schon längst Geschichte geworden und doch spricht man heute noch voller Achtung von den unglaublichen Leistungen der Altvorderen, deren Leben geprägt war von einem kräftezehrenden Überlebenskampf. Die Flößerei war ihre Arbeit, ihr Brot, ihr Schicksal. Und sie formte den Charakter der Menschen. Abgehärtet durch die schwere und gefährliche Arbeit, mutig und kühn, rau nach außen, aber mit einem guten Herzen - das war der Frankenwaldflößer. Er stand mit Gevatter Tod und mit dem Herrgott auf gutem Fuß, und wenn er einmal kräftig sein "Feuedunnekeil" fluchte, so war dies nicht so gemeint. Mit Gottvertrauen, Genügsamkeit und Zufriedenheit überstand man oft schwierige Zeiten.

Unerbittlich war das Gesetz, nach dem die Flößer lebten: Wer arm war, blieb es sein Leben lang. Nur wenige schafften den Aufstieg und hatten es bis zum Floßherrn gebracht, der Wald und Äcker besaß. Die meisten waren Knechte, die magere Ziegen großzogen und ein Schwein, die jahraus, jahrein ihre Kartoffelklöße mit Milchsuppe oder Zwetschgenmus aßen, und wenn Feiertag war, mit einem Brocken Fleisch.

Fünf Maß Bier als Tagesration

Trotz aller romantischer Darstellungen: Flößer war kein Wunschberuf. Flößer wurde man, weil es in der Familie Tradition war. Und schließlich gab es im Frankenwald kaum berufliche Alternativen. Stetig waren die Männer auf ihren mächtigen Holzverbänden Wind und Wetter ausgesetzt. Nach der schweren Arbeit kroch der Flößer in die Schutzhütte auf dem Floß, um dort auf Stroh auszuruhen. Die Kost bestand morgens aus Kaffee und Brot, abends aus Suppe und Fleisch. Auch wenn der Lohn für die Flößer nicht allzu üppig ausfiel, an der Verpflegung - der Floßherr war dafür zuständig - wurde nicht gespart. Fünf Maß Bier und ein Pfund Fleisch betrug die rechtlich verankerte Tagesration auf Rodach und Main.

Am Zielort angelangt, mussten die Flößer den Heimweg meist zu Fuß über den Spessart bewältigen. Erst mit der Eisenbahn änderte sich die Situation.

Die erste schriftliche Erwähnung der Flößerei im Frankenwald datiert aus dem Jahre 1386. Dabei ging es um eine Streitigkeit "wegen Flozzens uff der Radach". Doch schon lange vorher versorgten die Frankenwaldflößer die Bamberger beim Bau ihrer Gotteshäuser mit mächtigen Stämmen. Einst spielte das Holz vor allem als Energiequelle eine sehr große Rolle. Der Holztransport auf dem Landweg, auf schlechten Straßen mit Pferde- und Ochsenfuhrwerken war kaum zu bewerkstelligen. Als Alternative blieb der Wasserweg. Jahrhundertelang versorgten die Frankenwaldflößer zuverlässig die Menschen am Main und Rhein mit Bauholz, Brennholz und Brettern.

An der Hauptzollstelle des Frankenwaldes, auf der Rodach bei Neuses (Zollschere) - wurden bereits im Jahre 1500 an die 5000 Flöße abgefertigt. Chronisten schreiben 1825, dass "ungeheuer viel Geld auf dem Wasser herunter schwimme", bis zu 550 000 Gulden brächte der Floßholzhandel alljährlich in das Amt Kronach. 10 213 Böden, das sind Langholzflöße aus vier bis zehn Stämmen, 502 Doppelböden und 4508 Bretterflöße (Stümmel genannt) passierten im Jahre 1821 den am Obermain gelegenen Ort Hausen. Ganz Mainfranken wurde auf diese Weise mit Lang- und Schnittholz versorgt, sogar das Ruhrgebiet ließ sich mit Grubenholz beliefern, und in den niederländischen Hafenstädten bildet Floßholz zum Teil noch heute das notwendige Fundament.

