Wie Bürgermeister Timo Ehrhardt auf Anfrage erklärte, sollen in diesem Jahr die Abbrucharbeiten an der Jahns-Bräu-Brache in Ludwigsstadt ausgeführt werden. Dabei handelt es sich um den Abbruch des Hauptgebäudes, des ehemaligen Getränkemarktes, des Überbaus auf dem Gelände sowie des Jahns-Bräu-Stüberls.

Die Stadt Ludwigsstadt betreibt zusammen mit der JAB Immobilien GmbH & Co. KG die Revitalisierung der Jahns-Bräu-Brache. Während sich die JAB auf ihre Kernaufgaben konzentriert, übernimmt die Stadt die Verantwortung für die öffentlichen Plätze.

Jörg Rang, der für die Entwicklung und den Betrieb der ehemaligen Jahns-Bräu-Brache mit zuständig ist, gerät ins Schwärmen. Das Projekt, erzählt er bei einem Gespräch, sei auf drei Säulen, nämlich auf Hotellerie, Kultur und Handwerk ausgerichtet. Dabei gelte es, Tradition, Innovation und Brauerei in Einklang zu bringen, berichtet er über den Anteil, den die JAB Immobilien übernimmt.

Die Planungen im Einzelnen

Entstehen soll ein Drei-Sterne-Superior-Hotel mit über 30 Doppelzimmern und einem kleinen Wellnessbereich. Dafür wird nicht nur das ehemalige Bürogebäude umfunktioniert, sondern auch ein Anbau angebracht. Im ehemaligen Sudhaus schräg gegenüber sei eine gastronomische Einrichtung geplant, in der die fränkische Wirtshaustradition aufleben soll. Auch wolle er bei der Einrichtung den fränkischen Stil berücksichtigen. Zudem sollen eine Veranstaltungshalle sowie ein Tagungsraum geschaffen werden, der in drei verschiedene Einheiten aufgeteilt werden kann. Und auch die steigende Anzahl von Wanderern, Mountainbike- und E-Bike-Fahrern solle berücksichtigt werden, indem beispielsweise Ladestationen für die Akkus von E-Bikes angebracht werden.

Seit drei Jahren ist der künftige Hoteldirektor Jörg Rang bei der JAB Immobilien aktiv. Er habe bisher viele Erfahrungen in renommierten Hotelketten sammeln können, erzählt er. Am Anfang habe er gedacht: "Eine schöne Idee - trägt sich das aber auch?" Mittlerweile sei er davon überzeugt. In diesem Zusammenhang spricht er davon, dass die "Handwerk und Kultur erleben GbR" vor Corona jedes Jahr rund 15 000 Besucher, in der Regel Busreisende, in die Region gelockt habe. Diese Gäste konnten aufgrund mangelnder Übernachtungskapazitäten nur einen Tag in der fränkischen Rennsteig-Region verbringen. Hinzu habe er Gespräche mit verschiedenen Touristikern und auch mit dem Geschäftsführer des Tourismus-Service-Centers geführt. Außerdem habe er festgestellt, dass die heimische Industrie händeringend nach Übernachtungs- beziehungsweise Tagungsmöglichkeiten sucht.

Tourismus-Aufschwung erwartet

Auch sei er überzeugt davon, dass nicht zuletzt wegen Corona der Urlaub in der Region einen Aufschwung erleben wird. Rang kommt zu dem Schluss: "Die Nachfrage ist vorhanden." Und er ist überzeugt: "Der Bedarf an Bier und Regionalität wird immer mehr zunehmen." Zudem, so meint er weiter, sei die Revitalisierung der Jahns-Bräu-Brache auch für die heimische Bevölkerung und das produzierende Gewerbe ein Gewinn. Nach der Fertigstellung sollen verschiedene Veranstaltungen wie beispielsweise Jazz-Frühschoppen und Grillabende auf der Jahns-Bräu-Brache stattfinden.

Wie Rang weiter erzählt, soll bei der Realisierung der Revitalisierung der Jahns-Bräu-Brache auch der energetische Aspekt mit berücksichtigt werden, beispielsweise wenn es um das Bierbrauen oder um die Beheizung des Hotels geht.

90-Prozent-Förderung

Der Geschäftsleitende Beamte der Stadt Ludwigsstadt, Frank Ziener, wies darauf hin, dass die Stadt Ludwigsstadt für den Spielplatz, für die Freilegung und die Gestaltung des Uferbereichs an der Loquitz und für den Jahns-Bräu-Turm zuständig sei. Außerdem sei auch ein fuß- und fahrradläufiger Anschluss an die Innenstadt vorgesehen. Den Anteil der Stadt bezifferte Ziener mit rund 3,5 Millionen Euro, dazu gebe es 90 Prozent aus der Förderoffensive Nordostbayern. Zusätzlich investiere die JAB Immobilien rund sechs Millionen Euro in ihre Einrichtungen wie Brauerei, Gastronomie und Hotel.

Ziener ist erleichtert, dass es nun endlich losgehen kann. Und Jörg Rang ist überzeugt davon, dass die Revitalisierung der Jahns-Bräu-Brache nicht nur die Stadt Ludwigsstadt, sondern die Region aufwerten wird. Beide sind sich einig: "Die Revitalisierung wird eine sportliche Aufgabe." Denn, so war zu hören, bis Ende 2022 müsse das Projekt nicht nur stehen, sondern auch wegen der Förderungen abgerechnet sein.

Investoren können sich noch an Revitalisierung beteiligten

Es war im Jahr 2010, als die Brauerei Christoph Jahn Erben GmbH  & Co. KG mit rund 40 Beschäftigten Insolvenz anmelden musste. Seit 2011 steht das Areal leer. Im Jahr 2012 wurde die Liegenschaft von der JAB Immobilien GmbH & Co. KG erworben. Ziel der Eigentümer ist seitdem die schrittweise Revitalisierung der Jahns-Bräu-Brache.

Bereits Anfang 2015 wurde ein Planungswettbewerb durchgeführt. Für die dafür entstandenen Kosten von 105 000 Euro erhielten die Stadt Ludwigsstadt und die JAB Immobilien GmbH, die diesen Wettbewerb in Kooperation durchführten, 80 Prozent an Zuschüssen. Die Jahns-Bräu-Brache wurde damals in das Sonderprogramm "Revitalisierung von Industrie- und Gewerbebrachen" des bayerischen Städtebauprogramms aufgenommen. Den Planungen für die Revitalisierung war ein Prozess der integrierten Stadtentwicklung vorausgegangen.

Ursprünglich war man zuversichtlich, dass bereits Ende 2015 der erste Spatenstich erfolgen könnte, aber es mussten viel Bürokratie bewältigt und Gespräche mit den Investoren, den Anliegern und den Behörden geführt werden. Hinzu kam der Bauboom.

Frank Ziener brachte es auf den Punkt: "Wenn die Bagger rollen, haben wir schon viel gemacht!" Und der Geschäftsführer der JAB Immobilien, Waldemar Betz, erklärte, dass sich derzeit noch Investoren an der Revitalisierung der Jahns-Bräu beteiligten könnten.