Die Petition läuft. Dabei ist eine Entscheidung schon gefallen. Zumindest von Seiten des Staatlichen Bauamtes. An der Kreuzung auf Höhe des Marktstefter Gewerbegebietes „Am Traugraben 2“ soll eine Ampelanlage installiert werden. Petra Hartmann hätte dort lieber einen Kreisverkehr gesehen. Sie ist nicht die Einzige.

Die Marktstefterin beobachtet die Kreuzung seit längerem mit Argwohn. „Der Verkehr nimmt immer weiter zu“, sagt sie. „Viele Marktstefter umfahren den Bereich.“

Kreuzung in Marktsteft ist unübersichtlich und gefährlich - Bürger starten Petition

Die Kreuzung sei unübersichtlich und gefährlich. Eine Einschätzung, die Thomas Thomalla und Bernhard Etzelmüller teilen. Die Stadträte der Freien Wähler haben sich der Petition angeschlossen. „Diese Kreuzung ist nicht wie jede andere“, sagt Thomalla, der als Fahrlehrer viel unterwegs ist auf den Straßen des Landkreises. Unübersichtlich sei die Kreuzung, mit viel zu vielen Informationen für die Autofahrer.

Thomalla kennt ebenfalls etliche Marktstefter, die den Bereich meiden. Bernhard Etzelmüller ist Geschäftsführer von Wiedenmann-Seile. Die Firma ist im Gewerbegebiet Traugraben, in unmittelbarer Nähe der Kreuzung, beheimatet. Rund 100 Mitarbeiter fahren werktags über die Kreuzung aufs Firmengelände und wieder hinaus. Die meisten berichten von einem gewissen Unwohlsein. Etzelmüller erinnert sich an einen schweren Unfall vor acht bis neun Jahren und kennt nach eigenen Worten vier Marktstefter, die dort schon einen kleineren Unfall hatten. „Es kommt dort täglich zu schwierigen Situationen“, sagt er und plädiert ebenfalls für einen Kreisverkehr.

Bereits 2014 gab es dafür die ersten Überlegungen, die Freien Wähler hatten Unterschriften gesammelt. Auch im Stadtrat sei schon ein entsprechender Beschluss gefasst worden, erinnert der Geschäftsmann. Mit 7:6 stimmte das Gremium für einen Kreisverkehr. Getan habe sich seither nichts. „Das wird ausgesessen. Typisch Marktsteft“, kommentiert er. Bürgermeister Thomas Reichert (CSU) sieht das ganz anders und verweist auf das Staatliche Bauamt, das letztendlich die Entscheidung zu treffen hat.

Viele Unfälle auf Kreuzung in Marktsteft: "Die Kreuzung wird immer weiter belastet"

Die Kreuzung ist im Zuge der Ausweisung des Gewerbegebietes Traugraben errichtet worden und steht seither unter Beobachtung der Behörden. „Die Kreuzung hat sich in der Vergangenheit immer wieder als unfallauffällig gezeigt“, erklärt Johanna Klein, Sachgebietsleiterin am Staatlichen Bauamt in Würzburg. 2014 wurde ein Sichtzaun angebracht. Für Thomas Thomalla war das eine richtige Entscheidung, aber nicht die beste Lösung. Autofahrer aus Richtung Marktsteft werden seither gezwungen, anzuhalten, bevor sie in die Kreuzung einfahren. Immerhin.

Die große Lösung sieht auch er in einem Kreisverkehr. „Der Schwerverkehr wird zunehmen“, prophezeit er. „Die Kreuzung wird immer weiter belastet.“ Schon jetzt liegt die Verkehrsbelastung deutlich über den durchschnittlichen Werten von Staatsstraßen im Freistaat. An der Zählstelle zwischen Kitzingen und Marktsteft wurde bereits 2015 ein täglicher Verkehr von 8810 Fahrzeugen gezählt, davon 584 Schwerverkehr, wie Hauptkommissar Harald Hufnagel von der Kitzinger Polizeiinspektion berichtet. Bayernweit liegt die durchschnittliche Verkehrsbelastung auf Staatsstraßen bei einem Wert von 3817 Fahrzeugen pro Tag – bei einem Schwerverkehr von 206 Fahrzeugen.

„Der Verkehr ist seither sicher nicht weniger geworden“, sagt Hufnagel. In den letzten fünf Jahren hat die Polizei sieben Unfälle an dieser Stelle gezählt – vier mit Personenschaden. Ein Mensch ist schwer verletzt worden, vier leicht. „Die Kreuzung wird bei uns als Unfallschwerpunkt geführt“, bestätigt Hufnagel.

