Zwar kann sich der Landkreis Kronach aufgrund der Dimension in keinster Weise mit Wien messen, doch für den Kreisverband des Bayerischen Gemeindetages ist und war dies kein Grund, sich in der österreichischen Bundeshauptstadt nicht näher über die dortige politische und wirtschaftliche Situation informieren zu lassen. Im Rahmen einer Viertagesfahrt waren aktuelle Bürgermeister sowie zwei Altbürgermeister jeweils mit ihren Ehepartnern unter anderem im Wiener Rathaus zu Gast, um aus erster Hand Kenntnisse zu sammeln und diese mit in den Frankenwald zu nehmen.
Während dieser Reise kamen aber auch die individuelle Erkundung der 1,8 Millionen Einwohner zählenden Metropole und - trotz unterschiedlicher Parteienzugehörigkeit - das gemütliche und kameradschaftliche Miteinander nicht zu kurz.
Unterhaltsame Gespräche, gepaart mit Diskussionen und Fragen zur Gemeindepolitik vor Ort, wurden während der vier Tage teilweise in kleineren Kreisen geführt.
Als nach rund neunstündiger Anreise über Regensburg, Passau und St. Pölten das Reiseziel im fünften Wiener Gemeindebezirk Margareten erreicht war, dauerte es nicht lange, bis die Oberfranken auf schnellstem Weg den in unmittelbarer Nähe befindlichen Naschmarkt ansteuerten. Hier bot sich eine Großauswahl an verschiedensten Lebensmitteln, die vom heimischen Obst und Gemüse bis zu exotischen Früchten reichte. Dieser Traditionsmarkt hat sich zu einem markanten Treffpunkt entwickelt, wo es auch an Lokalen nicht mangelt und für jeden Geschmack etwas bietet. Auch an den folgenden Tagen wurde dieser ehemalige Bauernmarkt, inzwischen mit multikulturellem Flair, immer wieder von den Oberfranken besucht.
Der zweite Tag stand im Zeichen einer erweiterten Rathausführung inklusive der Ausführungen von Marcus Schober, Mitglied im Wiener Landtag und Gemeinderat. Als die Frankenwälder im Sitzungssaal Platz genommen hatten, vermittelte der SPÖ-Politiker viel Wissenswertes aus seinem näheren Umfeld als Bildungssekretär, der Infrastruktur, der Arbeitsmarktlage, der Wasserversorgung, den Wohnbau und Mietpreisen oder Wien als großen Arbeitgeber und einer Stadt mit höchster Lebensqualität. Hinsichtlich der Einwohnerentwicklung würden die Prognosen voraussagen, dass Wien in gut zehn Jahren die zwei Millionen-Grenze erreicht haben dürfte. Abschließend versicherte das mit 35 Jahren jüngste SPÖ-Gemeinderatsmitglied, dass die Stadt Wien gerne den Informationsaustausch mit anderen Städten suche. Es bestünden deshalb auch schon mehrjährige Kontakte unter anderem mit München, Nürnberg oder Berlin. Aber auch Verbindungen mit kleineren Verbänden seien gesucht und deshalb wurde der Besuch der Kronacher sehr begrüßt.
Eine umfangreiche Führung durch das imposante Rathaus mit einer Grundfläche von knapp 20 000 Quadratmetern schloss sich an. Nicole Funk vom Tourismusverband zeigte den Besuchern zwar viele Zimmer, doch alle 1575 Räume konnten nicht besichtigt werden. Nicht etwa, weil diese nicht zugänglich gewesen wären, die Überwachung im gesamten Bereich wird äußerst klein geschrieben, sondern ganz einfach, weil dies den Besuchsrahmen gesprengt hätte.
Das in der Zeit von 1872 bis 1883 errichtete Rathaus wird übrigens derzeit erstmals komplett generalsaniert, wobei schon sehr deutlich "alt und neu" zu erkennen war. Begleitet wurden die Reisenden übrigens in Wien von dem aus Steinwiesen stammenden Universitätsprofessor Jürgen Feulner, der bereits seit 14 Jahren dort an der Katholisch-Theologischen Fakultät wirkt und von seinem Heimat-Bürgermeister Gerhard Wunder herzlichst begrüßt worden war.


Geschenke

Während Nicole Fuchs für ihre kundige Führung von Bürgermeister Egon Herrmann eine Hundertwassertasse als Dank erhielt, war zuvor an Marcus Schober das Landkreiswappen überreicht worden. Später erhielt als Gastgeschenk Dagmar Dittrich von der Stadtentwicklung - sie hatte im Vorfeld das Programm mit zusammengestellt - eine Flößerfigur.
Am Abend konnte beim Heurigen am Wilhelminenberg hoch über den Dächern von Wien das Erlebte nochmals aufgearbeitet werden, wobei aber das zünftige Beisammensein im Vordergrund stand. Groß wurden die Augen der Franken, als ihnen hier die berühmten Stelzen (Eisbeinfleisch mit Schwarte) serviert wurden.
Der dritte Reisetag war einer ausgiebigen Stadtführung mit einem geprüften "Austrian Guide" (Fremdenführer) vorbehalten. Teilweise mit dem Bus, aber größtenteils per pedes wurde vor allem die Innenstadt, der Stephansdom, die Hofburg, das Schloss Belvedere, die Staatsoper, der Prater, Kirchen und Museen sowie abschließend das Schloss Schönbrunn unter die Lupe genommen.
Die hochsommerlichen Temperaturen waren zwar besser als Regenwetter, doch schlauchten diese auch so manchen Teilnehmer.
Am vierten Tag ging es wieder Richtung Heimat Bei seinen Dankesworten kurz vor der Ankunft in der Kreisstadt lobte Egon Hermann besonders den Busfahrer Roger Frey für seine sichere Fahrweise. Die Bürgermeisterin von Wilhelmstahl, Susanne Grebner, dankte ihren Amtskollegen für die vorbildliche Leitung und Vorbereitung der Reise.