Zunächst brachten die Holzrücker im oberen Frankenwald das Holz an die Floßbäche. Dort wurde es von der Floßmannschaft zu sog. Grundkuppeln, die, je nach Größe, aus neun bis zwölf Stämmen bestanden, zusammengebaut und in den Heimatort des Floßherrn geflößt. Hier wurden diese Flöße wieder "zertrümmert", die Stämme einzeln auf die Holzlager geschleift und sauber entästet, sortiert und beschlagen. Nun wurden neue Flöße, Messkuppeln aus Stämmen mit mindestens 21 Zentimeter Durchmesser, Böden und aus dem Bretterholz der Schneidmühlen zwölf Meter lange Stümmel gefertigt.

Die "Raas"

Die große Floßreise, die sogenannte "Raas", begann im Frühling. Sorgsam wurden die Truhen mit dem Proviant, den Werkzeugen und dem übrigen Gepäck zwischen den Brettern verstaut, aus denen die Floßhütte dann in Bischberg als Unterkunft errichtet wurde. Je breiter und tiefer der Wasserlauf wurde, umso mehr einzelne "Böden" oder "Kuppeln" konnten aneinandergehängt oder aufeinander geladen werden. Aus dem "Zwiespänner" wurde ab Schwürbitz das "Hallstadter Stück". Es erreichte bereits eine Länge von bis zu 75 Metern.

Die nächste größere Floßeinheit, das "Würzburger Stück", wuchs auf 120 bis 130 Meter Länge und etwa neun bis zehn Meter Breite an. Ein solches Monstrum, bis zu 160 Tonnen schwer, wurde mit dem bis zu neun Meter langen Floßbaum gesteuert. Zu regelrechten Superlativen kam es dann auf dem Rhein. Die bis zu 300 Meter langen mächtigen Rheinflöße brachten es auf bis zu 12 000 Kubikmeter Holz. Mit dem Ende des "hölzernen Zeitalters" kam es zu tief greifenden sozialen Veränderungen, denn die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Wasser war enorm. Es gab mehrere Gründe für den Niedergang. Neben der Mainkanalisierung erwiesen sich mehr und mehr Langholzfuhrwerke, dann später die Eisenbahn, als starke Konkurrenten. Nach dem Ersten Weltkrieg brach eine neue Zeit an, mit der die Flößer nicht mehr mithalten konnten. Die letzte gewerbliche Fahrt fand im Frühjahr 1958 zwischen Wilhelmsthal und Friesen statt.

Erfreulicherweise lebt die einst so bedeutende Flößerei in der Erinnerung der Menschen weiter. Fast 700 Mitglieder zählen die Flößervereine in Unterrodach, Wallenfels, Friesen und Neuses. Seit 1969 treffen sie sich alljährlich unter der Leitung des jeweiligen Landrats zum Kreisflößertreffen.

Im Jahre 1986 legten die heimischen Flößer nochmals mächtig Hand an und organisierten vom 13. bis 17. Juni eine Traditionsfloßfahrt von Bamberg nach Karlstadt. Tausende jubelten den Männern bei dieser Gedenkfahrt zu. Zwei Jahre später begeisterten die Frankenwäldler bei der eindrucksvollen Schiffsparade auf dem Rhein bei Düsseldorf vor über 15 000 Zuschauern mit einem 110 Meter langen und 20 Meter breiten Rheinfloß. Einige Wochen später flößten die Männer unter der Leitung von Floßmeister Emil Hümmrich-Welt und Mitorganisator Gerhard Wich-Heiter auf dem Neckar von Eberbach bis zum 1000-jährigen Neckargemünd.

Deutschlandweit nimmt das Flößereifachmuseum in Unterrodach einen hohen Stellenwert ein. Aber auch die heute noch existierenden Floßteiche, die attraktiven Floßherrenhäuser - insbesondere in Unterrodach - die weiteren musealen Einrichtungen in Friesen und Neuses, die Flößerkapelle Neuses sowie der Volks- und Gebirgstrachtenverein "Die Rosenbergler" aus Kronach erinnern an diesen Berufsstand.