Die Initiative von MdL Jürgen Baumgärtner (CSU), den Frankenwald als potenziellen Nationalpark ins Spiel zu bringen, wird kontrovers diskutiert. Befürworter und Kritiker haben ihre Argumente - beide Seiten verweisen dabei aber gleichermaßen auf den Nationalpark Bayerischer Wald. Jeder sieht seine Thesen dort untermauert. Wir haben uns vor dem heutigen Besuch von Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) im Landkreis Kronach umgehört, wie es um den Nationalpark in der bayerischen Nachbarschaft bestellt ist.

Franz Leibl ist der Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald. Im Jahr 2011 hat er den Vorsitz der Verwaltung übernommen. Er hat die Entwicklung des Projekts über die Jahre genau im Blick und kennt die Argumente von Befürwortern wie Gegnern. Dass die Politik den Nationalpark Bayerischer Wald 47 Jahre nach seiner Gründung und 20 Jahre nach seiner Gebietserweiterung von 13 229 auf aktuell 24 250 Hektar vollauf unterstützt, steht für Leibl außer Zweifel. Wichtig ist aber natürlich, wie die Bevölkerung vor Ort zum Park steht. Hierzu wurde 2013/2014 eine Umfrage durchgeführt.

"81 Prozent der befragten Einheimischen glauben, dass sich durch den Nationalpark eine bessere Lebensqualität ergibt", so Leibls Fazit. Auch die Frage nach dem Respektieren eines Wegegebots zu Gunsten des Naturschutzes wurde gestellt. 87 Prozent der Befragten hätten volles Verständnis für diese Maßgabe gezeigt. Etwa drei Prozent hätten geantwortet, dass sie eine solche Einschränkung keinesfalls akzeptieren.


Alle werden nie dafür sein

"Sieben bis acht Prozent der Leute werden immer gegen den Park sein", meint der Nationalpark-Leiter. Dafür gebe es verschiedene Gründe. Diese verhältnismäßig kleine Opposition sei nach außen jedoch mitunter so laut, dass sie in der Öffentlichkeit als die große Masse wahrgenommen werde. Die breite Mehrheit der Menschen stehe jedoch seinem Eindruck und auch den ermittelten Zahlen nach hinter dem Park. Dass mit einem Nationalpark Ängste verbunden sind, kann Leibl verstehen. Er denkt an den Privatwaldbesitzer, der sich vor dem Angriff des Borkenkäfers fürchtet. Er weiß um den Landwirt, der Schäden durch das Wild erwartet. Doch auch hierfür gebe es Lösungen, wie Leibl in den unten stehenden darlegt.

Vor allem tritt der Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald den Befürchtungen entgegen, mit einem solchen Park käme es zu Enteignungen, Zwangsabkäufen von Wald und Grund, einem Jobabbau oder gar zum spontanen Aussperren der Bevölkerung aus weiten Teilen ihrer Heimat.

Er rät den Kronachern dazu, sachlich zu diskutieren. Dass sich nicht jeder auf einen Nationalpark freut, sei nachvollziehbar. Am Beispiel Unterfranken habe man aber gesehen, dass "unterirdische Argumente" eine faire, offene Debatte vergiften können.

Borkenkäfer: Droht dem Frankenwald eine Borkenkäfer-Katastrophe? Dass der Borkenkäfer für die Privatwaldbesitzer ein Schreckgespenst ist, will Franz Leibl nicht verhehlen. Der Umgang mit dem Insekt ist seiner Ansicht nach aber "in einem Nationalpark zu managen". Laut dem Parkplan für den Bayerischen Wald werden die Fichtenbestände außerhalb der Naturzone sehr intensiv kontrolliert und im Bedarfsfall aufgearbeitet. Befallene Bäume werden dann schnellstmöglich "aus dem Wald abtransportiert oder handentrindet und als Biomasse auf der Fläche belassen". Im Jahr 2016 wurden im Nationalpark nach Angaben der Homepage (www.nationalpark-bayerischer-wald.de) rund 17 500 Festmeter Käferholz eingeschlagen.

