So richtig zählt er sich nicht mehr zur "Handy-Generation", aber ein Problem brennt Ernst Morgenroth, mit über 70 Jahren noch rühriger Gastwirt im Dorf, doch auf den Nägeln: "Wie is des jetzt mit dem Funkmast bei Schönbach?", fragte er in die Gemeinderatsrunde, die sich vergangene Woche zur Nachsitzung anlässlich des Bürgermeister-Geburtstages in seinen Räumlichkeiten versammelt hatte.

Morgenroth meinte damit einen nicht mehr benutzten Funkmast, der einstmals aufgestellt worden war, damit die Neubrünner das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) empfangen konnten. Ein Tal der "Ahnnungslosen". Morgenroth schob mit seinem Rückblick an die Anfänge des ZDF vor 50 Jahren eine aktuelle und neue Runde der Stammtischpolitik an, da das Thema Funkverbindungen mehrfach schon am Ratstisch diskutiert worden war.

Akkus schnell "ausgesaugt"

Wegen seiner topografischen
(Tal-)Lage stecken weite Teile der Ortschaft in einem Funkloch. Kein Empfang und schnell geleerte Akkus, weil das Handy ständig nach einem Sendemasten und Anschluss "sucht".

Das Problem ist bekannt, allerdings sah Bürgermeister Jochen Steppert (CSU) bisher kaum Handlungsbedarf, zumal die Zuständigkeit auch nicht bei der Gemeinde, sondern den diversen Netzbetreibern liegt. Steppert: "Ich höre immer wieder von Leuten, dass sie es eher als angenehm empfunden wird, wenn sie nicht ständig erreichbar sind." Außerdem sei in den Höhenlagen von Neubrunn sehr wohl ein Empfang möglich. Auch Eva-Maria Schmitt (Junge Liste) fand es positiv, wenn man nicht ständig vernetzt ist.

Nicht so Heinz Stretz (CSU). Er verwies auf eindeutige Wettbewerbsnachteile, zumal seine Firma mittlerweile Geräte für Traktoren verkaufe, die ohne die moderne Technik gar nicht mehr arbeiten. Satellitengesteuerte Parallel-Fahrsysteme heißen diese Wunderwerke der Technik, die GPS-Daten empfangen, wodurch beim Sähen oder Spritzen eine Genauigkeit von 15 bis 20 Zentimeter erreicht wird. Die Präzision von einem bis zwei Zentimetern wird sogar möglich, wenn über ein Handy noch ein zweites (RTK-)Signal eingespeist wird. Juniorchef Peter Stretz: "Die Landwirte sind davon begeistert, aber wir können es hier am Ort gar nicht vorführen." So vertraut er auf Erfahrungsberichte eines Landwirtes aus dem Maintal oder nimmt schon mal an einem Testlauf bei einem Kunden in Maroldsweisach teil. Es gibt sogar Module mit Lenkautomaten, die den Traktor dann per Computer automatisch über die Felder steuern.

Das Problem des unzureichenden Empfangs kennt auch Landwirt Markus Leyh aus Losbergsgereuth. "Wir arbeiten mit einer Arbeitsbreite von 27 Meter und die Spritzen lassen sich alle drei Meter schalten, da ist es optimal, wenn das System von sich aus erkennt, wo schon gespritzt wurde. Dann gibt es so gut wie keine Überlappungen." Bei sich am Hof in Losbergsgereuth hat er aber so gut wie keinen Empfang, obwohl das Dorf auf dem Berg liegt, bedauert der Landwirt, der stets auf modernste Technik setzt.

Auch Busunternehmer sieht Nachteile

Unterstützung findet Heinz Stretz in der Gemeinderatsrunde auch bei Bernhard Hümmer (CSU). Auch der Busunternehmer beklagt Probleme durch die Funklöcher in den "Heiligen Ländern". Auch andere Geschäftsleute aus Neubrunn haben sich schon hilfesuchend an unsere Redaktion gewandt, wonach "da endlich etwas passieren" müsse.

Heinz Stretz erinnert sich an den Plan, einen Funkmast der Telekom bei Köslau zu errichten. Dies sei aber an den Protesten einer Bürgerinitiative gescheitert. Also könnte doch der Mast bei Schönbach helfen. "Der hat meines Wissens derzeit keinerlei Funktion", so Stretz, "denn das ZDF empfangen wir anders". Zumindest vor der Mattscheibe sind die Neubrünner nicht ganz abgenabelt.