Simone Raff und Judith Rumpel sind glücklich und zufrieden. Fast wie ein Sechser im Lotto wirkt sich ihre mutige und risikoreiche Entscheidung in Sachen Beruf auf ihr Leben aus. Die Frauen haben vor wenigen Monaten ihre eigene Existenz gegründet und positionierten sich damit als "Selbstständige" auf dem Arbeitsmarkt. "Als Angestellte habe ich 30 Stunden in der Woche gearbeitet und war fix und fertig. Nun arbeite ich viel, viel mehr, aber mir fehlt überhaupt nichts", sagt Simone Raff (31), die im April ihr Kosmetikinstitut in Ebern eröffnet hat.

Statt Englisch und Sport

Auch Judith Rumpel kann ein Lied von Stress und Anstrengung singen. Die 28-Jährige ist Sport-und Bewegungstherapeutin, und kümmert sich hauptsächlich um den Rücken ihrer Patienten. Bei ihr gibt es Personal Training, Rückenfit-Kurse, betriebliche Gesundheitsförderung und auch Massagen. Mit dem Ziel, Englisch- und Sportlehrerin zu werden, schrieb sich Judith Rumpel vor mehreren Jahren an der Universität in Erlangen ein. Doch sie hat gemerkt: "Ich will mehr." Sie absolvierte neben dem Bachelorstudium deutschlandweit Fortbildungen im Gesundheits- und Rehabereich, ließ sich zur Ernährungsberaterin ausbilden und lernt gerade noch für die Prüfung zur Heilpraktikerin.

Jetzt ist sie ihre eigene Chefin und der Weg dahin war nicht ganz einfach. Genauso wie Simone Raff klopfte auch sie bei Michael Brehm, dem Wirtschaftsförderer des Landkreies Haßberge, an der Tür und bat um Beratung. Lernen selbstständig zu seinBeide Frauen saßen in einem dreitägigen Existenzgründerseminar. "Da werden wirklich alle Fragen zur Selbstständigkeit beantwortet. Vom Marketing über Versicherungen bis hin zum Privaten", kann sich Simone Raff erinnern. Ein Pflichtprogramm für alle, die beruflich auf eigenen Beinen stehen wollen. Auch das Geld kam auf den Tisch. Denn dieses Thema kann schon zu "schlaflosen Nächten" führen, meint Judith Rumpel.Die KfW-Bankengruppe hilft Existenzgründern bei den Finanzen. Um da an Geld für das Geschäft zu kommen, musste die Kosmetikerin Simone Raff einen schriftlichen Businessplan vorlegen: "Das war die größte Herausforderung."

Der Gründercoach Albrecht Groß hat ihr dabei umfassende Beratung geboten und im Nu war ihr 30-seitiges Geschäftskonzept inklusive Finanzierungsplan fertig. "Ich sehe da überhaupt keine Probleme", war die Reaktion des Bankberaters. Den Kredit für ihren Traum hatte sie schnell in der Tasche und konnte durchstarten.

Gesicht, Hände und Füße

Wenige Monate nach Geschäftseröffnung läuft bei Simone Raff und Judith Rumpel fast alles nach Plan. "Die Selbstständigkeit ist ein laufender Prozess, der sich ständig weiter entwickelt. Mal geht da ein Türchen auf, mal geht da ein Türchen zu", kann Judith Rumpel nach so mancher Erfahrung sagen.

Seit Frühjahr 2013 ist sie als selbstständige Therapeutin unterwegs und hat sich immer irgendwo eingemietet. Im August dieses Jahres konnte sie in Haßfurt ihre eigenen vier Wände einweihen. Im Familiengarten wurden 13 Bäume gefällt und eine 100 Quadratmeter große Praxis gebaut: "Das ist so viel einfacher. Man sieht mich jetzt, man weiß wo ich bin."

60 bis 70 Stunden pro Woche könnten die Frauen aus Ebern und Haßfurt sicherlich arbeiten, würden sie die ganze Selbstständigkeit alleine stemmen. Aber sie wissen: "Man kann nicht alles machen, das funktioniert gar nicht!" In Sachen Buchhaltung und Marketing lassen sie andere arbeiten. "Ich wollte von vorneherein professionell sein. Dass ich die Buchhaltung jemand anderen machen lasse, habe ich deshalb eingeplant."

Simone Raff konzentriert sich lieber auf das Gesicht, die Hände und Füße ihrer Kunden: "Es gibt aber keine Kuschelbehandlungen bei mir. Ich will den Kunden sichtbare Ergebnisse auf der Haut in kurzer Zeit zeigen." Der Mut von Simone Raff und Judith Rumpel steht nicht jedem und vor allem nicht zu jeder Zeit. "Der Gründerwind weht im Moment sehr lau. Denn der Wirtschaft geht es derzeit sehr gut", bestätigt Wirtschaftsförderer Michael Brehm, der die Existenzgründer im Landkreis Haßberge betreut. Besser als die Selbstständigkeit in Vollzeit läuft im Moment die Existenzgründung als Nebenerwerb. Vor allem bei Frauen. "Das ist ein großes Thema. Viele haben einen Beruf, aber sie machen aus Freude heraus mit dem Hobby einen Ebay-Shop auf, beispielsweise." Regelmäßig bietet die Wirtschaftsförderung dazu die passenden Vorträge und die gewisse Portion an Motivation.

Starker Mann hinter der Frau

Um als Chefin erfolgreich zu sein, brauchen auch Frauen einen starken Partner an der Seite. Neben Steuer- und Bankberater ist dabei eines noch viel wichtiger: Die Familie. "Man braucht jemanden, der hinter einem steht und das Ganze unterstützt. Ohne meinen Mann wäre das alles nicht gegangen", sagt Judith Rumpel. Simone Raff hat bereits zwei Kinder: "Die haben bei der Geschäftsgründung eine große Rolle gespielt. Sie sind froh, dass die Mama jetzt vor Ort arbeitet und einfach viel mehr Zeit für sie hat." Durchhaltevermögen, Flexibilität und immer das Ziel vor Augen - dies waren und sind weitere Wegbegleiter von Simone Raff aus Ebern und Judith Rumpel aus Haßfurt auf dem Weg zum Erfolg und zu schwarzen Zahlen.