Kalt ist es, an diesem Dienstagabend in Volkach. Kalt und dunkel. Die Fackeln der Soldaten erhellen den Platz nur spärlich. Mitglieder der Bundeswehr sind seit langer Zeit wieder einmal in der Innenstadt aufmarschiert. Vor ihnen stehen ungewisse Zeiten. Sie leben quasi auf Abruf.
Kommandeur Oberstleutnant Dirk Bollinger und seine Soldaten wissen seit dem Frühjahr um die neue Aufgabe und haben sich wochenlang mit intensiver Ausbildung dafür fit gemacht. "Diese Aufgabe bedeutet für uns ständige Bereitschaft", betont Oberstleutnant Bollinger. Zwar bleibe der Kasernenalltag erhalten, das Bataillon befindet sich aber in Rufbereitschaft. Innerhalb von zehn Tagen muss das Bataillon aufbrechen können, gleichgültig wohin.
Ein Einsatz steht lediglich unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Deutschen Bundestages.
Ein solcher Auftrag würde 300 Mann betreffen, nur noch eine kleine Reserve würde im Fall der Fälle am Standort verbleiben. Weitere Truppenteile, wie das Transportbataillon 465 in Ellwangen, das Nachschubbataillon 462 in Diez und Teile des Instandsetzungsbataillons 466 in Volkach, gehören zum Kontingent.

Ablösung einer anderen Einheit

Das Logistikbataillon löst mit seinen vier Kompanien eine andere Einheit ab, die den Auftrag ein Jahr lang erfüllte. Der deutsche Truppenanteil wird von der NATO festgelegt. Danach richtet es sich, welche Bataillone mit welchen Waffensystemen in die Bereitschaft kommen. Der Unterstützungsauftrag betrifft alleine die Versorgung deutscher Einheiten mit Treibstoff, Munition und Ersatzteilen, eingeschlossen das Erkunden, Beziehen, Einrichten, Betreiben und Schützen der eigenen logistischen Einrichtungen.
Wohin es geht? Die Soldaten wissen es nicht. Wann der Einsatz startet? Keine Ahnung. Unsicherheit wird die kommenden Monate der Einheit prägen. Über einen möglichen Einsatzauftrag können weder Bollinger noch der zur Aufstellung angereiste Kommandeur des Logis-tikregiments 47, Oberst Friedrich Karl Engelhardt, nähere Angaben. Das hänge alleine von der konkreten Situation ab. Komme es zum Einsatz von Patriot-Flugabwehrraketen auf türkischem Staatsgebiet, sei ein solcher Auftrag in einem NATO-Partnerland einfacher zu erledigen, meinen sie. Anders sehe es aus, wenn ein Kontingent beispielsweise nach Mali in Afrika entsandt werde. Möglich ist beinahe alles - im Rahmen der Nato-Verträge.
Als der Auftrag zur Aufstellung des Kontingents im März ankam, war das weitere Jahresprogramm praktisch vorgegeben: Planen und Ausbilden stand auf der Tagesordnung. Einige Soldaten besuchten spezielle Ausbildungen und Fachlehrgänge, die beteiligten Kompanien übten wochenlang auf verschiedenen Truppenübungsplätzen.

Kein verlängerter Urlaub mehr

Die Ausbildung endet jedoch nicht mit der Aufstellung der Einheit, sie geht in der Stand-by-Phase weiter, um die Fähigkeiten weiter auszubauen."Für uns war die Ausbildung eine große Herausforderung, denn die Soldaten waren teilweise sieben Wochen lang auf Truppenübungsplätzen unterwegs", lobte Bollinger seine Truppe. Für die Dauer der Bereitschaft gebe es zwar keine Urlaubssperre, doch sei auch kein verlängerter Urlaub möglich. Jeder müsse mit einem sofortigen Rückruf im Einsatzfall rechnen.
"Ihre Einsatzfreude und Leistungsbereitschaft waren vorbildlich", lobte der Oberstleutnant am Dienstagabend das vor dem Rathaus im offenen Karree angetretene Bataillon. Alle Soldaten könnten stolz auf das Erreichte sein. Oberst Engelhardt bescheinigte den Soldaten eine gute Ausbildung mit gezielter Vorbereitung auf mögliche Einsätze. Er rief die Soldaten dazu auf, sich der Herausforderung zu stellen und Professionalität und Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.
Bürgermeister Peter Kornell zeichnete die Geschichte Volkachs als Garnisonsstadt nach, von der Bewerbung 1959 bis zum Einzug der ersten Soldaten 1986. Er begrüßte die Entscheidung, dass es nicht zu einem Aus für den Bundeswehrstandort kam, gleichwohl müsse ein Rückgang von derzeit 1800 Soldaten auf später 1300 hingenommen werden.
Und die Soldaten? Die gehen mit gemischten Gefühlen in die kommenden Wochen und Monate: "Ich habe vorher gewusst, wofür ich mich entscheide", meinte Oberfeldwebel Timo Walter. Schon in der Ausbildung habe er sich ausrechnen können, was auf ihn zukommt. "Eben auch weltweite Einsätze." Nervös mache ihn das aber nicht. "Man muss Einsätze auch als Erlebnis sehen", sagte er.
Als Transportsoldat lobt Hauptgefreiter Martin von Ostrowski die gute Ausbildung. Diese Ausbildung war für Hauptgefreite Christina Väth aus Würzburg schon eine Herausforderung mit einer gewissen Anspannung, bei der man über das Kommende nachdenke. Der Gedanke an einen Auslandseinsatz in einem Krisengebiet sei zwar nicht schön, löse bei ihr aber auch keine großen Gedanken aus.
Der öffentliche Appell auf dem Marktplatz - nach der Aussetzung der Wehrpflicht mit öffentlichen Gelöbnissen zur Seltenheit geworden - wurde vom Heeresmusikkorps 12 aus Veitshöchheim musikalisch begleitet.