Am Jägerzaun stehen zwei Frauen und unterhalten sich, Schulkinder schleppen ihre Büchertasche am Gehsteig entlang, die Sonne scheint und man hört tatsächlich ein paar Vögel singen. Unglaublich, dass sich nur eine Stunde vorher in der gleichen Straße eine Tragödie ereignet hat.

Um 11.15 Uhr geht die erste Mitteilung bei der Polizei ein: Explosion in der Gartenstraße in Obernbreit. Sofort machen sich die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Polizei auf den Weg. "Zuerst sind sie am Haus vorbeigefahren", berichtet eine Nachbarin. Das Problem: Von der Straße aus sind die enormen Schäden der Explosion nicht zu sehen.

Zwei Parteien wohnen in dem älteren, etwas zurück gesetzten Haus in der Gartenstraße. Die Frau, die die Polizei gerufen hat, rennt auf die Straße, als die Einsatzkräfte vorbei fahren und lotst sie zu dem richtigen Einsatzort. Im Dachgeschoss dürfte sich den Einsatzkräften ein Bild des Schreckens geboten haben. Pressevertretern ist der Zugang zur Wohnung verboten. "Privateigentum", erinnert Polizei-Pressesprecher Karl-Heinz Schmitt. Außerdem muss die Statik überprüft werden. Fachleute sind schon auf dem Weg.


Frau erleidet schwere Verbrennungen



Schmitt führt die Pressevertreter in den kleinen Garten. Beim Anblick der Trümmer, die dort herumliegen, und beim Blick durch die zerborstenen Fenster in die Dachgeschosswohnung scheint es wie ein Wunder, dass die 85 Jahre alte Bewohnerin überlebt hat. Mit Blaulicht ist sie in die Klinik gefahren worden. Eine andere Nachbarin, die in diesem Moment auf die Straße kam, berichtet von einem "schrecklichen Anblick." Harald Hofmann, Leiter der Kitzinger Polizei, der mit neun Kollegen anrückte, spricht von schweren Verbrennungen.

Karl-Heinz Schmitt kann gegen 12.30 Uhr noch nicht all zu viel sagen: Die Ursache für die Explosion ist so kurz nach dem Unglück unklar. Fest steht, dass die Bewohnerin in der Küche einen Gasherd betrieb. Doch die Vermutung, dass eine Gasflasche explodiert ist, bestätigt sich nicht. Gegen 17.30 Uhr verkünden die Experten der Kripo: Ausgetretenes Gas war schuld an dem Unglück. Ursache? Bislang unbekannt. Fest steht am Spätnachmittag, dass die Wohnung nicht mehr zu bewohnen ist. Die Wände weisen Risse auf. Auch das Dach über der Küche zeigt Risse.


Haus und Garten total verwüstet



Dass die Wohnung ziemlich zerstört ist, ist auch eine Stunde nach dem Unglück vom Gartengrundstück aus ersichtlich. Einen Holzrahmen hat es aus dem Küchenfenster herausgesprengt. Der Rahmen wäre bis ins Nachbargrundstück geflogen, wenn er nicht von einem Zaun gebremst worden wäre. Der ist durch die Wucht des Aufpralls eingedrückt worden. Auch das Badezimmerfenster ist durch die Wucht der Detonation zerstört worden. Im Garten liegen überall Scherben, im Dach befindet sich ein zirka ein auf zwei Meter großes Loch. Die Dachziegel liegen zerbrochen im Gemüsebeet.

Eine Stunde nach der Explosion ist in der Obernbreiter Gartenstraße kaum etwas von dem Unglück zu merken. Die Feuerwehr hatte den kleinen Brand, der durch die Explosion entstanden war, schnell unter Kontrolle.
Die zwei Rettungswagen des Roten Kreuzes, die Helfer vor Ort und die Feuerwehr sind längst abgezogen. Kein Rauch, keine Ruine deutet auf die Tragödie hin. Nur ein Polizeiauto steht noch in der Gartenstraße. Und ein paar Menschen, die sich um ihre Nachbarin sorgen. Über die Schwere ihrer Verletzungen gibt es auch am frühen Abend keine gesicherten Erkenntnisse.