Hermann Schmitt verstand die Welt nicht mehr, Thomas Braun schaute traurig in die Runde und bei Melanie Dietrich flossen die Tränen. Für die Fränkische Weinkönigin hat es nicht bis ins Finale gereicht. Dabei hatte der Tag in Neustadt an der Weinstraße so fröhlich begonnen.

Kurz nach 15 Uhr stiegen 60 erwartungsfrohe Franken aus dem Bus mit dem Konterfei der Fränkischen Weinkönigin. Die Fans hatten sich neben der Beschriftung des Fanbusses noch einiges mehr zur Unterstützung ausgedacht: Sie schwenkten Frankenfahnen mit dem Bild Melanies und ihre Korbball-Kolleginnen hatten ein überdimensionales Plakat mit Weinglas, Krone und dem Schriftzug "Melli" angefertigt. Auf den Stufen vor dem Saalbau stimmten die Gruppe das Frankenlied an und zeigte sich zuversichtlich. "Wenn alles gut läuft, müsste es unter die ersten sechs reichen", meinte Patentante Anita Kraus. Vier Stunden später zeigte sich: Es hat nicht gereicht.

Volle Konzentration vor dem Auftritt

Melanie hatte sich direkt vor der Vorentscheidung, in der die besten sechs aus den insgesamt 13 deutschen Anbaugebieten ins Finale gewählt werden, rar gemacht. Sie wollte sich ganz auf ihren Auftritt konzentrieren. Das Los hatte im Vorfeld bestimmt, dass sie als zehnte auf die Bühne musste. Doch der Auftritt verzögerte sich. Die Aufzeichnung des Südwest-Fernsehens dauerte länger als gedacht, eine kaputte Kamera sorgte für einen weiteren Aufschub. Nervös hat sie das einsame Warten hinter der Bühne nicht gemacht. "Ich hatte ein gutes Gefühl und konnte mich voll und ganz auf meinen Auftritt konzentrieren." Als sie endlich an die Reihe kam, lief alles wie geplant.

Moderator Holger Wienpahl befragte sie zu ihrem Physikstudium und ihrem Hobby, dem Korbballspielen. Strahlend und selbstsicher antwortete die 21-Jährige. "Es ging gut los, ich war gar nicht nervös", erinnerte sie sich später. Auch die Fachfragen - welche Auswirkung hat das Weinglas auf den Weingenuss? Welche Auswirkung hat der Reifegrad der Trauben auf die Qualität? - meisterte sie.

Bei der dritten Frage - Melanie musste auf Englisch die Vorzüge des Grauburgunders erklären - geriet die Antwort ein wenig lang, wie auch der Vorsitzende des Fahrer Weinbauvereins, Thomas Braun, meinte. Und Melanie gestand später ein: "In dem Moment bin ich schon ein wenig nervös geworden." Dennoch: Ihr Auftritt hat die Fans aus ihrem Heimatort Fahr überzeugt. "Sie hat das insgesamt super gemacht", lobte Thomas Braun in der kurzen Pause, in der die Stimmen der 70 Juroren ausgezählt wurden. "Ich sehe sie unter den ersten Vier", verkündete der Geschäftsführer des Fränkischen Weinbauverbandes, Hermann Schmitt, voller Euphorie. Braun war da schon vorsichtiger: "Die Konkurrenz war auch nicht schlecht. Es wird eng."

Hohes Niveau

Tatsächlich überzeugten beinahe alle Kandidatinnen aus den 13 deutschen Weinanbaugebieten. "Das Feld rückt immer näher zusammen", kommentierte die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstitutes, Monika Reule. Für Melanie Dietrich war nach der Auszählung der Stimmen kein Platz mehr frei im Feld der sechs Finalisten, die sich am kommenden Samstag an gleicher Stelle um das Amt der Deutschen Weinkönigin bewerben.

"Ich bin erleichtert, dass es vorbei ist, es hat nicht sollen sein", kommentierte sie die Entscheidung direkt nach der Bekanntgabe, noch auf der Bühne. "Es hat trotzdem Spaß gemacht." Ein halbe Stunde später und nach vielen Umarmungen und kurzen Gesprächen mit ihrer Familie und Freunden gestand sie: "Ich bin schon enttäuscht, vor allem, wenn mir alle bestätigen, dass ich meinen Auftritt gut gemacht habe."

All zu lange wird die Enttäuschung nicht währen. Bis zum 12. März 2013 ist sie noch bei dutzenden Auftritten als Fränkische Weinkönigin gefordert und nach Neustadt an der Weinstraße wird sie schon am kommenden Samstag zurückkehren: Zwar nicht auf die Bühne, aber bei der Wahl der neuen deutschen Weinkönigin wird sie dennoch ein Wörtchen mitreden. Dann als Mitglied der Jury.