Rainer Kober war maßgeblich beteiligt, als es um die Gründung des Innovationszentrums Kronach ging. Über dessen Aufgaben und Ziele äußerte er sich nun in einem Interview.

Wie kam es zu der Gründung des Innovationszentrums Kronach (IZK) und was ist dessen Zielsetzung?
Die Gründung des Innovationszentrums ist das Ergebnis mehrjähriger gemeinsamer Überlegungen von Industrie- und Handelsgremium, Hochschule Coburg, des Landrates und von Landkreisunternehmern, die Wirtschaftskraft des Landkreises trotz demografischer Herausforderungen vital zu erhalten und weiterzuentwickeln. Der Absicht einer Clusterbildung stand die als Stärke erkannte Vielfalt unserer Landkreiswirtschaft entgegen. Als gemeinsame große Herausforderung wurde andererseits erkannt, sich schnell auf den stetigen, sich weiter beschleunigenden Wandel von Märkten, Produkten und Dienstleistungen einzustellen.
Deswegen ist es das Ziel des neu gegründeten IZK, der regionalen Unternehmerschaft zu ermöglichen, sich strategisch zukunftsfähig auszurichten und die eigene Innovationsfähigkeit systematisch zu stärken. Diese Aufgabe stellt sich jedem Unternehmen, auch den Handwerkern und Dienstleistern.

Das IZK wird demnach von einem Verein getragen. Wer verbirgt sich eigentlich dahinter?
In erster Linie wird das IZK aus der Wirtschaft heraus finanziert. Der Verein wird von den beiden Vorsitzenden Hans Rebhan und Thomas Kneitz sowie einem mehrköpfigen Vorstand geleitet, dem auch Landrat Oswald Marr angehört.

Wie ist angesichts des Jahresbeitrages von bis zu 10 000 Euro die Resonanz bislang?
Das IZK umfasst derzeit fast 40 Mitgliedsunternehmen, die je nach ihrer Wirtschaftskraft Jahresbeiträge zwischen 1000 und 10 000 Euro leisten. Aber auch Stadt und Landkreis Kronach sind dabei. Sie sehen, die Resonanz ist groß. Die hohe Bereitschaft der Unternehmen, einen Beitrag sowohl finanziell als persönlich zu leisten und damit über die Stärkung der Wirtschaftskraft die Region attraktiv zu erhalten und zu gestalten, hat uns überrascht und sehr ermutigt.

Wie viel Geld ist erforderlich, damit das IZK tatsächlich auf ein breites Fundament gestellt werden kann?
Zunächst in der ersten Stufe jährlich 150 000 Euro, die zum großen Teil Personalaufwand für Geschäftsführung und eine Assistenz darstellen. Von ihnen ist die sicher nicht einfache Aufgabe, das IZK zu etablieren und die anzubietende Dienstleistung erfolgreich und bekannt zu machen, umzusetzen.

Das Modell des IZK basiert auf drei Stufen. In der ersten Stufe geht es darum, die regionale Wirtschaft zu stärken. Was muss man sich darunter vorstellen?
Besonders in den inhabergeführten kleinen und mittleren Unternehmen bestehen Engpässe, für deren Lösung im Alltag zu wenig Zeit bleibt. Hier soll die Unterstützung durch das Innovationszentrum ansetzen und für die vom Unternehmer erwünschten Handlungsansätze kompetente Leistungspartner vermitteln. Welcher Mittelständler hat schon die Zeit, sich zum Beispiel nach einem zu ihm passenden Designer umzuschauen oder eine für sein spezielles Problem kompetente Forschungseinrichtung zu finden? Diese Aufgabe übernimmt das IZK und berät gleichzeitig über mögliche staatliche Fördermittel.
Zusätzlich geht es bei der Arbeit des IZK um die Stärkung der Fähigkeit, das eigene Unternehmen strategisch zukunftsfähig aufzustellen und die erarbeitete Strategie erfolgreich umzusetzen. Hierzu bietet das IZK in Zusammenarbeit mit dem Coburger Designforum dem interessierten Unternehmer eine Workshopreihe an, in der er mit professioneller Anleitung und Unterstützung seine eigene Geschäftsstrategie entwickelt oder überprüft und so ausrichtet, dass er durch den seiner Kundenzielgruppe gebotenen, besonderen Nutzen erfolgreich sein wird. Diese Engpass-Konzentrierte-Strategie genannte Methode hat schon unzähligen Unternehmen, zum Beispiel auch dem Unternehmen Würth, zu dauerhaftem Erfolg verholfen.

In einem zweiten Schritt soll ein Innovationscampus gegründet werden. Wo soll der angesiedelt sein und wann könnte dieser tatsächlich starten?
Die Vision und der Plan sind, einen solchen Innovationscampus als Auslagerung der Hochschule Coburg in Kronach anzusiedeln. Je nach Entwicklungsfortschritt wird dies in zwei bis drei Jahren möglich sein.

Aus der dritten Stufe erhofft man sich sogar neue Existenzgründungen. Warum ist dies angesichts der doch recht hohen Industriedichte im Landkreis Kronach überhaupt erforderlich?
Unsere hohe Industriedichte erzeugen viele leistungsstarke, produzierende Unternehmen. Durch eine Aktivierung der Innovationsfähigkeit und Innovationsbereitschaft der Unternehmen sowie eines im Zuge des Campus im Landkreis entstehenden Innovationsgeistes werden sinnvollerweise auch neue Unternehmen entstehen, wodurch voraussichtlich das bisher unterdurchschnittliche Angebot an Akademikerstellen in der Region gesteigert wird. Ganz abgesehen davon macht ein attraktives Arbeitsplatzangebot die Region für Zuzug interessant.

Noch eine persönliche Frage: Warum setzen Sie sich in so vielfältiger Weise für den Landkreis Kronach ein?
Ich freue mich über jeden Fortschritt bei uns im Landkreis und besonders darüber, dass in den vergangenen Jahren eine Menge in Bewegung gekommen ist. Erfolg macht froh und zuversichtlich und ermutigt zu weiterem Handeln. Ich habe einfach Freude daran, einen Beitrag zu leisten. Am schönsten wäre für mich, wenn sich die begonnene Entwicklung weiter beschleunigt und hierdurch unser Landkreis zu einem der vitalsten und lebenswertesten Landkreise Oberfrankens werden würde. Diese Vorstellung motiviert mich.




Die Hochschule Coburg nimmt beim Innovationszentrum Coburg eine wichtige Rolle ein. Der FT hat deshalb Hochschul-Präsident Professor Michael Pötzl um eine Stellungnahme zu diesem Projekt gebeten. "Der Name ist Programm. Denn die drei wichtigsten Player in Sachen Wettbewerbsfähigkeit der Region - die Wirtschaft, die Kommunalpolitik und die Wissenschaft - haben ein Schlüsselthema für die hier ansässigen High-Tech-Unternehmen eigenständig identifiziert und daraus ein zukunftsweisendes 3-Stufen-Konzept entwickelt. Die Hochschule Coburg mit ihrer Expertise im Bereich der Innovationsstrategien kann im Verbund der Technologie-Allianz-Oberfranken wichtige Impulse geben. Ob im Wissenstransfer oder zum Beispiel durch berufsbegleitende Studiengänge."