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Wilhelmsthal
Absage

Das Wilhelmsthaler Heimatfest fällt aus

Das vom Musikverein initiierte Heimatfest zieht alljährlich Tausende Besucher an. Nun muss es erstmals seit 1963 pausieren.
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In diesem Jahr muss auch die Kindertrachtengruppe - hier beim legendären Laubentanz - auf ihren Auftritt verzichten. Foto: Heike Schülein/Archiv
In diesem Jahr muss auch die Kindertrachtengruppe - hier beim legendären Laubentanz - auf ihren Auftritt verzichten. Foto: Heike Schülein/Archiv

Der 1896 gegründete Musikverein Wilhelmsthal ist aus den Festen und Aktivitäten im Dorf- und Vereinsleben nicht mehr wegzudenken. Sein Aushängeschild ist aber zweifellos das Wilhelmsthaler Heimatfest, das mit seiner bunten Mischung aus Brauchtum und Tradition sowie Modernem begeistert. Schweren Herzens müssen die Verantwortlichen das Highlight aufgrund der Corona-Pandemie für dieses Jahr absagen. Da der Musikverein im nächsten Jahr sein 125-jähriges Bestehen mit einem Kreismusikfest feiert, findet das nächste "klassische" Heimatfest erst wieder 2022 statt.

"Die Organisation des Heimatfests war komplett abgeschlossen", erklärt Musikvereinsvorsitzender Jürgen Steininger. Seit seiner Premiere im Jahr 1963 konnte das Fest Jahr für Jahr ohne Unterbrechung stattfinden. Entsprechend schwer falle dem Ausschuss nunmehr die Absage. Diese sei jedoch alternativlos gewesen; habe doch die Gesundheit aller Mitwirkenden, Helfer sowie Besucher in der derzeitigen Situation oberste Priorität.

"Das ist für den Verein und natürlich auch für die ganze Bevölkerung schon sehr schade", schließt sich ihm Kassenwart Johannes Friedlein an. Im Ort herrsche während des Fests so etwas wie Ausnahmezustand. Viele nähmen sich alljährlich eigens Urlaub, um mithelfen zu können. Die Anwohner beleuchteten abends ihre Häuser wunderschön. An den vier Tagen könne man täglich rund 700 bis 1000 Gäste jeden Alters begrüßen. Am Samstag beim Feuerwerk befänden sich sicherlich um die 2000 Besucher auf dem Platz, in und vor dem Zelt. Hinzu kommen noch unzählige weitere Zuschauer auf den Straßen beziehungsweise an anderen Plätzen.

Ganz besonders fiebere auch der Trachten-Nachwuchs seinem Auftritt beim Heimatabend entgegen. Die drei Gruppen könnten nun leider ebenso wenig ihre Tänze mit ihrer Leiterin Christina Reißig einstudieren wie die Plattler mit ihrem Leiter Andi Münzel - und auch die Proben für die Trachtenkapelle fallen aus.

Programm für Jubiläum steht

Dies bereite den Musikern aktuell auch die größten Sorgen - insbesondere im Hinblick auf das Jubiläum 2022. Auch hier steht das Programm bereits fest. Gefeiert werden soll vom Donnerstag, 29. Juli, bis Sonntag, 1. August; das Jubiläumskonzert mit Ehrungen soll jedoch bereits im März oder April stattfinden. "Wir müssten jetzt dringend proben, gerade auch die neuen Stücke", verdeutlichen Steininger und Friedlein.

Einige Programmpunkte des Jubiläums entsprechen denen des Heimatfests. So wird die Bierprobe mit der Trachtenkapelle und den Trachtengruppen sozusagen zu einem "kleinen Heimatabend" mit Jubiläumsfeuerwerk. Der Kindernachmittag am Freitag und der gebührende Festgottesdienst am Sonntag sind natürlich auch im Jubiläumsjahr fester Bestandteil.

Am Samstag und Sonntag verwandelt sich Wilhelmsthal bei Standkonzerten und Sternmärschen mit Gemeinschaftschor in einen klingenden Ort. Als Musikgruppen konnten am Freitag die Bayern-1-Band und am Samstag "Viera Blech" gewonnen werden. Für den musikalischen Festausklang am Sonntag sorgen - nach den Standkonzerten und dem Umzug - am Nachmittag der Musikverein Friesen und am Abend das Symphonische Blasorchester Küps. Das "klassische" 58. Heimatfest wird erst wieder 2022 gefeiert; die 60. Jubiläumsausgabe dementsprechend im Jahr 2024.

"Als Bürgermeisterin bedauere ich natürlich sehr, dass sich mit der Absage des Heimatfestes die lange Kette der heuer nicht stattfindenden Veranstaltungen weiter fortsetzt. Man kann davon ausgehen, dass wir noch eine lange Zeit ohne die uns gewohnten Veranstaltungen leben müssen", bedauert Susanne Grebner. Jetzt hofft sie auf ein schönes Kreismusikfest 2021.

Musikverein rechnet mit Minus

Das hoffen auch die Verantwortlichen. Für die Trachtenkapelle wäre 2020 ein besonders aktives Jahr gewesen. "Unser Terminkalender war heuer so voll wie noch nie", erklärt der Vorsitzende, dass man von nun an nahezu jedes Wochenende bei Auftritten oder als Gast bei Musikfesten unterwegs gewesen wäre, zuzüglich der Festlichkeiten im Ort.

Auch wollte man beispielsweise das Dach auf dem WC-Haus am Festplatz erneuern. Ob man diese Maßnahme mit Kosten im fünfstelligen Bereich durchführen kann, sei noch ungewiss - zum einen aufgrund der Corona-Auflagen; zum anderen aus finanzieller Sicht. Obwohl man auf sehr moderate Preise setze und daher dabei keine Riesengewinne einfahre, stelle das Heimatfest trotzdem die Haupteinnahmequelle des Vereins dar. So werde man in diesem Vereinsjahr wohl ein Minus im vierstelligen Bereich einfahren.