Die Daten sprechen für sich. Und vor allem für den Landkreis Kitzingen. Die Prognos AG erstellt alle drei Jahre einen Zukunftsatlas für alle Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland. Der Landkreis Kitzingen zählt zu den Gewinnern. Es geht kontinuierlich aufwärts.

402 Landkreise und kreisfreie Städte werden unter die Lupe genommen. Daten der Agentur für Arbeit, des Statistischen Bundesamtes, des Patentamtes und vieler weiterer Behörden werden ausgewertet. 2004 landete der Landkreis Kitzingen noch auf Rang 204. Gesichertes Mittelfeld. Nicht mehr. Drei Jahre später stieg der Kreis schon auf Rang 154, noch drei Jahre später war es Platz 109. Und jetzt, im Jahr 2013, rangiert der Landkreis Kitzingen unter den besten 100. Rang 98.

Die Gründe für die positive Entwicklung kennt Tobias Koch, Seniorprojektleiter der Prognos AG.
"Im Landkreis Kitzingen ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften deutlich zurückgegangen", sagt er. "Und die Arbeitslosigkeit ist konstant auf niedrigem Niveau."

Tatsächlich hatte der Kreis noch im Jahr 2006 durchschnittlich 1768 Bedarfsgemeinschaften pro Monat nach dem Sozialgesetzbuch II. zu versorgen. 2008 sank die Zahl auf 1461. Im Oktober 2012 waren es 1182. Damit muss der Landkreis im Vergleich zum Jahr 2006 rund zwei Millionen Euro weniger in diesem Bereich ausgeben. Und die aktuelle Arbeitslosenquote von 3,0 Prozent bedeutet de facto Vollbeschäftigung.

In sechs Themenbereiche hat die Prognos AG ihre Studie aufgeteilt. Besonders auffallend die positiven Werte bei "Dynamik" und "Wohlstand". Auf Rang 47 beziehungsweise 51 liegt der Landkreis Kitzingen. Tobias Koch macht ein großes Wirtschaftswachstum dafür verantwortlich. "Die Beschäftigungsentwicklung im Kreis Kitzingen liegt über dem bundesweiten Durchschnitt", erklärt er. Eine Zunahme von sieben Prozent in den letzten zwei Jahren haben die Forscher ermittelt. Bundesweit liegt der Schnitt bei vier Prozent.

Positiv wirkt sich auch die Nähe zu den Städten Würzburg und Schweinfurt aus, die im Ranking ebenfalls unter den besten 100 rangieren. "Die ganze Region Mainfranken hat ihre Zukunftschancen unter Beweis gestellt", urteilt Koch.

Also alles bestens im Landkreis Kitzingen und in der Region? Radu Ferendino, Pressesprecher der IHK Würzburg/Schweinfurt, spricht von einer Erfolgsgeschichte und von der richtigen Richtung, die eingeschlagen worden ist. Er warnt aber auch vor Themenbereichen, die beizeiten angegangen und gelöst werden müssen. Nicht nur die klassische Verkehrsinfrastruktur bleibe verbesserungsbedürftig (Stichwort: durchgehender Ausbau der Autobahn A 3). Es gehe auch um die Lösung von Fragen der Energie oder der Bildungsinfrastruktur sowie um den digitalen Netzausbau. "Wie gelingt uns eine Energiewende mit stabilen Netzen und Versorgungssicherheit? Wie qualifizieren wir die Jugend stärker angesichts der Auswirkungen des demografischen Wandels? (Hier liegt der Landkreis nur auf Rang 345) Wie sichern wir eine funktionierende Nahversorgung im ländlicheren Raum?" Fragen, für die nicht nur die IHK Lösungen sucht.

Das Landratsamt Kitzingen hat vor kurzem zu einer Regionalkonferenz eingeladen. Unter dem Motto "Lust aufs Land wecken" wurde ein Ausblick auf die wichtigsten künftigen Themen im Kitzinger Land gegeben. Ganz vorne: die demografische Entwicklung. Dem Landkreis Kitzingen wird eine leicht rückläufige Bevölkerungszahl prognostiziert. "Wir brauchen deshalb hochwertige und attraktive Arbeitsplätze", fordert Landrätin Tamara Bischof und LEADER-Manager Wolfgang Fuchs wünscht sich von der Politik eine aktive Strategie, um Lust aufs Land zu machen. Regionalmanagerin Maja Schmidt betont, dass sich die meisten Kreise und Kommunen darauf einstellen müssen, mit einem Bevölkerungsrückgang zurecht zu kommen. Konkrete Maßnahmen sollen nach und nach erarbeitet werden, um dann in einem regionalen Entwicklungskonzept zu münden. Über eine entsprechende Förderung des Konzeptes wird voraussichtlich Ende 2014 beschieden.

1,4 Millionen Euro sind in der zu Ende gehenden LEADER-Phase in den Landkreis Kitzingen geflossen. "Die Region ist durch den gesamten Prozess enger zusammengerückt", betont Bischof. Und die Weichen für eine prosperierende Zukunft sind gestellt. Nicht überall ist das gelungen.

Zu den Verlierern im bundesweiten Vergleich zählen vor allem die Kreise und Städte im Ruhrgebiet. "Viele alte Kohlestädte gehören mittlerweile nur noch zum schwächsten Viertel der deutschen Landkreise, also zu den Regionen mit den größten Zukunftsrisiken", heißt es in der Studie. Unter denjenigen Landkreisen, die in den letzten zehn Jahren im Ranking die größten Sprünge nach vorne gemacht haben, befinden sich auffällig viele Flächenkreise ohne Großstadt. "Eher ländlich strukturiert zu sein, bedeutet nicht automatisch, dass man rückständig, trostlos und ohne Zukunft ist", sagt Peter Kaiser von der Prognos AG. Gute Aussichten für den Landkreis Kitzingen.