Zwei Millionenprojekte erinnern aktuell an den über 400-jährigen Steinkohlenbergbau im Bereich von Stockheim und Reitsch. Während die bergmännische Rentei (Verwaltungsgebäude) von 1847 für rund 2,7 Millionen Euro seit 2019 unter der Gesamtleitung von Diplom-Ingenieur Jörg Detsch (Kronach) umfassend saniert wird - die staatliche Förderung liegt bei neunzig Prozent - erfolgt derzeit die Instandsetzung des 1,1 Kilometer langen Haupttraktes des Königlich-bayerischen Maximilian-Erbstollens.

Um die Entwässerungsanlage - erbaut von 1804 bis 1855 durch das Königreich Bayern - wieder voll funktionsfähig zu machen, sind arbeitsintensive Maßnahmen erforderlich. Hierzu wurden von den beiden sächsischen Ingenieurbüros G.U.B Ingenieur AG sowie GolHo detaillierte Planungen erarbeitet. Auftraggeber für die Wiederherstellung der Grubenwasserableitung über den Königlich-bayerischen Maximilian-Erbstollen sowie aller weiteren Maßnahmen zur Gefahrenerforschung und -abwehr an altbergbaulichen Objekten des ehemaligen Steinkohlenbergbaus in Stockheim und in Reitsch ist die Regierung von Oberfranken (Bergamt Nordbayern).

Zu den Absicherungsmaßnahmen zählt unter anderem der Maxschacht (1855-1911), der einen neuen Verschluss bekommt. Für die Gemeinde Stockheim werden keine Kosten anfallen.

Immer wieder Schäden

Die Auffahrungen des ehemaligen Bergbaus in Stockheim und Reitsch werden in den nächsten Jahren einer vertiefenden Untersuchung und Bewertung unterzogen. Sofern erforderlich, werden sich Maßnahmen zur Gefahrenabwehr anschließen. Der Grund: Im Rahmen einer geotechnisch-markscheiderischen Bewertung (2014 -2016) wurde festgestellt, dass der K. B. Maximilian-Erbstollen in der Vergangenheit immer wieder Schäden, Teilverbrüche und Verbrüche aufwies. Und das haben die Untersuchungen ergeben: Zur Beseitigung und Vermeidung von Schäden und Gefahren an der Tagesoberfläche ist das Grubenwasser dauerhaft, nachsorgefrei und kontrolliert über den K. B. Maximilian-Erbstollen abzuführen.

Die Dimension des Entwässerungssystems ist beachtlich. Die Länge der mit Natursteinen ausgemauerten Stollenrösche (auch als Bergwerkskanal bezeichnet) bis hin zur Firma ASS-Einrichtungssysteme GmbH beträgt 535 Meter. Die weitere Wasserableitung zwischen Stollen und Haßlachfluss, die die Eisenbahnlinie sowie die Bundesstraße 85 unterquert und in die Haßlach bei Wolfersdorf mündet, ist ebenfalls über 500 Meter lang. Mittlerweile wurde in unmittelbarer Nähe der Wolfersdorfer Brücke das Röschenmundloch instand gesetzt und eine Durchflussmessstelle eingebaut. Eine zweite Messstelle befindet sich im Stollen. Hier beträgt der Wasserabfluss, je nach Witterung und Jahreszeit, maximal 18 und minimal vier Liter pro Sekunde.

Derzeit konzentrieren sich die arbeitsintensiven Sanierungsarbeiten westlich des Stockheimer Friedhofs, und zwar auf Höhe des K. B. Maximilian-Erbstollens. Für die komplizierten Schachtbauarbeiten erhielt die Firma Feldhaus Bergbau GmbH & Co KG aus Schmallenberg (Sauerland), unter anderem auf Bergbauleistungen spezialisiert, den Zuschlag.

Noch viel zu tun

Aktuell teufen Bergleute auf dem Entwässerungsstollen mit schwerem Gerät einen 30 Meter tiefen Zugangsschacht. Für den Schachtausbau - der Innendurchmesser beträgt vier Meter - findet Spritzbeton Verwendung. Mittlerweile haben die Spezialisten bereits 26 Meter abgeteuft. Nach Sedimentgestein ist man aktuell auf eine massive Schicht "Rotliegendes" gestoßen. Als weitere Maßnahme erfolgt der Bau einer Maschinenkammer. Geplant ist dann eine Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des K. B. Maximilian-Erbstollens durch den Einbau von zwei Rohrleitungen.

Es gibt also noch viel zu tun in Sachen Sanierung. Deshalb haben sich Polier Martin Nordmann und sein Team auf einen längeren Aufenthalt in Stockheim eingestellt.