Wer sich vor einer Woche noch im Straßencafé sonnte, hätte am gestrigen Dienstag über ein besonderes Sahnehäubchen gestaunt: Binnen einer Stunde war der Winter in Haßbergen und Steigerwald zurück, Landschaft wie Straßen mit einer üppigen Schneedecke überzuckert.

Die Rückkehr von Frau Holle, der nicht eben überraschend kam, da seit Tagen angekündigt und schon letzte Woche von der Boulevard-Presse als "schlimmster Wintereinbruch seit Jahrzehnten" als Mentekel auf die Titelseiten gehoben, sorgte für ein eiliges Umdenken und -rüsten bei den Straßendiensten. Hatten sie am Vormittag noch das Lichtraum-Profil entlang der Fahrbahnen durch Rückschneiden von Ästen verbessert, wurde es am Nachmittag richtig duster.

Statt der Heckenscheren waren nun die Schneeschieber und Salzstreuer notwendig. Prompt kam es aber auch zu kleineren Unfällen: Bei Ebern verzeichnete die Polizei in den ersten Stunden drei Einsätze: Ein Lastwagen blieb vor dem Abbiegen zur B 279 an einer leichten Steigung hängen. Kurz vor 14 Uhr ereignete sich auf dem Rückgrabenweg stadtauswärts kurz vor der Brücke über die B 279 ein Verkehrsunfall mit geringem Sachschaden.

Eine 27-jährige Frau aus Ebern fuhr mit ihrem Fiat auf einen Ford auf, welcher von einem 53-jährigen Ortsansässigen gelenkt wurde. Im Fahrzeug der Frau befanden sich auch noch ihre zwei Kinder.
Wegen des liegen gebliebenen Lkw, welcher den eisglatten, leichten Anstieg Richtung Gewerbegebiet nicht schaffte, hatte sich ein kleiner Stau gebildet. Der Fiat rutschte deshalb mit nur geringer Geschwindigkeit auf den fast stehenden Ford, deswegen betrug der Sachschaden auch nur ca. 1000 Euro. Verletzt wurde laut Eberner Polizei zum Glück niemand.

Ein weiterer Unfall aufgrund der Schneeglätte ereignete sich in Untermerzbach in der Hauptstraße an der Einmündung der Schulstraße. Eine 64-jährige Frau befuhr mit ihrem Opel Meriva die Schulstraße abwärts und kam auf der schneeglatten Fahrbahn an der Einmündung zur Hauptstraße nicht zum Stehen. Ihr Opel schoss über die Fahrbahn und stieß einem die vorfahrtberechtige Hauptstraße in Richtung Ebern fahrenden Skoda Fabia gegen die Vorderseite. Durch die Wucht des Aufpralls wurden beide Fahrzeuge gegen die gegenüberliegende Hausmauer gedrückt und kamen so zum Stehen, dass die Opel-Fahrerin nicht mehr aussteigen konnte. Im Skoda blieb der 69-jährige Fahrer unverletzt. Seine im Fond mitfahrende 79-jährige Schwester wurde leicht verletzt.

Zu zehn Einsätzen wurden die Streifen der PI Haßfurt innerhalb von 45 Minuten gerufen, wie stellvertretende Leiter der PI Haßfurt, Peter Firsching mitteilte: "Das war das übliche Schnee-Chaos: Obwohl seit Tagen angekündigt, stellen sich manche Autofahrer an wie die ersten Menschen."
Die Mehrzahl der Unfälle ereignete sich im nördlichen Dienstellenbereich. "Meist Kleinunfälle und nur Blechschäden." Aber auch ein paar Leichtverletzte dabei.
Im Bereich Hofheim war ein Autofahrer schon mit Sommerreifen unterwegs. "Oft stellen wir solche Fälle ein, aber diesmal bestimmt nicht. Da gibt's ein Ordnungsgeld."

Auch der Raum Coburg bildete einen Schwerpunkt. Hier hatte es bis 16 Uhr insgesamt 25 Mal gekracht. 13 der Unfälle registrierte die Inspektion Coburg, acht ereigneten sich im Bereich der Inspektion Neustadt, der auch Rödental, Sonnefeld und Weidhausen umfasst. Vier Unfälle nahmen die Beamten der Verkehrspolizeiinspektion auf, die für die A 73 sowie die Bundesstraßen B 4 und B 289 zuständig ist.

Der größte Unfall ereignete sich auf der B 4 in Höhe Kaltenbrunn: Ein von Süden kommender Autofahrer wollte nach links Richtung Ebern abbiegen. Vor ihm wartete schon ein Pkw auf der Abbiegespur. Der Fahrer des hinteren Wagens bremste, rutschte nach rechts und wurde dort von einem Lkw erfasst, der ihn in den Graben schleuderte. Auf diesen Lkw fuhr ein zweiter auf, der die Situation zu spät erkannt hatte. Der Lkw-Fahrer wurde leicht verletzt, ebenso wie zwei Passagiere im Fond des wartenden Fahrzeug.

Bei den übrigen Crashs blieb es bei Blechschäden, so auch bei den drei Unfällen im Coburger Stadtgebiet. Die läpperten sich freilich zusammen: Allein im Zuständigkeitsbereich der Inspektion Coburg auf rund 50   000 Euro. 40   000 Euro nannte ein Sprecher der Verkehrspolizei für vier Unfällen auf der A 73 sowie der B 4 bei Rödental.