Die Gleichung, die Hartmut Röder vom Büro Eccofort (Berlin) gestern dem Tourismusausschuss aufgemacht hat, ist bestechend einfach: Mehr Märkte, mehr Besucher, mehr Einnahmen. Umzusetzen ist sie seiner Darstellung nach mit "Forte Cultura" - einem Projekt, das Festungen von der Ostsee bis zur Adria verbinden möchte.

"Es geht schlicht um die Kapitalisierung des Kulturerbes - wie können wir es wirtschaftlicher machen und in das moderne Leben der Stadt einbinden, für den touristischen Markt erschließen", fasste Röder die Ziele zusammen, die mit Hilfe des europäischen Vorhabens erreicht werden sollen. Er hatte sich gestern mit Vertretern weiterer Projektpartner in Kronach getroffen, um erste Ergebnisse zu präsentieren und weitere Schritte zu planen.

Kulturtourismus stärken

Letztlich soll es darum gehen, ein effizientes Management aufzubauen, modernes Leben in die Bollwerke hineinzubekommen, den Kulturtourismus zu stärken und Wissen zu erhalten. Festungen seien permanent unterfinanziert, umriss er ein Problem, das Kronach als Eigentümerin seiner Festung seit Jahrzehnten beschäftigt. Zusätzliche Einnahmequellen müssten erschlossen werden. "Viele Städte sagen, das Bauwerk ist eine Last. Sie sollten umdenken", riet Röder.

In Kronach sei vieles schon gut entwickelt, lobte er die Leiterin des Tourismus- und Veranstaltungsbetriebs, Kerstin Löw, und ihren Mitarbeiter Alexander Süß. Nun gehe es darum, die Aktivitäten der Stadt noch zu potenzieren.

Hier soll das Geld in den Aufbau der zentralen Koordinierungsstelle für weitere fränkische Festungspartner gesteckt werden. Im musealen Bereich kann ein digitales Informationssystem entwickelt werden - und gemeinsam mit der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung wird eine Studie zur Finanzierung von Festungen im fränkischen Raum auf den Weg gebracht.

Mehr Touristen anziehen

2008 hatten die Überlegungen begonnen, wie zentraleuropäische Festungen besser am Markt sichtbar gemacht werden, wie sie voneinander lernen und mehr Touristen anziehen könnten, sagte Hartmut Röder. Rasch hätten sich mehr als 40 Festungsstädte in Deutschland gemeldet - unter ihnen Ulm, Ingolstadt und Berlin-Spandau. Man habe sich dann aber auf die konzentriert, die besonders aktiv gewesen seien. Und so sei neben Erfurt Kronach als wichtiges Beispiel für bayerische und fränkische Festungen ausgewählt worden. Dass man damit richtig gelegen habe, habe nicht zuletzt die im Oktober zu Ende gegangene Ausstellung des Hauses der bayerischen Geschichte bewiesen.

Ab etwa dem 15. Jahrhundert gebe es die bastionären Festungen in Zentraleuropa, um die es gehe. Sie hätten bisher kein gutes Image - das von Burgen und Schlössern sei besser.

Etwa 250 Festungen sollen in die grenzüberschreitende Route schließlich aufgenommen werden, die mit vielen "Unterrouten", etwa zu bayerischen Festungen, arbeiten werde. Damit steht die Stadt in einer Reihe mit Salzburg oder der Region Verona. Partner sind unter anderem auch die Humboldt-Universität Berlin, das österreichische Staatsarchiv und die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung.

Neben den konkreten Projekten kann Kronach nach den Worten von Hartmut Röder von einer Wanderausstellung profitieren, einem Tourismusführer und einem gemeinsamen Marketingportal.

Fernziel Gesamteuropa

Fernziel ist es, Gesamteuropa mit all seinen Festungen anzubinden. Und: Wenn die fränkischen Festungen ein gemeinsames Konzept erarbeiten, kann sich der Fachmann vorstellen, dass sie gemeinsam das europäische Kulturerbe-Siegel anstreben.

Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein bedankte sich bei Hartmut Röder, der sich zwei Jahre lang um eine europäische Förderung für "Forte Cultura" bemüht habe. Gemeinsam mit zwölf Projektpartnern aus acht europäischen Ländern arbeite man jetzt an einem gemeinsamen Ziel. "Ich finde es toll, dass wir uns dort einklinken können", unterstrich er und sprach von einem "Meilenstein" für Kronach.

143.000 Euro für Projekt

"Beeindruckt" zeigte sich auch Marina Schmitt (SPD), die wie ihre Kollegen von CSU und Freien Wählern, Jonas Geissler und Hans-Georg Simon, das Vorhaben lobte.

Der Stadt Kronach stehen jetzt bis 2014 insgesamt 143 000 Euro für Projekt zur Verfügung. 107.000 Euro davon zahlt die Europäische Union, den Rest steuert Kronach selbst bei. Der Ausschuss billigte dies gestern einmütig.