Eine Aussage von Bürgermeister Egon Herrmann in der Gemeinderatssitzung am 13. Mai ist der Fraktion der Freien Wähler sauer aufgestoßen. So sehr, dass sie nun sogar Dienstaufsichtsbeschwerde beim Landratsamt eingereicht hat.

Stein des Anstoßes ist folgende Aussage, die der SPD-Bürgermeister nach der Wahl des Dritten Bürgermeisters gemacht haben soll: "Ja, Heinz (Heinz Roth, Anm. der Redaktion), das hat man davon, wenn man sich selbst wählt. Dann bekommt man halt nicht mehr Stimmen." Bei dieser Wahl erhielt Klaus Hannweber (FW) neun Stimmen und lag damit vor Bernd Schneider (SPD/6) und Heinz Roth (FW/1).

Aus Sicht der Freien Wähler um ihren Fraktionsvorsitzenden Christian Höfner hat der Bürgermeister damit gegen das Neutralitätsgebot und das Wahlgeheimnis verstoßen.
In einem Schreiben an die Rechtsaufsichtsbehörde bitten die Freien Wähler darum, dieses Verhalten von Egon Herrmann zumindest zu rügen. "Diese in öffentlicher Sitzung nach einer geheimen Wahl gemachte Äußerung verstößt gegen das Neutralitätsgebot des Ersten Bürgermeisters, ganz gleich in welcher Funktion er diese äußert." Weiter schreiben die Freien Wähler, dass der Bürgermeister damit Umstände bestätigt, die er nach der geheimen Wahl nicht wissen könne. Gleichzeitig unterstelle er Fakten, die unbelegbar seien. "Nicht zuletzt, dass damit Gemeinderatsmitglied Roth öffentlich in Misskredit gebracht wird, sehen wir in der Äußerung, die auch niemals scherzhaft gemacht werden dürfte, zusätzlich einen klaren Verstoß gegen das grundgesetzlich garantierte und von Amtsträgern zu beachtende Wahlgeheimnis."

Bürgermeister Egon Herrmann war gestern am späten Nachmittag hörbar überrascht, als er mit diesen Vorwürfen konfrontiert wurde: "Wahnsinn. Das war ein Scherz. Ich weiß doch nicht, wer wen wählt", kommentierte er den Sachverhalt und räumte dabei ein, diese Aussage sinngemäß so getroffen zu haben. "Das habe ich freilich so gesagt. Aber das war doch nie als Anklage gedacht."

Dass die Angelegenheit nun bei der Rechtsaufsicht landet, kann er nicht nachvollziehen. Vielmehr hätte er es lieber gesehen, die Freien Wähler wären zu ihm gekommen und hätten im persönlichen Gespräch ihrem Ärger Luft gemacht.

Dass nun das Klima im Gemeinderat unter dieser Aktion leidet, glaubt Herrmann nicht: "Ich sehe es sportlich. Es bleibt jedem selbst überlassen, wie er mit so etwas umgeht." Sollte er jemandem zu nahe getreten sein, da tue es ihm leid, sagt der Bürgermeister abschließend: "Man kann noch nicht einmal mehr einen Spaß machen", wundert er sich aber dennoch.