Er verliebte sich quasi. Vor allem in die alte Bausubstanz des Gasthofes "Zum grünen Baum", mit der ihn sein Freund in das Dorf gelockt hatte.

Noch am Tag der Besichtigung handelte der heute 55-Jährige einen Kaufvertrag aus. Schon im September 2008 machte sich Helmut Pfaffenberger an die Arbeit. Denn sein neues Eigentum, direkt am schmucken Dorfplatz gelegen, war renovierungsbedürftig.

Was ihn zu dieser Tat gereizt hat? "Es ist ein Faible von mir, alte Häuser zu kaufen und diese dann zu renovieren", gesteht der vielseitig talentierte Mann. Der "Grüne Baum" ist nicht das erste Haus, das Helmut Pfaffenberger in Fleißarbeit hergerichtet hat. "In der Nähe von Bamberg habe ich davor Jahre an einem Schlösschen gebaut." Dieses hat Türmla und eine Schlossmauer. Im Sommer wartet die Erfrischung im Pool. "Da ich mich nicht zerteilen kann, lebt meine Sohn jetzt in diesem Haus."

Interessierte Besucher

Ob er denn ahnte, was er da kaufte, wollten die Besucher von Helmut Pfaffenberger wissen, die am gestrigen "Tag des offenen Denkmals" hinter seine alten Mauern schauten. "Ich hatte ja schon jahrelang ein Haus saniert. Aber dieses hier war mit Schutt belagert. Alles war mit Sachen aus den 60er, 70er Jahren ausgestattet", erinnert sich der Gastronom. "Die ersten Monate haben wir nur ausgemistet und waren mit der Kernsanierung beschäftigt."

Das Haus gehörte früher zu den ältesten und einflussreichsten Anwesen im Dorfes. Dazu gehörten Brauerei, Gastwirtschaft, Schnapsbrennerei und auch eine Bäckerei. Zum Anwesen zählte beachtlicher Waldbesitz und Landwirtschaft. Hausherr um 1800 war Adam Kaupert. In das Eigentum der Familie Andres fiel das Anwesen im Jahr 1869, als die Enkelin von Kaupert den Bäckermeister Friedrich Andres aus Pettstadt heiratete. 1882 war er mit Abstand der höchst besteuerte Bürger Jesserndorfs.

Aus Back- wurde Pizzaofen

Ein herzförmiges Brezelwappen erinnert an die Zeit, als die Bäckerei mitten im Dorf noch aktiv war. Als Nebenerwerb wurde bis ins 20. Jahrhundert in dem Anwesen das Bäckerhandwerk ausgeübt. Heute noch steht in der damaligen Backstuben der original Steinofen. "Bei uns gibt es hausgemachte Pizza. Auch zwei Spanferkeln passen da rein. Damit kann ich an die hundert Leute satt machen", informiert Pfaffenberger seine neugierigen Besucher. Im Musikantenstadl gibt es ausreichend Platz für große Feiern.

Wo früher die Ackerwägen standen und die Schweine hausten, spielt heute die Musik und die Menschen treffen sich in geselliger Runde. Kühles Bier und eine Brotzeit kann der Gast auch im Jagdzimmer und in der historischen Gaststätte genießen: "Die Gaststätte habe ich so gelassen wie sie ist. Sauber gemacht und etwas aufgepeppt. Da ist die Geschichte geblieben."

Noch heute dudeln aus dem Röhrenradio der Firm Graetz die heimatlichen Volkslieder.

1807 wurde das Anwesen "Zum grünen Baum" erbaut. "Ein riesiger Aufwand zur damaligen Zeit", merken die Besucher beim Rundgang an. Denn ein Malzkeller, ein Eiskeller, ein altes Brauhaus und ein Tanzboden zählt Helmut Pfaffenberger zu seinem Eigentum.

Auch wenn er dem ganzen Haus schon einen Vollwärmeschutz von innen verpasst, eine Hackschnitzelheizung eingebaut und damit die Heizleistungen um 60 Prozent verringert hat und insgesamt 1050 Quadratmeter Fläche wieder zum Leben erweckt hat, ist Pfaffenberger mit den Renovierungsarbeiten noch lange nicht am Ende. "Der Eiskeller wird noch zu einem Rittersaal umgestaltet. Da gibt es auch eine Musikbühne und einen schönen Eingang aus Glas. Die Deckenhöhe beträgt 4,5 Meter."

Der Mann, der nebenbei als Hobbykoch tätig ist, benötigte für seine Umgestaltungsarbeiten keinen Architekten. "Ich entwerfe das meinen Erfahrungen und bestem Gewissen nach", sagt der Hausherr.

Auch wenn ihm die Richtlinien des Denkmalschutzes so manche Grenzen setzen, wirkt alles rustikal und passend. Das mit viel Liebe und unzählbaren Stunden an Eigenleistung aus dem Dornröschenschlaf erweckte Anwesen wurde sogar mit einem Förderpreis prämiert.

Im Jahr 2012 erhielt Helmut Pfaffenberger für seine Tätigkeiten den Förderpreis der Kulturstiftung des Bezirk Unterfranken zur Erhaltung historischer Bausubstanz. Der Wirt fühlt sich wohl in seinem Anwesen. Die unendliche Arbeit macht ihm nichts aus. Daran hat er sich gewöhnt. "Ich muss nicht in den Urlaub fahren. Das ist doch so schön hier", lobt der Hausherr das Ambiente und die Umgebung. Er hat geschafft, die Erinnerungen an die Vergangenheit des Hauses zu erhalten und es dabei trotzdem in Sachen Technik und Energie auf den neuesten Stand zu bringen.