Das Exerzitienhaus Gries bei Steinberg blickt auf eine einhundertjährige wechselhafte Geschichte zurück. Vielen ist es zu einer geistlichen Heimat geworden und gilt gewissermaßen als das "Mutterhaus" der Kontemplation (geistiges Sich-Versenken). Dichter Friedrich von Schiller: "Ruhe, das höchste Glück auf Erden, kommt sehr oft nur durch Einsamkeit in das Herz." Und in der Tat: Gries beflügelt die Seele.

In der Abgeschiedenheit meditieren und mit sich Einssein ist der Grundgedanke dieser Einrichtung, die in ihrer jetzigen Form von Jesuitenpater Franz Jalics, 1927 in Ungarn geboren, im Jahr 1984 ins Leben gerufen wurde. 2004 gab Jalics - er lebt heute in Ungarn - die Hausleitung ab. Seit 2016 zeichnen P. Joachim Hartmann SJ und Annette Clara Unkelhäußer verantwortlich. Die Immobilie gehört der Erzdiözese Bamberg und die Trägerschaft für das Exerzitienhaus liegt bei der Deutschen Provinz der Jesuiten.

Mit Pater Franz Jalicz SJ konnte ein kompetenter Exerzitienmeister gefunden werden, der sich große Verdienste um diese Einrichtung erworben hat. Mit Hingabe, Begeisterung und Zielstrebigkeit ist er ans Werk gegangen und verwirklichte eine Berufung, die er seit langer Zeit fühlte: die geistliche Hilfe und Weiterbildung für Seelsorger. Doch auch kirchliche Mitarbeiter und sozial engagierte Menschen zieht es zu diesem einsam gelegenen Exerzitienhaus im schönen Frankenwald. Bereits zum "Zehnjährigen" im Jahr 1994 hatte das Exerzitienhaus 4000 Teilnehmer beherbergt, vor allem aus Süddeutschland, Österreich, Ungarn und Argentinien.

Das Exerzitienhaus will seinen Besuchern die innere Ruhe und Ausgeglichenheit geben, die hilft, zu Gott zu finden. Zum Beispiel durch das Hinausgehen in die Natur, denn das Erlebnis der Natur hat eine ungeheure Kraft, das Seelenleben zu stabilisieren. Das Einzelgespräch steht dabei im Mittelpunkt. Die Stille führt die Menschen zusammen, anstatt zu spalten und abzugrenzen. Und aus der Ruhe kann der Mensch neue Impulse schöpfen. Zum 25-jährigen Bestehen hob Erzbischof Ludwig Schick die Bedeutung der Einkehr, des Gebets, des Sich-Besinnens und der Exerzitien hervor. "Aufgabe der Kirche ist es, die Menschen aus Ängsten und Abhängigkeiten, aus Egoismus und Isolation, aus Sünde und Bösem zu retten und ihnen zur Fülle des Lebens zu verhelfen."

Schwimmbad als Attraktion

Der Weiler Gries liegt 530 Meter über dem Meeresspiegel und ist ein ausgezeichneter Höhenluftkurort. Die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1333 zurück. Dem Exerzitienhaus war eine wechselhafte Entwicklung vorangegangen. Bereits 1920 wurde das Kurhaus "Wilhelmsruhe" auf dem Landgut des Dampfsägewerkbesitzers Wilhelm Herzog zu Steinberg nach Gries gebaut. Es sollte erholungsbedürftigen Fremden zum Aufenthalt dienen. Wilhelm Herzog war ein Vorkämpfer für die Fremdenverkehrsbewegung im Landkreis Kronach. Er steckte große Summen in sein Lieblingsprojekt. Nicht nur das Haus, sondern auch die Umgebung wurde von ihm für den Fremdenverkehr hergerichtet. Privatwegebauten und nicht zuletzt der Bau eines eigenen Schwimmbades waren sein Verdienst. Am 6. Juni 1922 ersuchte Wilhelm Herzog um Genehmigung für die Verpflegung von Kurgästen sowie Verabreichung von Speisen und Getränken an Ausflügler. Erst am 2. Juni 1923 erhielt Herzog die Genehmigung, Personen beherbergen zu dürfen, die zum Zwecke der Kur oder zur Erholung in der Regel für mindestens eine Woche Aufenthalt nahmen.

