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Altenkunstadt
Fußball

Ein Treffer fehlte zur Bundesliga

Der Oberfranke Niklas Dorsch hat mit dem FC Heidenheim eine außergewöhnliche Zweitligasaison hinter sich. Die Krönung mit dem Aufstieg in die Bundesliga blieb verwehrt, doch der nächste Schritt steht schon bevor.
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Nach Platz 4 im Vorjahr landeten die Heidenheimer um Niklas Dorsch (rechts) in der 2. Liga diesmal auf dem Relegationsplatz. In zwei Spielen gegen den SV Werder Bremen um Maximilian Eggestein verpasste der Zweitligist aber den Aufstieg.  Foto: Tom Weller/dpa
Nach Platz 4 im Vorjahr landeten die Heidenheimer um Niklas Dorsch (rechts) in der 2. Liga diesmal auf dem Relegationsplatz. In zwei Spielen gegen den SV Werder Bremen um Maximilian Eggestein verpasste der Zweitligist aber den Aufstieg. Foto: Tom Weller/dpa

Montagabend, 22.30 Uhr. Nach 386 Tagen ist für den Zweitligisten FC Heidenheim die Saison zu Ende gegangen - ohne Happy End. In zwei Spielen gegen Werder Bremen (0:0, 2:2) verpasste der Dritte der abgelaufenen Zweitligasaison den erstmaligen Aufstieg in die Fußball-Bundesliga.

Nun droht den Heidenheimern der Ausverkauf. Sebastian Griesbeck (Union Berlin) und Timo Beermann (VfL Osnabrück) sind schon weg, Niklas Dorsch wird wohl bald folgen. Die Anzeichen verdichten sich, dass der Baiersdorfer (Landkreis Lichtenfels) künftig das Trikot des belgischen Spitzenklubs KAA Gent tragen wird.

Nachdem der 22-Jährige ein paar Tage die Niederlage in der Relegation verdauen musste, spricht er über die abgelaufene Saison. Zu den Wechselgerüchten wollte er sich nicht äußern.

Die Relegation ist nun eine Woche her. Haben Sie die Niederlage mittlerweile verarbeitet?

Niklas Dorsch: Es hat ein bisschen gedauert, aber mittlerweile habe ich es verkraftet. Es ist schon ärgerlich, wie beide Spiele verlaufen sind. Du verlierst nicht und steigst trotzdem nicht auf.

Schuld ist die Auswärtstorregel. Wieder mal wird rege darüber diskutiert. Sind Sie ein Freund der Regel?

Gerade nicht. Wäre es andersherum gelaufen, wäre ich sicher ein Fan. Es ist bitter. Ohne Zuschauer hat eigentlich keine Mannschaft einen Vorteil. Wenn die Fans dabei sind, ist es etwas anderes. So oder so müssen wir mit der Regel leben.

Sollte über die Abschaffung der Auswärtstorregelung nachgedacht werden?

Das ist mir egal. Über Regeln sollen sich andere Gedanken machen. Diese Regel gibt es eben. Wir hätten mindestens ein Spiel gegen Bremen gewinnen müssen und haben das nicht geschafft. Von daher hat es keinen Sinn, darüber nachzudenken.

Wie anstrengend waren die vergangenen Wochen?

Ich musste schon an meine Grenzen gehen, vor allem für den Kopf war es anstrengend. Im Grunde hatten wir seit Januar keine Pause. Es gab zwar die Unterbrechung wegen Corona, aber was wir währenddessen gemacht haben, war härter als jede Vorbereitung.

Wie hat sich das körperlich auf Sie ausgewirkt?

Ich war definitiv fitter als in der vergangenen Saison. Ich konnte immer über 90 Minuten Vollgas gehen.

Trainer Frank Schmidt hat seit 2007 das Sagen in Heidenheim. Sein Name ist eng mit dem Erfolg verknüpft. Was ist er für ein Typ?

Frank Schmidt ist ein positiv-verrückter Typ, unheimlich ehrgeizig und in seiner Arbeit sehr strukturiert. Er weiß genau, wie er Fußball spielen lassen will und stellt uns dementsprechend immer perfekt ein. Jeder weiß, wie groß sein Anteil an unserem Erfolg ist, er hat uns schließlich dahin gebracht.

Sie haben jetzt zwei Jahre unter ihm gespielt und trainiert. Wie ist Ihre Beziehung zu Schmidt?

Ich muss ihm sehr, sehr dankbar sein. Er war es, der mich nach Heidenheim gebracht und mit allen Freiheiten ausgestattet hat. Ich konnte hier den nächsten Schritt in meiner Karriere gehen, gerade körperlich und charakterlich habe ich mich weiterentwickelt.

Die längste Bundesliga-Saison der Geschichte ist nun vorbei. Was steht bei Ihnen jetzt an?

Zuallererst besuche ich meine Familie, die ich seit Dezember nicht mehr gesehen habe. Das ist immer etwas mit Hektik verbunden, weil ich überall vorbeischauen muss. Ich freue mich aber, denn so komme ich abseits des Fußballs auf andere Gedanken. Anschließend geht es bestimmt noch in den Urlaub. Das Gespräch führte

Jannik Reutlinger.