Alle paar Takte rumst eine Pauke. Eine Schülerin singt "Ave Maria" sanft ins Mikrofon und laut aus den Boxen. Kabel liegen überall im Altarraum der Kronacher Stadtpfarrkirche. Dazwischen wuseln Mesner Ulrich Heim und seine Helfer, versuchen, nicht zu stolpern. Aus der Ministrantensakristei tragen sie Sterne und Kugeln heran, entwirren Lichterketten und klettern eine Sechs-Meter-Leiter hoch, um zwei Tannen zu schmücken. Vorweihnachtszeit ist für sie nicht nur besinnlich.

Am Heiligen Abend steht in jeder Kirche ein Christbaum. Meist viele Meter hoch und aufwendig geschmückt. Das wird so hingenommen. Leicht vergisst man, welche Mühen dahinter stecken.

Resistenz gegen Stress entwickelt

In der Stadtpfarrkirche ist es wegen der Konzertprobe so laut, dass Heim und seine ehrenamtlichen Helfer sich zubrüllen, wer welchen Stern wohin hängt. Er lächelt. "Das macht mir nichts aus." In 17 Jahren Mesner-Tätigkeit ist Heim wohl resistent gegen Stress geworden. Er klettert auf einer Leiter im Altarraum bis unter die Kirchendecke und verkeilt eine Lichterkette in der Tanne.

Neben der Kirche St. Johannes ist Heim auch für die Spitalkirche und das Pfarrhaus zuständig. In den Gotteshäusern stehen jeweils zwei Nadelbäume, im Pfarrhaus einer. Vor zwei Wochen hat der Mesner sie selbst im Neuseser Wald ausgesucht. "Das sind die Spitzen von 18-Meter-Tannen", sagt er. Die alten Bäume mussten ohnehin weg, in dem Wald sollte Platz für Jungwuchs geschaffen werden.

Mesnerberuf muss Berufung sein

Am vergangenen Wochenende haben Heim und seine Helfer die zwei Sechs-Meter-Tannen zur Kirche St. Johannes gebracht. Am Dienstag aufgestellt und am Donnerstag geschmückt. Aber nicht so reibungslos wie es klingt: "Wir hatten allein vier Beerdigungen in der Woche", sagt Heim. Zusätzlich Gottesdienste und Proben. Nur in den Zeiträumen dazwischen können Heim und sein Team den Weihnachtsschmuck anbringen. Auch am Heiligen Abend wird der Mesner eingespannt sein: Zwei Gottesdienste, Krippenfeier und Christmette müssen vorbereitet werden. Zum besinnlichen Miteinander bleiben ein paar Stunden zwischendurch. Dafür muss man geboren sein. Schon mit sieben Jahren, sagt Heim, dachte er sich: "Wenn ich mal ein Rentner bin, mache ich den Hilfsmesner." Das hat er vorgezogen.

Für Wilfried Langbein beginnt die Weihnachtszeit bereits im August. Dann bestellt der Mesner der Kronacher Christuskirche eine vier Meter hohe Nordmanntanne für das Gotteshaus. "Die Tanne muss hohen Ansprüchen genügen. Da muss alles passen", sagt er. Von drei Bäumen, die der Händler für ihn vorhält, wählt Langbein nach dem zweiten Advent den schönsten aus. Neben der Höhe ist ein schmaler, gerader Stamm wichtig. Außerdem dichter Astwuchs mit dunklen Nadeln - "damit sich der Schmuck schön abhebt."

Ohne Ehrenamt nicht möglich

Mitte November bestellt der Mesner den Adventskranz. Mit einem Durchmesser von einem guten Meter, üppigen roten Schleifen und Tannenzapfen ist der ein Hingucker. Er steht schon dieser Tage gut sichtbar auf dem Taufstein. Im Gegensatz zum Weihnachtsbaum, der erst am Abend des vierten Advents aufgestellt wird. Auch in der protestantischen Gemeinde packen da viele Ehrenamtliche an: Gemeinsam bringen sie die Beleuchtung, Kugeln und 360 selbst gefaltete Papiersterne an. "Die Sterne für den Baum wurden vor 15 Jahren von Gemeindegliedern gefaltet. Auch bei Blumen und Gestecken helfen mir Ehrenamtliche", sagt Langbein. Er hat am 24. Dezember Geburtstag und Weihnachten am selben Tag. Aber statt im herkömmlichen Sinne zu feiern, wird er organisieren, auf- und abbauen. So sieht der 53-Jährige das aber nicht. "Ich feiere den ganzen Tag. Mit 1000 Gästen", sagt er. Mit all jenen, die in den Gottesdiensten der Christuskirche sitzen. Während der Gottesdienste streut der Dekanatskantor Marius Popp für den Jubilar stets einige Töne eines Geburtstagsliedes ein.

In der letzten Messe des Tages, um 23 Uhr, wird Langbein mit seiner Familie in den Rängen sitzen. Dann hat er eine Stunde Ruhe. "Der Mesnerberuf muss Berufung sein. Aber ich möchte mit niemandem tauschen."

In der vielleicht prächtigsten Kirche des Landkreises, der Wallfahrtskirche Mariä Geburt in Glosberg, schmücken kurz vor Weihnachten neun Männer und Frauen. Sie richten neben Baum und Kranz auch die Hochaltäre links und rechts der Ränge her. Der zentrale Altar wird um 180 Grad gedreht und mit einer Weihnachtskrippe versehen.

Ein Haufen Arbeit ist das - den ausschließlich Ehrenamtliche bewältigen. "Am Ende sieht man nur das Ergebnis. Aber da steckt viel Engagement dahinter", weiß Gemeindereferent Matthias Beck. Eine Helferin fügt an: "Auf Fehler wird man eher hingewiesen als auf gute Arbeit." Sie wünscht sich etwas mehr Wertschätzung des Ehrenamts in ihrer Gemeinde. Damit es Freude macht, anzupacken. Und die Kirchen im Landkreis auch im nächsten Jahr an Heiligabend strahlen.