"Wir sind die einzige Gemeinde, die nach der neuen RZWas in die Härtefallregelung aufgenommen wurde. Dadurch erhalten wir statt 120 000 Euro nun 840 000 Euro für Kanal, Wasser und Straßenbau, und wenn wir weitere Kanäle noch in die Maßnahme aufnehmen bis zu 80 Prozent Förderung. Das ist eine historische Entscheidung, die wir uns nicht entgehen lassen wollen. Davon haben alle einen Vorteil, und ihr könnt davon ausgehen, dass nach den zwei Vorausbescheiden nichts mehr auf euch zukommt." Die gute Nachricht verkündete Bürgermeister Alfons Hartlieb bei der Bürgerversammlung am Freitagabend. Sie konkurrierte zwar mit dem Frankenfasching in Veitshöchheim, rief aber trotzdem gut 80 Bürger auf den Plan.

Hartlieb streifte die finanzielle Situation und den Haushalt. Bei den kostenrechnenden Einrichtungen könne man bei Kanal, Wasser und Müll zufrieden sein, während man beim Friedhof auf eine Kostendeckung von nur 35 Prozent komme. Die Gebühren hob der Gemeinderat beim Kanal auf 3,37 Euro pro Kubikmeter und beim Wasser auf 90 Cent pro Kubikmeter an, um die Verluste aus den letzten drei Jahren auszugleichen.

Bei den größeren Einnahmeposten bedauerte der Bürgermeister, dass Stettfeld mit 403 000 Euro 15 Prozent weniger Schlüsselzuweisung erhielt. Insgesamt hat die Gemeinde 34 000 Euro weniger im Budget 2019. Durch die großen Investitionen stieg die Verschuldung von 519 673 Euro (2016) auf 1,24 Millionen Euro (2018). Hartlieb gab aber zu bedenken, dass sich die Investitionen von 2007 bis 2018 auf über sieben Millionen Euro insgesamt belaufen.

2019 prägen die Sanierungsarbeiten am Kindergarten. "Die Maßnahme ist derzeit auf 1,5 Millionen Euro geschätzt, aber es wird sicherlich eine schicke Sache", betonte der Bürgermeister. Hierzu erwarte man rund 900 000 Euro Zuschuss vom Staat und 20 Prozent von der Diözese. Aufgrund der finanziellen Probleme der Diözese müsse man aber dieses Geld möglicherweise bis 2023 vorfinanzieren. "Auch der Kindergartenverein will sich beteiligen, am Schluss werden wir aber wohl noch mit 600 000 bis 700 000 Euro von der Gemeinde hängenbleiben."

Während der Bauphase werden die Kinder und Kleinkinder in der ehemaligen Gaststätte Strätz in Stettfeld untergebracht. Die Gemeinde mietet sie von März bis Ende 2020. Die Gemeinde kann aber erst mit der Sanierung loslegen, sie den Bescheid zum vorzeitigen Baubeginn erhält, wurde deutlich. Hartlieb rechnet mit September/Oktober. Die bisherige Gastwirtschaft Strätz könnte auch weiterhin für die Gemeinde eine große Rolle spielen. "Uns wäre es lieber, wenn sie weiter als Gastwirtschaft betrieben würde. Aber wenn sich hier nichts tut, werden wir uns vom Gemeinderat Gedanken machen, ob wir sie nicht übernehmen und als Begegnungsstätte für unseren Ort ausbauen. Hierzu wären sogar die Fördermöglichkeiten sehr günstig."

Alfons Hartlieb kam auch auf das alte Schulhaus zu sprechen, das Stettfeld für zwei Jahre an die Lebenshilfe vermieten will. Man war mit der Lebenshilfe einig geworden, als man noch nicht wirklich an den Kindergartenbau dachte. Hartlieb will nicht wortbrüchig werden.

Für ihn ist es sogar eine "Win-Win-Situation", denn die Lebenshilfe bringt Leben nach Stettfeld: Bis zu 150 Kinder werden hier untergebracht, auch die Verwaltung zieht in die Gemeindeverwaltung ein. Neben der Schule werden auch Container aufgestellt. So werden viele Kinder und Beschäftigte in Stettfeld unterwegs sein. Im Vorfeld habe es ja schon ein gemeinsames Ferienprogramm gegeben und für Stettfeld könne dies nur gut sein. Einschränkung von Gruppen und Vereine in der Turnhalle seien nicht zu befürchten, da die Sporthalle nach 17 Uhr benutzt werden könne.

