"Bürgermeisterin der Herzen", "Glücksfall für die Stadt", "Staatsfrau im besten Sinne", "Mutter des Erfolgs" - bei der letzten Stadtratssitzung der ablaufenden Legislaturperiode in Teuschnitz wurden Gabriele Weber (CSU) einige "Titel" zuteil. Geleitet wurde die kleine Feier in der Aula der Grundschule von Drittem Bürgermeister Werner Neubauer (CSU/FWG). Dieser konnte hierzu auch Weggefährten der scheidenden Rathaus-Chefin begrüßen. Die Laudatio hielt die Regierungspräsidentin von Oberfranken, Heidrun Piwernetz - ein Beleg für die große Wertschätzung, der sich die Bürgermeisterin auch bei den staatlichen Stellen erfreut.

"Sie können mehr als stolz sein auf das, was sie erreicht haben", würdigte Piwernetz, dass Weber nachhaltige Spuren hinterlassen und der Stadt zu neuer Blüte verholfen habe. Schon beim ersten Treffen, beim "Tag der Städtebauförderung" 2016, habe sie gespürt, dass diese motivieren und begeistern könne. Seit ihrem Amtsantritt habe sie trotz vieler Herausforderungen niemals den Kopf in den Sand gesteckt, sondern stets die Ärmel hochgekrempelt. "Heute ist die Stadt kaum wieder zu erkennen", lobte Piwernetz, dass man das herausgearbeitet habe, was Teuschnitz in Hülle und Fülle besitze: eine herrliche Landschaft mit einem Vorkommen von über 50 Heilkräutern.

"Es war mutig, ein weiches Thema zum harten Standortfaktor zu machen", stellte sie heraus. Auch bei Projekten wie "In der Heimat wohnen", die Arnika-Akademie, Sanierung des Ortskerns, Schaffung des Spielplatzes und der Festwiese habe sie stets auf Nachhaltigkeit gesetzt. Besonders zeichne sie ihre bodenständige, menschliche Art sowie Wärme und Humor aus. Als gelernte Bankkauffrau kenne sie sich zudem mit Finanzen aus.

Seit 1990 gehörte Weber dem Stadtrat an, ab 1996 bekleidete sie das Amt der Zweiten sowie seit 2002 der Ersten Bürgermeisterin. Gerne hätten, so Piwernetz, Freistaat und Regierung die Umsetzung der Projekte mit hohen Förderungen unterstützt. Seit 1995 flossen in die Städtebauförderung rund 10 Millionen Euro. Für die Sanierung des "Schwarzen Kreuzes" wurden bislang 3,5 Millionen Euro bewilligt; weitere Mittel folgen. Hinzu kommen 5 Millionen Euro Stabilisierungshilfe zwischen 2012 bis 2019.

120 Großprojekte

Eine rundum positive Bilanz der letzten 18 Jahre zog auch Werner Neubauer. Für die Investitionen in Schulverband und Verwaltungsgemeinschaft von insgesamt 35 Millionen Euro wurden fast 20 Millionen Euro Zuschüsse generiert. Insgesamt habe Weber 120 Großprojekte initiiert, abgeschlossen bzw. auf den Weg gebracht - so beispielsweise die Sanierung der Kreisstraße St 2198 sowie 25 Straßen im Gemeindegebiet, die Dorferneuerung Rappoltengrün und Haßlach als auch viele Maßnahmen der Städtebauförderung und Leaderprojekte. Da ihr Wirken eine goldene Zeit für Teuschnitz dargestellt habe, überreichte er der "ehemaligen Regentin" eine goldene Regentuhr seitens des Gremiums.

Namens der kommunalen Familie gratulierte der Kreisvorsitzende des bayerischen Gemeindetags, Egon Herrmann (SPD), seiner ehemaligen Stellvertreterin. Seine Laudatio baute der Weißenbrunner Bürgermeister anhand von Zitaten auf. Dabei bemühte er unter anderem "Man löst keine Probleme, indem man sie aufs Eis legt" (Winston Churchill), "Wenn die anderen glauben, man ist am Ende, dann muss man erst richtig anfangen " (Konrad Adenauer) und "Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen" (Hermann Hesse) - verbunden mit dem Dank für ihre Verlässlichkeit und die Freundschaft in all den Jahren.

"Ganz normal sind Sie nicht", attestierte Stadtpfarrer Detlef Pötzl der Rathaus-Chefin - und das sei auch gut so. Wer Großes leisten möchte, müsse sicherlich ein Stück weit im positiven Sinne verrückt sein. Namens der Kirchengemeinde dankte der Dekan für das gute Miteinander. Eine Aussage von Weber sei ihm besonders in Erinnerung: "Wir sind arm, aber sexy". Per Videobotschaft wünschte der Teuschnitzer Ehrenbürger, Karl Braun, Erzbischof em., aus Griechenland der Bürgermeisterin alles Gute für ihren neuen Lebensabschnitt.

Bei Rathaus-Besuchen der Schulklassen habe man, so Schulleiter Klemens Löffler, gespürt, mit welcher Freude Weber ihr Amt ausübe. Für die Belange der Schulgemeinschaft habe sie stets ein offenes Ohr gehabt. Seitens der Verwaltungsgemeinschaft dankten Bürgermeister Peter Klinger aus Tschirn und Bürgermeisterin Karin Ritter aus Reichenbach für die gute Zusammenarbeit. Von einer außergewöhnlichen, für sie prägenden Zeit sprach Stadtumbaumanagerin Bettina Seliger. Gerne habe sei ihren Beitrag zur Komplettveränderung der Stadt mit geleistet.