Arbeitsplätze: Würden durch einen Nationalpark Frankenwald qualifizierte Jobs im Forst und in der Holzwirtschaft verloren gehen? Wären neu entstehende Arbeitsplätze bloß 450-Euro-Jobs im touristischen Bereich? Dass sich die Arbeitswelt im Bereich und Umfeld eines Nationalparks verändert, ist zu erwarten. Dass die Region dabei schlecht abschneidet, verneint Franz Leibl am Beispiel des Bayerischen Waldes ganz klar. "Alleine der Nationalpark Bayerischer Wald hat zurzeit 203 Mitarbeiter", stellt er fest. Ein Forstamt hingegen könne mit rund 70 Leuten geführt werden. Unter den Kräften des Parks seien auch hoch qualifizierte Leute wie Wissenschaftler und Umweltpädagogen. Insgesamt sei der regionale Arbeitsmarkt durch den Park bereichert worden. Entlassungen bei den Forstamt-Mitarbeitern habe es nicht gegeben. Sie seien in das Parkpersonal integriert worden oder hätten wahlweise auch an ein Amt in der Nähe wechseln können.

Nutzung: Ist im Nationalpark für den Menschen alles verboten? Ein Nationalpark soll laut dem Plan des Bayerischen Waldes "den möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik" gewährleisten. Bereits zugelassene Nutzungen, die aus überwiegenden Gründen dem Allgemeinwohl dienen und dafür eine weitere Zulassung erfordern, sind davon aber ausgenommen (zum Beispiel Trinkwassernutzung). Die Infrastruktur, gerade in der Kernzone, soll möglichst rückgebaut und stets auf ihre zwingende Notwendigkeit hin überprüft werden. Die Nutzung von Wegen im Parkgebiet mit Fahrzeugen (Infrastruktur, Erreichbarkeit von Anwesen) kann in Ausnahmefällen geregelt werden.

Waldpflege: Wäre der angestrebte Waldumbau am Ende, wenn der Nationalpark in den Frankenwald käme? "Rein theoretisch gesagt, wenn ein Nationalpark im Frankenwald entstehen würde, hätte der eine definierte Grenze und Entwicklungszeit", erklärt Franz Leibl. 30 Jahre sind seiner Aussage nach angesetzt, um das Konzept für einen solchen Park umzusetzen. Auch bei einem neuen Park würde es also Stück für Stück vorangehen. Alles was mit der Zeit als Naturzone festgestellt wird, wird dann auch der Natur überlassen. In der Entwicklungszone sind zunächst aber weiter - und teilweise langfristig - menschliche Maßnahmen zulässig. Im Bayerischen Wald sollen diese erst 2027 abgeschlossen werden.

Jagd: Sind im Nationalpark Jagd und Fischerei untersagt? Es gibt Parks in Deutschland, da wird Schalenwild intensiver bejagt als außerhalb", erklärt Leibl. Er nennt als Beispiele die Eifel oder den Harz. "Auch das ist in einem Nationalpark möglich", wobei es im Bayerischen Wald anders gehandhabt wird. Wie im Nationalparkplan festgelegt ist, sollen dort die heimischen Wildarten in "arttypischen und lebensfähigen Populationen" erhalten bleiben. Allerdings sind in diesem Schriftstück auch Regulierungsmaßnahmen festgeschrieben, falls überhöhte Wildbestände die Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen bedrohen. Jagd und Fischerei im herkömmlichen Sinn finden im Bayerischen Wald allerdings nicht mehr statt.

Tourismus: Kurbelt ein Nationalpark den Tourismus in der Region wirklich an? Im Jahr 2013/14 wurde eine Untersuchung zum Nationalpark Bayerischer Wald durchgeführt. "Zwölf Millionen Euro sind auf typische Nationalpark-Touristen zurückzuführen", berichtet Leibl über die jährliche Wertschöpfung, die unmittelbar auf den Park zurückgeht. Dieses Geld bleibe in der Region. Ebenso wie die Investitionen der Partnerbetriebe des Parks, die laut dem Parkleiter rund 500 Menschen beschäftigen. "Sie haben in den vergangenen zehn Jahren rund 14 Millionen Euro in die Hand genommen." Nicht nur die Gastronomie profitiere von den Touristen, sondern auch handwerkliche Betriebe oder kleine Läden.

Grundbesitz: Drohen den Waldbesitzern Enteignungen oder massenweise Grundstücksabkäufe, wenn die (möglichst zusammenhängende) Fläche für einen Nationalpark gebildet werden muss? "Berchtesgaden ist meines Wissens ohne Privatwald ausgekommen, und der Bayerische Wald auch", sagt Franz Leibl. Ein Nationalpark auf privatem Grund würde seiner Ansicht nach auch nicht funktionieren. Enteignungen habe es in seinem Zuständigkeitsbereich nicht gegeben. Im Bayerischen Wald erinnert er sich auch nur an einen Fall eines größeren Grundstückzukaufs, und dieser sei in gegenseitigem Einvernehmen erfolgt. Der Verkäufer habe für das Geld an anderer Stelle ein Grundstück erstanden.