Ebersdorf Besucher der Sport- und Kulturhalle Ebersdorf werden im Eingangsbereich von einem großen Wandrelief willkommen geheißen. Das ornamentale Kunstwerk erstreckt sich über die komplette rechte Seitenwand und den Eingang zur Halle selbst. Auch die Türen werden harmonisch in das stimmige Gesamtbild integriert. Modelliert wurden die abstrakten Formen aus Glasfaserverstärktem Kunststoff, kurz GFK, umgangssprachlich als Fiberglas bekannt.

"Das Wandrelief ist toll authentisch erhalten", zeigte sich Kreisheimatpfleger Robert Wachter begeistert, als er zusammen mit seinem Amtskollegen Siegfried Scheidig sowie Ludwigsstadts Bürgermeister Timo Ehrhardt den sehr aufwändig und abwechslungsreich gestalteten Hingucker besichtigte. Geschaffen wurde das imposante Kunstwerk in einer überwiegend gelb-braunen Farbgebung von Alfred Russ (1915 - 1996). Der Bayreuther Künstler zeichnet für eine Vielzahl weiterer in der Nachkriegszeit entstandener "Kunst am Bau" verantwortlich; war doch damals - gesetzlich sogar geregelt - bei allen neuen öffentlichen Bauaufträgen ein bestimmter Prozentsatz der Bausumme hierfür auszugeben.

Werke von ihm finden bzw. fanden sich im Landkreis Kronach beispielsweise noch in der Volksschule Ludwigsstadt (Brunnenanlage von 1971 und Wandrelief von 1976), vor dem Freizeitzentrum Steinbach/Wald (Brunnenanlage von 1976), in der Volksschule Teuschnitz (Wandrelief und Brunnenanlage von 1975), in der Volksschule Wallenfels (Brunnenanlage und Wappentafeln von 1971) sowie am Wallenfelser Kurzentrum (Wandrelief von 1976). Ein Kunstwerk der Superlative waren seine dynamisch-bunten "Farbwege" am Kronacher "Mississippidampfer" - die größte jemals geschaffene "Kunst am Bau" im Landkreis.

Bedrohte Kunstwerke

"Leider sind viele solcher charakteristischen Kunstwerke heute stark bedroht", bedauerte Robert Wachter, dass diese nunmehr oftmals einer Sanierung oder gar einem Abriss der Gebäude zum Opfer fallen. So verschwinde ein Exemplar dieser Ära nach dem anderen und der Bestand dezimiere sich schnell. Anstatt eines wertschätzenden und achtsamen Umgangs radiere man so die Leistungen einer ganzen Epoche, einer ganzen Generation, aus.

Auch die Anfang 1976 eingeweihte Sport- und Kulturhalle in Ebersdorf in der Wiesenstraße ist sanierungsbedürftig. In den letzten Jahren wurde das Dach gedämmt und unter tatkräftiger Mitwirkung der Ebersdorfer Bürger neu eingedeckt. Die Luftheizung wurde durch eine neue Deckenstrahlheizung ersetzt. Nachdem weitere Investitionen für die Erneuerung des Hallenbodens, der Bestuhlung und Sanitäranlagen vorgesehen waren, soll die Stätte nunmehr eine Generalsanierung erfahren. Nach dem Einvernehmen des Bauausschusses des Stadtrats Ludwigsstadt in seiner letzten Sitzung vom 3. Dezember soll ein Planungsbüro - im Zuge einer Vorplanung - ein Gesamtkonzept erarbeiten, um auf dessen Basis Fördermöglichkeiten zu prüfen. Aktuell geht man von Gesamt-Sanierungskosten von einer Million Euro aus.

Mosaik von Hubert Weber?

In der Wirtschaftswunderzeit - gerade in den 1950/1960er Jahren - herrschte ein reger Bauboom an öffentlichen Gebäuden, so auch im Landkreis Kronach. Viele von ihnen hat Hubert Weber (1920 - 2013) aus Lichtenfels - bekannt als "Künstler ohne Hände" - mit baufester Kunst bereichert. Auch das Mosaik aus den 1960ern rechts am Schlauchturm des Feuerwehrhauses von Ebersdorf, Im Geschwende, könnte von ihm sein. Leider liegen der Kreisheimatpflege hierzu aber keine Informationen vor. Das Motiv einer Brandlöschung - symbolisiert mit einem blauen Wasserstrahl und rot lodernden Flammen - lässt das Feuerwehrhaus als solches sofort erkennbar werden. Wer nähere Infos hierzu beisteuern kann, möge sich bitte an die Kreisheimatpflege wenden.

Geboren in Bad Staffelstein, hatte Weber 1941 im Zweiten Weltkrieg auf dem Weg zu einem Fronteinsatz bei einem Unfall beide Hände verloren. Der berühmte Chirurg Prof. Ferdinand Sauerbruch operierte ihn mehrmals und gab ihm neue Bewegungsmöglichkeiten mit eigens entwickelten Handprothesen zurück. Sauerbruch war es auch, der sein künstlerisches Talent entdeckte und förderte. Weber studierte an verschiedenen Akademien der Bildenden Künste und startete eine erfolgreiche Karriere als Künstler und Bildhauer. Dabei gestaltete er Kirchen, Schulen, Kliniken und öffentliche Gebäude; schuf Brunnen, Skulpturen und Betonglasfenster.

Im Landkreis Kronach hat er in den 1960ern ein großes Wandgemälde für die Berufsschule gestaltet und sowohl die Schulen in Gehülz-Breitenloh als auch in Windheim mit Wandgemälden versehen. Auch das Sgraffito der "Sparer-Familie" an der ehemaligen Sparkassen-Hauptstelle am Kronacher Bahnhof aus den 1950ern stammt von ihm. Weiter schuf er in den 1960er Jahren die Betonglasfenster der Kirchen "St. Heinrich" Steinbach/Wald und "St. Marien" Hirschfeld sowie das Landkreis-Wappen am Landratsamt. Am Kronacher Marienplatz - am Treppenaufgang vom Stadtpark hoch zur Stadtpfarrkirche - fertigte er 1990 die Bronzefigur von Johann Kaspar Zeuß.