Vielerorts im Landkreis werden in diesen Tagen Maibäume aufgestellt. An einen ganz besonderen kann sich Förster Peter Schmittnägel sehr gut erinnern. Es war im April 1969. Schmittnägel war damals 19 Jahre alt, Forstpraktikant und wurde Augenzeuge, wie eine Fichte gefällt und als Maibaum auf die Reise nach Berlin geschickt wurde.

"Das war etwas Besonderes", erinnert sich Schmittnägel, der aus dem Wallenfelser Ortsteil Wellesbach stammt und dessen Vater Willi damals der zuständige Förster war. Die damalige Aktion ging auf eine Initiative von Bürgermeister Franz Müller-Zeh zurück, der laut Schmittnägel bei den Berlinern Werbung für den Frankenwald, speziell aber für Wallenfels, betreiben wollte.

"Damals kamen immer mehr Berliner in den Frankenwald, der für diese angesichts der Grenze das nächstmögliche Ziel war.
Für die war der Frankenwald so etwas wie ein Vorort", erklärt der Förster.

Werbung für Wallenfels

Für Wallenfels, das 1967 das Prädikat "Staatlich anerkannter Erholungsort erhielt", war die Idee des Bürgermeisters die Möglichkeit, den Ort noch stärker in den Mittelpunkt der Berliner zu rücken. Das sollte tatsächlich gelingen, was die Übernachtungszahl von damals belegt. Lag diese 1966 noch bei 20 000, konnte die Zahl auf 79 000 im Jahr 1981 gesteigert werden.

Baumkrone bricht

Dabei war die von der Stadt finanzierte Maibaumaktion, für die das Wallenfelser Sägewerk Müller-Lisa die Maschinen und die Verladetechnik zur Verfügung gestellt hatte, zunächst nicht von Erfolg gekrönt. Denn bei einer Baumlänge von über 40 Metern gestalteten sich die Fällarbeiten mit Motorsägen äußerst schwierig, durfte doch dabei die Baumkrone nicht kaputt gehen. Genau das passierte jedoch bei zwei Bäumen.

"Danach hatte einer die Idee, mit drei Seilwinden den Baum zu entwurzeln. Mit zwei Seilwinden wurde auf einer Seite des Baumes gezogen. Und mit der anderen Seilwinde wurde auf der anderen Seite dafür gesorgt, dass der Baum nicht nach unten kracht", erinnert sich Schmittnägel an das Spektakel, das auf dem Gebiet des damaligen Forstamts Wallenfels in der Nähe von Wellesbach stattfand.

Dieser dritte Versuch sollte schließlich erfolgreich sein und die 40,5 Meter lange und rund 120 Jahre alte Fichte behutsam zu Boden bringen. Den Baum zu fällen, war das eine. Ihn jedoch abzutransportieren, das andere. "Eine 40 Meter lange Fichte zu transportieren, ist schon was. Und damals gab es noch keine Langholzlaster, wie man sie heute kennt", erklärt Peter Schmittnägel.

Der Baum wurde schließlich auf zwei einzelnen Achsen transportiert und von einem Unimog gezogen. "Im Schritttempo ging es dann zum Bahnhof in Erlabrück. Die Hinterachse musste dabei mit der Hand von jemandem gelenkt werden, der neben hergelaufen ist. Schwierig wurde es dann aber in der Ortsdurchfahrt von Wallenfels in der Engstelle", erinnert sich Schmittnägel an die Ereignisse im April 1969, als noch jede Menge Schnee lag. Im so genannten Buchbindereck, in dem sich bis zum Bau der Ortsumgehung von Wallenfels immer wieder Lkw verkeilten und für lange Staus sorgten, war Millimeterarbeit gefragt.

Muskelkraft gefragt

Nach einem halben Tag wurde schließlich Erlabrück erreicht, wo der Baum auf drei Bahnwaggons verladen werden musste. "Einen Kran gab es damals nicht. Da war Muskelkraft gefragt", erklärt Peter Schmittnägel.
Die Waggons und der Unimog mit seiner Ladung standen parallel zueinander und wurden quasi mit "Riegeln" miteinander verbunden, um den Baum anschließend auf die Waggons rollen zu können.

Ziel erreicht

Von dort aus wurde der Baum nach Berlin transportiert, wo er vor dem Schöneberger Rathaus als Maibaum aufgestellt wurde und schließlich beste Werbung für den Frankenwald und damit für Wallenfels machte. Das Ziel war erreicht.