In diese Zeit fiel die Superinflation, die dem Idealisten Herzog das Barvermögen raubte. Die Genehmigungspapiere zeigten das Kuriosum jener Zeit. Für die Genehmigung der Stempelgebühren musste er 30 000 Reichsmark zahlen, während für die zweite Genehmigung nach der finanziellen Neuorientierung 1,60 Goldmark fällig waren. Das im Jahr 1932 mit viel Mühen erbaute Schwimmbad, dem er den Namen "Karolinenbad" (zu Ehren seiner Frau) gab, wird schon lange nicht mehr genutzt. Für die Schwimmbegeisterten war es lange Zeit das einzige Bad weit und breit und in den 30er-Jahren eine echte Attraktion.

Vom Erbauer Herzog ging das Kurheim Anfang des Zweiten Weltkriegs in den Besitz der IG-Farben-Werke Frankfurt/Main über. Zunächst diente es deren Arbeitern und Angestellten als Erholungsheim. In der schweren Nachkriegszeit - im Jahr 1946 - schuf das Landratsamt Kronach durch Pachtvertrag den kranken Kindern Oberfrankens eine Genesungsstätte, die vielen Buben und Mädchen zum Segen wurde.

Für lungenkranke Kinder

Die Heilstätte wurde für lungenkranke, nicht ansteckende Kinder eingerichtet. Viele haben in der guten Luft ihre Gesundheit wiedererlangen können. Vor allem hatte die umsichtig wirkende Heimleiterin Oberschwester Erna Horn die Herzen der kleinen Patienten immer schnell gewinnen können. Und das tat besonders gut, denn die Kinder mussten in Gries mindestens ein Vierteljahr bleiben.

Am 30. Juni 1954 wurde die Kinderheilstätte aufgelöst. Von 1956 an war dann bis zum 31. Dezember 1961 der VdK Pächter des Erholungsheimes. Zum Anwesen gehörte noch ein 33 Hektar großer landwirtschaftlicher Besitz, der allerdings bis auf die Waldungen verpachtet wurde. Fast 40 Jahre war Rosa Welscher aus Glosberg im Haus tätig. Ihr Name ist eng mit der Geschichte von Gries verbunden.

Am 1. Januar 1962 übernahm die Erzbischöfliche Finanzkammer Bamberg das Erholungsheim. Zunächst diente das Anwesen für Kinder und dann überwiegend der Altenerholung. In den 70er Jahren ist es in Gries immer ruhiger geworden. Lange Zeit war die Zukunft des Hauses unsicher.

1984 zeichnete sich dann eine ideale Lösung ab. Das Erholungsheim wurde Exerzitienhaus. Für den Erzbischöflichen Finanzdirektor, Domkapitular Norbert Przibyllok, der von 1951 bis 1953 Kaplan in Kronach war und das Haus bestens kannte, war es ein großes Anliegen, für das Erholungsheim eine sinnvolle Verwendung zu finden. Auch hatte sich Dekanatsrat Heinz Hausmann aus Kronach dafür eingesetzt, das Haus weiterhin für kirchliche Zwecke zu verwenden, denn die idyllische Lage inmitten der Natur bot sich für eine "weitsichtige Lösung" förmlich an.

Bereits 1968 wurde die schöne Hauskapelle errichtet, die hervorragend in das Gebäudeensemble integriert wurde. Heute ist das Exerzitienhaus des Jesuitenordens aus dem Frankenwald nicht mehr wegzudenken. Sicherlich wird es als seelische Kraftquelle noch vielen Menschen dienen.