Ein Weihnachtsbaum, der einfach nicht gerade stehen bleiben will, eine Weihnachtsgans, die zäh aus dem Ofen kommt, kein Sitzplatz in der viel zu vollen Kirche beim Krippenspiel, und dann auch noch gegen das Verkehrsschild beim Ausparken nach der Messe am Heilig Abend gekracht? Der ganz normale Wahnsinn bekommt über die Feiertage oft eine andere Dimension. Gerade Erwachsenen fällt es schwer, sich prompt zum Jahresende hin auf Besinnung einzustellen.

Die richtige Einstellung

Das Phänomen, dass gerade die Weihnachtstage bei vielen Menschen für zusätzlichen Stress statt Entspannung sorgen, macht sich jetzt auch in einer aktuellen Forsa-Umfrage für eine Krankenkasse bemerkbar.
Doch warum bereiten Familienbesuche und Geschenke-Auspacken regelrecht Stress? Weil die persönliche Erwartungshaltung oft viel zu hoch angesetzt wird - das gaben einige der insgesamt 1004 Befragten bei der Umfrage an. "Es ist typisch für unsere Leistungsgesellschaft, dass selbst ein Fest wie Weihnachten viele stresst", sagt Simone Riß von der Krankenkasse in Würzburg. Immerhin fühlt sich jeder sechste Deutsche von der Erwartungshaltung an ein perfektes Fest gestresst. Und jeder vierte Bundesbürger plant sogar, weniger Besuche zu den Festtagen, um Stress zu reduzieren.

Dabei kann man schon bei der Vorbereitung aufs Fest den kleinen Konflikten aus dem Weg gehen: "Nicht jedes neue Spiel muss unbedingt gleich am Weihnachtsabend ausprobiert werden", sagt Spieletrainer Michael Keim aus Königsberg. Bis eine neue Spielanleitung von jedem verstanden, ja sogar erst Mal nur gelesen wurde, vergeht oft "Zeit ohne Ende", in der sich gerade die Kinder langweilen und die Geduld verlieren können.

Kinder dürfen Chef sein

Keims Weihnachts-Tipp: Entweder auf ein altbekanntes Spiel zurückgreifen, oder sich als Eltern schon mal im Voraus die Spielanleitung vom Weihnachtsgeschenk an den Sohn oder die Tochter zu Gemüte führen. Rezensionen und Video-Anleitungen im Internet sind dabei oft eine Alternative, bei denen in fünf bis 15 Minuten das Spiel verstanden werden kann, weiß Keim. Letztlich ist das mit dem Spielen nämlich wie mit Weihnachten, "es bringt Menschen zusammen", sagt er. Wer also nicht gerade zu "Mensch ärger dich nicht" greift, sondern sich ein kooperatives Spiel sucht, das "gut für alle ist", kann im Familienkreis durchsetzen, dass nicht immer die Erwachsenen die Chefs sind, sondern auch mal die Kinder die Regeln bestimmen.

Damit möglichst wenig eskaliert - ob auf den Straßen oder in den Wohnzimmern - sind auch an den Feiertagen Polizisten im Einsatz. 750 Mal ging 2012 an den drei aufeinander folgenden Weihnachtstagen der Notruf im Bereich des Polizeipräsidiums Unterfranken in Würzburg ein, ein Jahr später waren es nur 626 Einsätze. "Im Vergleich zu den Wochenenden vor Weihnachten, lagen die Einsatzzahlen für Weihnachten stets darunter", sagt Kathrin Thamm, Pressesprecherin der Polizei für Unterfranken. Und wenn die Beamten gerufen werden, "gibt es keine klassischen ,Weihnachtseinsätze‘, sondern die normale Einsatzlage vom Auffahrunfall nach der Kirche bis zum brennenden Adventskranz, über Diebstähle, Ruhestörungen oder Gewaltverbrechen."

Im Bereich der Häuslichen Gewalt gibt es zwar keine gesonderten "Weihnachtszahlen", doch eine Nachfrage bei der Beauftragten für Frauen und Kinder des Polizeipräsidiums Unterfranken beweist, dass im Weihnachtsmonat die Zahl der gravierenden Familienstreitigkeiten auch nicht höher ist. Wenn an Feiertagen die ganze Familie oft viele Stunden oder sogar Tage gemeinsam auf engem Raum verbringt, hilft ein Gedanke: Stress nicht überbewerten. Und wenn es doch mal kracht, einfach kurz den Raum verlassen, den schönen schiefen Weihnachtsbaum beäugen und tief durchschnaufen. Letztlich ist der Weihnachtsstress dann doch auch nichts anderes als der ganz alltägliche Wahnsinn.