Die Feuerwehr wird ihr neues Mehrzweckfahrzeug erhalten, das den alten Mannschaftstransportwagen ersetzt. Man habe sich hier für ein besseres Fahrzeug entschieden, das vielseitig eingesetzt werden könne und auf 70 000 Euro komme. Außerdem möchte die Gemeinde die Sanierung der Friedhofsmauer fortsetzen. Vorgesehen sind auch Maßnahmen am Radweg Richtung Ebelsbach, was mit spürbarer Erleichterung aufgenommen wurde. "Wir werden hier im Frühjahr etwas machen und vielleicht können hier auch einige Bürger ihre Ärmel dazu hochkrempeln und mit uns ins Boot steigen", sagte Hartlieb und gab damit auch eine Meinung des Gemeinderates wider.

Bei der Verwirklichung der Maßnahme sei er dafür, an den Stellen mit den größten Setzungen beim Pflaster zu asphaltieren. Hartlieb bedauerte, dass sich r die Gemeinde Ebelsbach mit ihrem Bereich nicht einklinkt, "denn dann hätte man vom Amt für ländliche Entwicklung eine Förderung von 55 Prozent erhalten und auch Landrat Wilhelm Schneider wollte noch 15 Prozent draufsetzen. Das scheitert aber, weil sich Ebelsbach beim Ausbau von Ortschaft zu Ortschaft nicht daran beteiligt."

Der letzte Bauplatz

Alfons Hartlieb teilte ferner mit, dass im Baugebiet "An der Flachs" nur noch ein Bauplatz frei, aber schon reserviert ist. Breitband mit Glasfaser werde bei allen Baumaßnahmen vorgesehen, die Gemeinde müsse es vorfinanzieren. Die große Maßnahme von Kanal, Wasser und Straße im Ort sei eigentlich, wie 2016 geplant, nahezu abgeschlossen. Auf Grund der guten Förderbedingungen habe man sich nun entschlossen, weitere Kanäle im Klingenweg, in der Siedlungsstraße und nach Möglichkeit auch in der Schulstraße mit aufzunehmen. Am Straßenausbau dürfe man aber den Bürger nicht mehr beteiligen, weswegen man hier auch auf den Haushalt blicken müsse, wo man nun nach dem Gießkannenprinzip künftig 15 000 Euro pro Jahr erhalte.

Zur Begrünung der Ortsstraße nach dem Ausbau hatte Kreisfachberater Guntram Ulsamer Vorschläge gemacht. Ulsamer hatte betont, die Hauptstraße mit dem Rathaus und Kirchenumfeld sei die Visitenkarte des Dorfes. Die Pflanzbeete seien dauerhaft zu pflegen und zu unterhalten.

Demnächst soll besprochen werden,ob Feldahorn oder Magnolienbäume gepflanzt werden.

In einer sehr ruhigen und sachlichen Diskussion trugen Bürger ihre Wünsche vor. Georg Berninger sah die Sanierung der "Schönbrunner Straße" für dringend an; auch der Bauausschuss sei hier schon vor Ort gewesen. Aber die Maßnahme sei mit 80 000 Euro veranschlagt und müsse im Haushalt eingetaktet werden. Herbert Benedikt dauerte der Ausbau der Straße "Toracker" zu lange. "Wir warten schon seit zwei Jahren, und alle anderen Straßen wurden geteert. Ich hoffe, es geschieht noch vor meinem Renteneintritt." Bürgermeister verwies auf andere notwendige Maßnahmen. Auch im "Toracker" sei es nicht mit Überteeren getan, sondern bedürfe es einen Vollausbau und der sollte in zwei bis drei Monaten möglich sein.

Autos fahren zu schnall an der Bushaltestellevorbei

Dass eine neue Ortsstraße Probleme bereitet, brachte Christian Rübner zur Sprache: An der neuen Bushaltestelle mitten im Ort "steigen ca. 50 Kinder von sechs bis 17 Jahren ein, und Autos fahren auf der Gegenfahrbahn oder falschen Straßenseite mit 50 km/h vorbei, obwohl dort ein Schild ,rechts vorbei‘ steht und am Bus die Warnblinkanlage aufleuchtet." Er richtete an alle den Appell, langsamer zu fahren und an den Gemeinderat die Überlegung, ob man nicht mit einer zweiten Haltestelle eine Entzerrung erreichen würde. Die Erschließung der "Bamberger Straße" mit einem Gehweg oder einer Überquerungshilfe sprach H. Joos an.

Bürgermeister Hartlieb lobte am Ende angesichts der großen Baumaßnahmen: "Die Zahlungsmoral der Bürger war super, und es ist alles Geld eingegangen. Es ist alles so gut gelaufen, weil wir eine fertige Planung in der Schublade hatten, und so wird im Schnitt jeder Haushalt nur mit 2000 Euro belastet. Am Schluss haben wir dann mehr als 50 Prozent unserer Kanäle saniert." Hartlieb dankte seinen Bürgermeister-Stellvertretern und dem Gemeinderat, die die Entscheidungen mittrugen.