Bauamt favorisiert Ampellösung - Bürger sind für Kreisel

Der Hauptkommissar kann sich eine weitere Reduzierung der Geschwindigkeit von bislang 70 auf 60 km/h vorstellen, viel mehr sei aus verkehrsrechtlicher Sicht nicht möglich. Der Ball liege jetzt beim Staatlichen Bauamt. Das müsse entscheiden, ob eine Ampelanlage installiert wird – oder ein Kreisel, wie ihn sich Petra Hartmann und die Freien Wähler wünschen.

Die Antwort liefert Johanna Klein. Auf die Frage dieser Redaktion teilt die Sachgebietsleiterin schriftlich mit: „Um die Leistungsfähigkeit des Knotenpunktes auch für die Zukunft zu gewährleisten (...) wurde der Umbau diskutiert. Zur Debatte standen eine Lichtsignalanlage oder der Bau eines Kreisverkehrs. Ein Fachbüro hat eine verkehrstechnische Untersuchung sowie eine Machbarkeitsstudie erstellt. Ergebnis: Ein Kreisverkehr weist hinsichtlich der Verkehrssicherheit und Wirtschaftlichkeit deutliche Defizite gegenüber einer Ampellösung auf. Seitens des Bauamts wird deswegen die Ampellösung favorisiert.“

Thomas Thomalla kann der Einschätzung des Staatlichen Bauamtes nicht folgen. „Eine Ampelanlage bringt Beruhigung, birgt aber auch Gefahren“, sagt er. Es gebe immer einen Rückstau, während der Verkehr in einem Kreisel fließt. Letztendlich sei ein Kreisverkehr auch für die Umwelt von Vorteil, würden doch weniger Abgase in die Luft geblasen. Eine moderne und zukunftsgerichtete Lösung könne nur in einem Kreisel bestehen, pflichtet ihm Bernhard Etzelmüller bei. Bürgermeister Thomas Reichert spricht sich nicht grundsätzlich gegen einen Kreisverkehr aus, verweist aber auf die Zuständigkeiten.

„Grundsätzlich werden Kreuzungsumbauten mit den Gemeinden abgestimmt“, informiert Johanna Klein, macht aber auch deutlich: „Seitens des Bauamts bleibt jedoch jederzeit der Anspruch bestehen, sowohl die verkehrssicherste als auch die wirtschaftlichste Lösung zu realisieren.“ Weil es sich um die „Änderung einer bestehenden Kreuzung“ gemäß Bayerischem Straßen- und Wegegesetz handelt, sei eine Kostenbeteiligung der Gemeinde vorgesehen. Bürgermeister Reichert geht bei einer Kreisel-Lösung von rund 800.000 Euro Kosten aus, die auf Marktsteft zukommen. Bei einer Ampelanlage wären es rund 100.000 Euro. Letztere könne man intelligent steuern, während des Berufsverkehrs beispielsweise längere Grünphasen auf der Staatsstraße zulassen. Ein Kreisverkehr löse die Verkehrsprobleme nach seiner Überzeugung an dieser Stelle nicht gänzlich. Biegt ein Lkw beispielsweise in die Zufahrtsstraße zur Norma ein und kommt ihm dort ein Fahrzeug entgegen, könne es passieren, dass der Anhänger den Verkehr im Kreisel blockiere. Und jetzt? Wie geht die Posse um den Kreisel/Ampelanlage an der Marktstefter Kreuzung weiter? „Bisher konnte noch keine abschließende Einigung erzielt werden“, schreibt Johanna Klein aus dem Staatlichen Bauamt. „Aufgrund dessen kann eine Realisierung bisher nicht terminiert werden.“

Petition für den Kreisverkehr ist online: Rund 350 Personen haben bislang unterschrieben

Bürgermeister Thomas Reichert macht im Gespräch mit dieser Zeitung nicht viel Hoffnung, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändert. Eine Mehrheit für eine Ampelanlage sieht er im Marktstefter Stadtrat derzeit nicht, es mache auch keinen Sinn, Druck aufzubauen. „Die Zeit und die Vernunft müssen für diese Lösung arbeiten“, meint er. Petra Hartmann will trotz dieses frustrierenden Sachstandes ihre Petition online lassen. Rund 350 Menschen haben bislang unterschrieben. Ihr Wunsch sind mindestens 2000 Unterschriften. Vielleicht, so ihre Hoffnung, kommt dann doch noch einmal Bewegung in die Marktstefter Kreuzungsfrage. Eine Ampelanlage an der Kreuzung würde für sie einen Rückschritt bedeuten. „Ein Kreisverkehr ist sicherer, umweltfreundlicher und nachhaltiger als eine Ampelanlage“, argumentiert sie und will nicht recht verstehen, warum überall im Land Kreisverkehre entstehen, weil sie sich bewährt haben – bloß nicht in Marktsteft.

Wer die Petition unterschreiben will, kann dies über folgenden Link: https://www.openpetition.de/petition/unterzeichner/wir-fordern-einen-kreisverkehr-an-der-st2271-bei-marktsteft