"Eine Ära geht zu Ende", resümierte Geschäftsstellenleiter Thomas Weber, der der "Bürgermeisterin der Herzen" ein unter diesem Titel selbst gestaltetes Buch mit einem Rückblick in Wort und Bild überreichte.

"Ich trete in große Fußstapfen" zeigte sich Webers Nachfolger, der zukünftige Teuschnitzer Bürgermeister Frank Jakob, sicher. In den letzten Wochen habe er viel Zeit im Rathaus verbracht, wo er einen Einblick in die vielen Maßnahmen erhielt. Die Bürgermeisterin sowie Thomas Weber hätten ihm ihre Hilfe auch in Zukunft angeboten, was er mit Sicherheit in Anspruch nehmen werde.

Kein Geld, aber Ideen

"Ich habe nur meine Arbeit gemacht - sehr gerne und voller Leidenschaft", meinte Gabriele Weber, die die Sitzung ruhig und gelassen verfolgte. Bei ihrem Amtsantritt habe ihr Thomas Weber versichert, dass es nicht schlimm sei, wenn man kein Geld habe. Hauptsache man habe Ideen; das Geld komme dann von alleine. Damals habe Teuschnitz mit dem Rücken zur Wand gestanden und sehr viele Arbeitsplätze verloren, so die Bürgermeisterin über die hinter dem Arnika-Projekt stehende Idee. Die Rennsteig-Gemeinden hätten auf Basis von ISEK (Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept) jeweils ein Leitbild erarbeitet, um vorhandenes Potenzial zu nutzen. Teuschnitz habe sich dabei "Gesundheit und Natur" gegeben.

Ihr Dank galt allen, die sie dabei unterstützten - den Ministern Beckstein und Söder, der Regierung von Oberfranken, der Oberfrankenstiftung, dem Landratsamt und hier vor allem Alt-Landrat Oswald Marr, der ihr im besonderen Maße beim Arnika-Projekt zur Seite gestanden habe.

Sehr wichtig sei ihr das gute Miteinander mit der Kirche und Vereinen gewesen. Diese konnte man leider finanziell nicht unterstützen, dafür aber mit der Arbeitskraft des Bauhofs. Viele ihrer Wegbegleiter werde sie im Herzen behalten - so gerade auch ihre Mitarbeiter der Verwaltung mit Thomas Weber an der Spitze.

"Mit meiner Bilanz kann ich zufrieden sein", bekundete sie. Sie gehe mit Stolz, viele zukunftsweisende Maßnahmen realisiert und Weichen für weitere Projekte gestellt zu haben.

Mit Weber verlassen langjährige Wegbegleiter den Stadtrat

Einen großen Anteil an den Erfolgen in ihrer Amtszeit habe der Stadtrat, brauche es doch immer Menschen, die mitzögen, sagte die scheidende Bürgermeisterin. Ein großes Anliegen war Gabriele Weber daher die würdevolle Verabschiedung der ausscheidenden Stadträte. Insgesamt sieben Gremiumsmitglieder, sie eingeschlossen, scheiden aus, sodass ein zur Hälfte neuer Stadtrat seinen Dienst antreten wird. Erfreulicherweise hätten sich 88 - darunter auch viele junge - Kandidaten zur Wahl gestellt. Teuschnitz bekomme zudem einen neuen jungen Bürgermeister mit viel Schwung. Im Stadtrat brauche es beides: Erfahrung und Routine sowie neuer Ideen und Elan. Die Kunst eines Bürgermeisters liege darin, beides zusammenzuführen.

In herzlichen Worten verabschiedete sie Toni Martin und Werner Neubauer (beide CSU/FWG). Martin gehörte dem Stadtrat 30 Jahre, Neubauer 24 Jahre an, davon seit 2002 als Dritter Bürgermeister. Auf beide treuen Wegbegleiter habe sie sich stets 1000-prozentig verlassen können. Neubauer sei insbesondere ein Kämpfer für Haßlach gewesen, jedoch nie als "Mann der großen Töne". Beide erhielten die Ehrenurkunde der Stadt sowie die Figur eines Bayerischen Löwen mit dem Teuschnitzer Wappen.

Nicht anwesend waren Beate Schmidt (FL), Alexander Fehn (SPD), Harald Martin (CSU/FWG) sowie Zweiter Bürgermeister Stephanus Neubauer (CSU/FWG), der als Dienstältester 36 Jahre im Stadtrat war, davon 24 Jahre als Zweiter Bürgermeister.

Auch von Netzwerkmanager Oliver Plewa hieß es Abschied nehmen, denn er wurde in Mitwitz zum neuen Bürgermeister gewählt. Für Teuschnitz sei dies, so Weber, schade, habe er doch die Arnikastadt maßgeblich entwickelt. Zum Abschied schenkte sie ihm ein Schild für sein neues Amtszimmer mit dem Schriftzug "Ich weiß ja, dass du recht hast, aber meine Meinung gefällt mir besser". Plewa dankte für die schöne Zeit. Er werde des Öfteren den Kräutergarten besuchen.