Einen klassischen Fehlstart haben die Bürgerinitiative "Sand bleibt" und die Gemeinde Sand hingelegt - bei der von der BI veranlassten Informationsveranstaltung am Dienstag im Siedlerheim wurden jedoch die Missverständnisse geklärt und ein "Neustart" initiiert. "Die BI setzt sich ausschließlich gegen eine weitere Sand- und Kiesausbeute ein und möchte damit den Bürgermeister und den Gemeinerat unterstützen", betonte BI-Sprecher Mark Werner. "Der Gemeinderat ist eindeutig gegen weitere Ausbeute", erklärte Gerhard Zösch als amtierender Bürgermeister und Heinrich Schmitt stellte fest: "Unsere Flur zu erhalten und nicht noch mehr gutes Ackerland zu opfern, muss Ziel der gesamten Bevölkerung sein". Beiden war ganz offenbar daran gelegen, deutlich zu machen, dass es in der Sache zwischen BI und Gemeinde keine Unstimmigkeiten gebe.


BI will Gemeinderat unterstützen

Die Bürgerinitiative hatte sich vor einigen Wochen gebildet, weil bekannt wurde, dass die Firma SKD den derzeit laufenden Sand- und Kiesabbau östlich der Zeiler Straße erweitern möchte und dazu den Weg über das Bergamt wählt. Darin sehen Mark Werner und seine Mitstreiter die Gefahr, dass der Gemeinderat weniger Einfluss hat als bei einem Verfahren über die Regierung von Unterfranken. "Und deshalb wollen wir den Gemeinderat unterstützen mit Mitteln, die eine Gemeinde als Behörde nicht hat", so Werner.

Damit meint er Unterschriftensammlungen oder auch Protestveranstaltungen. "Wir können Stimmung machen und damit die ablehnende Haltung des Gemeinderats unterstützen. Außerdem wünschen wir uns einen symbolischen neuen Beschluss unseres Gemeinderates", so Werner. Auch für diesen Beschluss sammelt er Unterschriften.

Leider sei im Vorfeld in der Kommunikation einiges schief gelaufen, so Werner, was inzwischen in persönlichen Gesprächen ausgeräumt werden konnte. Zweiter Bürgermeister Gerhard Zösch hatte das Protokoll vom sogenannten Scoping-Termin im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung zur geplanten Ausbeute-Erweiterung dabei. Daraus ist zu entnehmen, dass Bürgermeister Bernhard Ruß verschiedenen Behörden mitteilte, dass das Vorhaben in Sand mehrheitlich kritisch gesehen wird und der Gemeinderat dem Vorhaben sicher nicht mehrheitlich zustimmen werde.


Zösch vermittelt

Zösch hätte sich gewünscht, früher in die Planungen der BI eingebunden zu werden. So hätten sich Fronten aufgebaut, die nun wieder beseitigt werden müssten. Was Bürgerinitiativen auf breiter Basis erreichen können, das habe der erfolgreiche Kampf der Sander gegen die in den 80er-Jahren geplante Schweinemastanlage gezeigt.

Eine Reihe von Problemen sehen Mark Werner und seine Mitstreiter in der geplanten Erweiterung, die die Wasserfläche bis auf 200 Meter an die Zeiler Straße heranführen würde. Die Sander Siedlung Wörth wäre damit von Wasserflächen umgeben "da bleibt kaum noch Flur", weder für die Landwirtschaft, noch für die Naherholung.
Dazu komme, dass im Umgriff von 25 Metern um solche Baggerseen die Böden austrocknen. Hier gehe Lebensraum verloren, schließlich dürfe man auch die Bedeutung der guten Maintalböden für die regionale Lebensmittelversorgung nicht außer Acht lassen, so Werner.

Das größte Augenmerk richtet die BI aber auf die Konsequenzen für die Hochwasserlage. Schon durch die bisherigen Sand- und Kiesausbeuten und vor allem deren Anbindung an den Main hätten sich die Verhältnisse geändert, seit Jahrzehnten hochwasserfreie Acker seien in den vergangenen Jahren überflutet und großflächig abgeschwemmt worden, berichteten Betroffene.


Bisher Hochwasser-Barriere

Das geplante neue Abbaugebiet ist eine relativ hoch gelegene Fläche in der Flur, die bisher dafür sorgt, dass das Hochwasser um die Wörth-Siedlung herum in den Altmain und den alten Baggersee geleitet würde. Zwar müsse das Unternehmen Dämme schütten, um die Siedlung zu schützen, doch wie schwer es ist, mit Dämmen den gewünschten Effekt zu erzielen, erläuterte Jörg Kümmel aus eigener Erfahrung.

Zudem sind die Abbaukanten heutiger Baggerseen viel gefährlicher als früher, als Bagger vom Rand her eingriffen und dabei die Ufer verdichteten. Heute baggert das Schiff in der Mitte, die Ränder rutschen nach, was schon tödliche Unfälle verursacht hat. Gerade für Kinder und Jugendliche übten die Wasserflächen eine große Anziehungskraft aus, so Mark Werner. Einzäunen dürfe man aber im Hochwasserabflussbereich des Maines nicht.
Die Hauseigentümer im Wörth fürchten einen massiven Wertverlust ihrer Häuser, wenn diese zwischen Gewerbegebiet und Wasserflächen eingeklemmt sind, außerdem "kann ich mir keine Elementarschadensversicherung für 1000 Euro leisten", so Rudolf Rippstein. "Überall wird der Hochwasserschutz hochgeschraubt, da kann er doch bei uns nicht reduziert werden", ergänzte er und forderte: "die Gemeinde muss den Landwirten den Rücken stärken, damit diese nicht verkaufen".


"Lasst Euch nichts ins Bockshorn jagen"

Das Eigentum ist nämlich die stärkste Waffe gegen die Abbau-Erweiterung. "Lasst Euch von Andeutungen, das Bergamt könne enteignen, nicht ins Bockshorn jagen", so Mark Werner. Grundsätzlich bestehe diese Möglichkeit zwar, aber "davon sind wir weit entfernt" zum einen wegen des frühen Stadiums des Verfahrens, zum anderen, weil es sich in Sand nicht um so hochwertige Sande handelt, dass ein solches Verfahren denkbar scheint. Er appellierte wie Zösch an alle Landwirte und Grundeigentümer, nicht zu verkaufen, auch außerhalb des Abbaugebietes, denn schließlich benötige die Firma auch Ausgleichsflächen für ihren Eingriff.

Einige Interessierte nutzten die Gelegenheit, bei einem Spaziergang die Situation in der Flur kennen zu lernen. Alle Teilnehmer waren froh, dass Missverständnisse bereinigt werden konnten und nun eindeutig klar gestellt wurde, dass BI und Gemeinderat gemeinsam das gleiche Ziel verfolgen.