Der noch jugendliche Angeklagte (20) machte in der Gerichtsverhandlung von seinem Recht Gebrauch, kein Wort zur Sache zu sagen. Staatsanwalt Christian Lang hatte ihm Urkundenfälschung vorgeworfen. Als Ergebnis der Beweisaufnahme am Amtsgericht in Haßfurt hielt es Jugendrichter Martin Kober für erwiesen, dass sich der inzwischen ausgelernte Handwerker schuldig gemacht habe. Die Geldstrafe in dem noch nicht rechtskräftigen Urteil lautete auf 60 Tagessätze à zehn Euro.

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, als die ganze Geschichte ihren Anfang nahm. Der Beschuldigte wollte sein Auto, einen VW Golf, abstoßen und bot das Fahrzeug einem Kumpel an. Die beiden lernten im selben Betrieb und besuchten auch dieselbe Klasse in der Berufsschule.

Vereinbarter Kaufpreis 1000 Euro

Nach einer Besichtigung des Wagens einigten sich die beiden auf einen Kaufpreis von 1000 Euro, zahlbar in vier aufeinander folgenden Monatsraten. Um die erste Rate zu bezahlen, fuhr der Angeklagte mit dem 19-jährigen Käufer zu einem Geldinstitut in Haßfurt. Dass dort das Geld persönlich ausgezahlt wurde, bestätigte als unbeteiligter Zeuge ein weiterer Azubi aus der Berufsschulklasse.

Als der Käufer in der Folgezeit immer wieder nach Fahrzeugbrief und dem -schein fragte, um das Auto zuzulassen, wurde er jedesmal vertröstet, schilderte er vor Gericht. Daraufhin verlor er die Lust an dem Kauf, und die beiden einigten sich darauf, den Handel rückgängig zu machen. Aber natürlich wollte der Erwerber seine bereits gezahlte erste Rate von 250 Euro wiederhaben. Und da präsentierte der Angeklagte eine angeblich vom Käufer unterschriebene Quittung, allerdings sonderbarerweise über 150 Euro.

Als der 19-Jährige seine offenbar gefälschte Unterschrift sah, fiel er aus allen Wolken. Entrüstet über diese Falschmünzerei seines ehemaligen Arbeitskollegen erstattete er Anzeige.

Nachdem der Auszug aus dem Bundeszentralregister verlesen wurde, war klar, dass der Heranwachsende nicht zum ersten Mal etwas ausgefressen hat. Bereits drei Einträge über Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Betrug "zieren" seine Akte. Der Staatsanwalt sprach von einer üblen Lügenschichte und einem starken Stück. Er hielt ihn für überführt und beantragte eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen à zehn Euro. Für Verteidiger Jürgen Wagner dagegen blieben Restzweifel, und er plädierte nach dem Motto "Im Zweifel für den Angeklagten" auf Freispruch.

"Sauberes" Führungszeugnis

Der Vorsitzende Richter aber hatte keine Zweifel an der Schuld und reduzierte lediglich das vom Anklagevertreter geforderte Strafmaß. Dieses liegt unter 90 Tagessätzen und damit behält der arbeitslose Verurteilte sein "sauberes" Führungszeugnis. Dies ist für ihn eminent wichtig, weil etliche Betriebe vor einer Entscheidung über eine Einstellung genau dieses Zeugnis anfordern.