In diesen Tagen blickt die 230 Mitglieder starke Bergmannskapelle Stockheim unter der Leitung von Thomas Neubauer auf ihr 100-jähriges Bestehen zurück. Aufgrund der Corona-Krise musste das für 10. Mai vorgesehene Bundesbezirksmusikfest des Nordbayerischen Musikbundes auf den 9. Mai 2021 verschoben werden. Das Jubiläumskonzert findet voraussichtlich im Herbst dieses Jahres in der Neukenrother Zecherhalle statt.

Auf eine ereignisreiche Geschichte mit zahlreichen Erfolgen kann die Bergmannskapelle zurückblicken. Der Klangkörper aus Stockheim gilt als musikalischer Botschafter des Landkreises Kronach. Gerade in Bezug auf Großveranstaltungen haben die örtlichen Musiker eine Menge Erfahrungen gesammelt. 1960, 1970, 1980 und 1995 fanden in der Bergwerksgemeinde Bundesbezirksmusikfeste statt, und zwar stets mit einer beachtlichen Resonanz. Der Bezirksvorsitzende des Nordbayerischen Musikbundes und NBMB-Vizepräsident Thomas Kolb aus Steinwiesen, sein Vize Wolfgang Müller (Welitsch) sowie Bürgermeister Rainer Detsch als Schirmherr haben ihre Unterstützung bereits zugesagt. Dies gilt ebenso für die geplanten Wertungsspiele. "Die Musikanten im schmucken Bergmannskleid sind eine Bereicherung für die musikalische Szene", so die Fachleute.

Kontinuität als Markenzeichen

Und in der Tat: Die Bergmannskapelle ist ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in der Großgemeinde Stockheim, im Landkreis Kronach und schließlich im Nordbayerischen Musikbund. Insbesondere zeichnen sich die Knappen durch Kontinuität aus. Denn bereits seit 46 Jahren präsentieren die Stockheimer ein hochkarätiges Weihnachtskonzert. Auf diesen Landkreisrekord könne man durchaus stolz sein, so Rainer Detsch.

Aktuell besteht das Orchester aus 50 musikbegeisterten Aktiven. Seit fünf Jahren ist Bezirksdirigent Michael Botlik aus Oberhaid für die musikalische Leitung zuständig.

Unter dem Namen "Bergmannskapelle" firmieren die Musiker erst seit 1956, denn die Gründung im Jahre 1920 erfolgte als Musikverein Stockheim. Die Freude am Musizieren hatte nach Beendigung des Ersten Weltkriegs neun junge Männer dazu bewegt, dieses schöne Hobby gemeinsam auszuüben. Die Initiative ging dabei vor allem von Johann Deinlein und Johann Daum aus. Weitere Gründungsmitglieder waren Georg Wachter, Johann Emmert, Konrad Wich, Fritz Weißerth, Konrad Müller, Karl Zapf und Johann Dauer. Später gesellten sich noch Johann Zapf und Johann Wachter hinzu.

Bereits 1927 holte man sich unter der Stabführung von Franz Deinlein einen zweiten Platz beim Musikfest im thüringischen Wurzbach. Für einen weiteren Aufschwung sorgten Oberlehrer Max Fischer sowie Dirigent Fritz Weißerth. Nach dem Zweiten Weltkrieg bemühten sich insbesondere Georg Wachter und Johann Emmert um eine Neuformierung. Bereits 1952 konnten die Stockheimer ein erstes Musikfest organisieren. 1955 übernahm Hans Welscher bis 1972 die Leitung. 1956 wurde die Kapelle vom damaligen Bergwerksdirektor Rudolf Strak sowie von der Gemeinde Stockheim mit dem Bergmannsrock eingekleidet. Seither heißt der Musikverein "Bergmannskapelle".

Ab 1958 prägte Obermusikmeister a. D. Alfons Pohl aus Weißenbrunn die musikalische Fortentwicklung und bereits 1961 konnte der Nachwuchs mit dem Bergmannskleid ausgestattet werden. In der Folgezeit eilte die "Erste europäische Bergmannsknabenkapelle" von Erfolg zu Erfolg. Unter anderem trat man 1965 bei einer Fernsehsendung in Berlin mit Peter Frankenfeld auf. In mehreren Auslandsreisen wurden die Nachwuchsmusiker zu musikalischen Botschaftern des Landkreises Kronach.

Wichtige Nachwuchsarbeit

1972 gab Hans Welscher den Vorsitz an Horst Zimmermann ab. Als Alfons Pohl und Ansgar Weißerth aus beruflichen Gründen Stockheim verließen, kehrte Welscher als Dirigent in die Führungsspitze zurück. Bis 1991 hat er den Klangkörper maßgeblich geprägt. Weitere Dirigenten waren Michael Bauer, Klaus Rohleder, Hans Löffler sowie aktuell Michael Botlik.

Unvergessen bleibt - neben vielen anderen Großveranstaltungen - unter anderem das Bundesbezirksmusikfest 1980. Damals präsentierte sich Stockheim als eine klingende Gemeinde. Rund 2000 Musiker, Spielleute und Bergknappen waren zu Gast, dazu noch mehrere tausend Besucher. Nach 1981 übernahmen Jürgen Zoller, Dietmar Renk sowie Matthias Friedrich in verschiedenen Zeitintervallen den Vorsitz. Seit 2016 steht Thomas Neubauer engagiert an der Spitze der Musikanten, die professionell von Michael Botlik dirigiert werden.

Einen hohen Stellenwert nimmt die Nachwuchsarbeit ein. Garantiert wird dies vor allem durch die Orchesterschule Pressig-Stockheim.

Ein weiteres Kapitel in der Geschichte der Bergmannskapelle tat sich 1993 auf, als es eine Neugründung gab. Unter der Leitung von Matthias Kuhnert formierte sich die Big-Band "Coalminers", die mit Melodien von Hugo Strasser bis hin zu Count Basie für Tanz und Unterhaltung sorgte.