Ein ohrenbetäubend lautes Geräusch tönt durch den Eingangsbereich im Landratsamt. Die Besucher drehen sich zur Geräuschquelle, dem Defibrillator im Landratsamt, um. Walter Marggraff hat den Glaskasten, in dem der "Defi" steht, geöffnet und das Warnsignal ausgelöst. "Der Ton informiert die Kollegen im Bürgerbüro, dass der "Defi" gerade herausgenommen wird, dann können sie sofort weiterhelfen", erklärt der Sicherheitsbeauftragte des Landratsamts in Haßfurt. Es ist ein Warnsignal und eine Diebstahlsicherung zugleich.

Der Kasten, in dem sich der "Automatisierte Externe Defibrillator" (kurz AED) befindet, hängt an der Wand neben dem Bürgerbüro. Er ist gekennzeichnet mit einem weißen Herz auf grünem Hintergrund und ist für jedermann während der Öffnungszeiten frei zugänglich. "Unser Personalrat hat sich um die Anschaffung eines Laien-Defis gekümmert, da in Deutschland pro Jahr Tausende Menschen am so genannten plötzliche Herztod sterben", erklärt Marggraff.


270 Todesfälle am Tag

Damit liegt Marggraff absolut richtig. Laut Statistik sterben jährlich in Deutschland tatsächlich über 100 000 Menschen am "plötzlichen Herztod", der Folge einer lebensgefährlichen Herzrhythmusstörung - dem sogenannten Kammerflimmern. Das entspricht etwa 270 Fällen am Tag. Zum Vergleich: 2015 gab es 3459 Verkehrstote in Deutschland, wie das Statistische Bundesamt kürzlich bekannt gab.

Am plötzlichen Herztod zu sterben ist also um ein Vielfaches wahrscheinlicher, als im Straßenverkehr ums Leben zu kommen. Ein Risiko, das unterschätzt wird. Dabei könnten viele Leben gerettet werden. "Je schneller dem Betroffenen geholfen wird, um so höher sind seine Überlebenschancen", weiß Marggraff, der früher selbst ehrenamtlich Rettungsdienst gefahren ist.


Jede Minute zählt

Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes vergehen heutzutage zwischen sechs und zehn Minuten. Experten gehen davon aus, dass jedoch mit jeder verstrichenen Minute die Überlebenschance des Betroffenen um etwa zehn Prozent sinkt. "Doch zum Glück kann mit einem Defi jeder helfen", sagt Marggraff.

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) empfiehlt dabei folgendes Vorgehen: Liegt eine Person bewusstlos am Boden, reagiert weder auf direkte Ansprache noch auf leichtes Rütteln an der Schulter und ist keine normale Atmung spürbar, sollte umgehend der Notruf gewählt werden. Erst dann wird mit der Wiederbelebung begonnen. So lange das AED-Gerät nicht einsatzbereit ist, sollte ein Helfer mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) beginnen.

"Der Defi selbst ist kinderleicht zu bedienen", sagt Marggraff. Das Gerät wird hierfür geöffnet und der große grüne Start-Knopf gedrückt. "Und dann erklärt das Gerät dem Helfer jeden weiteren Schritt." Als erstes werden die Elektroden auf die Haut des Betroffenen geklebt. Wo, erklärt das Gerät. "Wichtig zu wissen ist auch, dass der Helfer nichts falsch machen kann, da das Gerät den Herzrhythmus kontrolliert und sagt, ob Elektroschocks nötig sind oder nicht", sagt Marggraff.


Gemeinden schaffen Geräte an

Es ist also völlig unbegründet, aus Angst vor Fehlern das AED-Gerät ungenutzt zu lassen. Längst steht nicht überall ein solches Gerät zur Verfügung. Doch viele Gemeinden im Landkreis haben zumindest ein Gerät oder bemühen sich um die Anschaffung. In Ebern gibt es bereits fünf Laien-Defibrillatoren. "Die Standorte der Defis sind im neuen Stadtplan der Stadt Ebern eingezeichnet", erklärt Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD). Eine Entwicklung, die Schule machen sollte.


Laien-Defibrillatoren im Landkreis Haßberge

Ebern FTE, Apotheke Stang, Krankenhaus, Rotes Kreuz , Freibad/Hallenbad

Haßfurt Landratsamt, Freizeit- und Erlebnisbad, Schulzentrum

Hofheim Feuerwehrhaus Leuzendorf, Raiffeisenbank Ermershausen, Freibad/Hallenbad

Knetzgau Feuerwehrhaus Oberschwappach

Königsberg Sportgebäude an der Sportanlage

Oberaurach Feuerwehrhaus Unterschleichach

Rentweinsdorf Feuerwehrhaus Sendelbach

Rauhenebrach Feuerwehrgerätehaus Untersteinbach (im First-Responder-Auto)

Sand First-Responder-Wagen

Untermerzbach Rathaus

Zeil Hallenbad

Die Liste ist nicht vollständig, da nicht alle Kommunen auf unsere Anfrage antworteten. Gerne fügen wir weitere Defi-Standorte dieser Liste hinzu. Dazu senden Sie bitte eine Email an redaktion.zeil@infranken.de. fis