Zum Artikel "Stadtrat schließt Städtisches Museum" vom 27. Juni erreichte die Redaktion folgende Zuschrift.

Die große Mehrheit des Stadtrats hat beschlossen, das Kitzingen Museum für immer zu schließen und abzuwickeln. Was bedeutet "abwickeln"? Alle Exponate kommen raus – zurück an die Leihgeber, an andere Museen verliehen oder verkauft oder anderweitig verscherbelt.

Die Fraktionen der SPD, der Grünen und der AFD-Mann haben dagegen gestimmt. Alle anderen waren für die endgültige Schließung. Das Kitzingen Museum war eines der ältesten in ganz Franken. Es beherbergte einzigartige Ausstellungstücke, die die interessante und abwechslungsreiche Geschichte unserer Stadt dokumentierte und vorstellte. Über die Jahrhunderte wirkten große Persönlichkeiten in Kitzingen. Es wurden in Kitzingen weitreichende Erfindungen gemacht.

Aber es ging nicht nur um die Stadtgeschichte. Nein – darüber hinaus strahlte das Museum in den gesamten Landkreis hinein. Insbesondere die Archäologie-Abteilung ist hier erwähnenswert. Eine Multimedia-Installation wurde erst fertiggestellt: Ein großes Bodenrelief des Landkreises als Projektions-Fläche, die die Situationen des Kitzinger Landes von der Steinzeit bis zum Spätmittelalter großartig in Bild und Ton erklärt. Die meisten dargestellten, im Landkreis Kitzingen geborgenen Fundstücke, konnte man sich auch in Realität gleich daneben anschauen.

Wussten Sie, dass der Landkreis Kitzingen DIE Region Bayerns ist, in der die meisten frühgeschichtlichen Funde (zum Beispiel Ansiedlungen) gemacht wurden? 2018 wurde die Leiterin, Frau Falkenstein, von der Stadt beauftragt, ein neues Museums-Konzept zu erstellen.

Dieser Auftrag auch war sinnvoll, denn eine Neu-Strukturierung (zum Beispiel eine themenbezogene Raumaufteilung) und vor allem multimediale Zusatz-Infos und einige Bespielbarkeiten, hätten mehr Besucher ins Museum gelockt. Großes Augenmerk war hier auch auf die Kinder und Jugendlichen gerichtet. Diesen Auftrag hat die Leiterin erfüllt, mit großem Engagement und Leidenschaft. Sie erstellte ein visualisiertes, dreistufiges, didaktisch und kreativ durchdachtes Konzept.

Leider durfte die Leiterin ihr Konzept nur einem kleinen Kreis präsentieren. Viele der Bestimmer haben das nicht mitbekommen, schon gar nicht die Kitzinger Bevölkerung. Was bleibt jetzt? Es gibt noch das Stadtarchiv. Da sind die wichtigen Schriftstücke (Dokumente, Briefe, Bücher, etc.) aufgehoben. Dann noch die Häckerchronik, die alle zwei oder drei Jahre aufgeführt wird. Und das war's dann zur Geschichte Kitzingens. "Die Schulklassen sollen halt in Zukunft nach Würzburg fahren, wenn sie was über unsere Geschichte lernen sollen." Ein Spruch von einem der Museumsgegner – was für eine Geisteshaltung!

Unsere Stadt, die Große Kreisstadt, die Hauptstadt des Landkreises, hat es sich geleistet, das Museum aufzugeben. Wahrscheinlich ist das der Mehrheit der 23 000 Einwohner egal. Ich meine aber, dass die Abwicklung des Museums auch dem Ruf unserer Stadt Schaden zufügt.

Die Stadt muss in Zukunft mit dem Umgang des Wortes "Kultur" sehr vorsichtig sein, insbesondere was die Eigenwerbung angeht. Kitzingen wird heuer übrigens 1275 Jahre alt.

Bernhard Ziegler
97318 Kitzingen