Luisa und Lee befestigen in ihrem Klassenzimmer R 019 verschiedene Dokumente und Flyer an einer großen Stellwand. Sie gestalten damit eine Ausstellung. Zu sehen sind darauf Informationen über die Hilfsorganisation "Plan International Deutschland", Bilder vom Schwarzen Kontinent sowie von lachenden afrikanischen Kindern. Auch das Foto eines fröhlich schauenden Mädchens - etwa im gleichen Alter wie die beiden Siebtklässlerinnen - ist zu sehen.

"Das ist unser Patenkind Pelagie Pale. Sie ist so alt wie wir, 13 Jahre, und sie lebt in Schwarzafrika", erzählen Luisa Fischer und Lee Werth. Sie zeigen einen Brief, in dem Pelagie, ihre Familie und ihr Lebensumfeld vorgestellt werden. Die feinsäuberliche Handschrift stammt aber nicht von ihr selbst, denn das Mädchen kann nicht schreiben und hatte bis zu jenem Zeitpunkt noch nie eine Schule besucht. Das hat sich mittlerweile geändert.
Seit März unterhält nämlich die 7 d der Siegmund-Loewe-Realschule eine Patenschaft für das Mädchen, die Pelagie einen Schulbesuch ermöglicht.

"Schon im letzten Jahr hat uns unsere Lehrerin Kerstin Körlin von ihrem Patenkind in Afrika erzählt. Jetzt hatten wir das Thema ,Schwarzafrika‘ im Erdkunde-Unterricht bei unserem Lehrer Matthias Böhm. Wir sind dann auch auf die Kinderarmut zu sprechen gekommen", erzählen die beiden Kronacherinnen.

Die Klasse erinnerte sich dabei an die private Patenschaft ihrer Lehrerin und überlegte, selbst eine solche Patenschaft zu übernehmen. "Uns geht es gut. Die Menschen dort befinden sich in einer schwierigen Situation und haben zu kämpfen. Die Kinder können ja nicht einmal in die Schule", bedauern Luisa und Lee. Ihr Lehrer Matthias Böhm freute sich über das soziale Engagement der Klasse, kümmerte sich um die Formalitäten und stellte den Kontakt mit der Hilfsorganisation "Plan International Deutschland" her.

Diese schlug der Klasse Pelagie Pale, ein 13-jähriges Mädchen aus dem Südwesten Burkina Fasos, vor. "Wir waren sofort begeistert, dass wir einem Kind aus schwierigen Verhältnissen einen Weg aus der Armut bieten können. Monatlich spendet jeder Schüler von uns einen Euro dafür, dass Pelagie in die Schule gehen kann beziehungsweise eine Ausbildung anfangen soll", freuen sich die beiden Siebt klässlerinnen.

Briefe erhalten

Die Klasse hat auch schon Briefe von Pelagies Familie bekommen, welche die Schülerinnen und Schüler aus Deutschland jetzt schon als einen Teil ihrer Gemeinschaft ansieht. Trotz der Schwierigkeiten durch die unterschiedlichen Sprachen schaffte es die 7 d, die Briefe ins Englische zu übersetzen, so dass auch Pelagie ein wenig davon versteht.

Von der Hilfsorganisation werden die Schüler über die Fortschritte und Veränderungen im Leben von Pelagie informiert sowie über die laufenden Projekte in der Region South West, die sie mit ihrer Patenschaft möglich machen. South West ist etwa 381 Kilometer von Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, entfernt und liegt an der Grenze zu Ghana und der Elfenbeinküste.

Besonders beeindruckt es Böhm, dass die Idee für die Patenschaft von den Schülern selbst kam und dass sie die Abwicklung auch selbst organisieren - also das Einsammeln von jeweils einem Euro pro Monat von den insgesamt 27 Schülern der Klasse sowie von ihm selbst. So kommen jeden Monat 28 Euro zusammen - viel Geld für Pelagie!

Bei Schulfest gesammelt

Auch beim kürzlichen Schulfest, bei dem die Ausstellung zu sehen war, wurde für das Patenkind gesammelt. Wenngleich sich die Zusammensetzung der Klasse 7 d ab dem kommenden Schuljahr verändern wird, wird die Patenschaft fortgesetzt.