HaßfurtDie fünffach gezackten Blätter seines Blumenschmucks hinter dem Fenster wurden einem 51-jährigen Arbeiter aus dem Maintal zum Verhängnis. Ein aufmerksamer Nachbar, dem der Pflanzenwuchs seltsam vorkam, rief bei der Polizei an. Als die Beamten anrückten und die Wohnung durchsuchten, fanden sie 28 junge Cannabispflanzen. Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte den 51-Jährigen zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen á 50 Euro, also zu insgesamt 6000 Euro.
Wie Staatsanwalt Ralf Hofmann in seiner Anklageschrift vortrug, fand die Polizeiaktion am 19. September letzten Jahres statt. Das von den Ordnungshütern beschlagnahmte Pflanzenmaterial wog 335 Gramm. Da sich die Sprösslinge in einem frühen Wachstumsstadium befanden, hatten sie einen geringen Wirkstoffgehalt zwischen 0,6 und einem Prozent THC. Rechnerisch ermittelte die Kripo eine Gesamt-Wirkstoffmenge von 2,88 Gramm THC.
Nur 2,88 Gramm, muss man hinzufügen.


Große Bedeutung

Diese eher trockenen Zahlen spielen für die Juristen eine wichtige Rolle, weil laut Gesetz die Strafandrohung umso höher ist, je größer die aufgefundene THC-Menge ist. Im vorliegenden Fall formulierte das Richter Martin Kober so: "Die 28 Pflanzen waren ein Haufen Zeug, aber zum Glück für den Angeklagten war alles noch jung und längst nicht ausgereift." Angenommen, die Haschischpflanzen wären erntereif gewesen, der Beschuldigte hätte sich vor dem Schöffengericht verantworten und mit einer viel höheren Strafe rechnen müssen.
Im März 2016 erhielt der verhinderte Gärtner, der unter anderem wegen Trunkenheit im Verkehr und wegen Fahrerflucht vorbestraft ist, Post von der Staatsanwaltschaft. Laut Strafbefehl sollte er eine Geldstrafe von 9000 Euro zahlen. Dagegen legte er mit Hilfe seines Rechtsanwalts Christian Barthelmes Einspruch ein. Allerdings wurde dieser Einspruch auf die Rechtsfolgen beschränkt - das heißt, der Sachverhalt an sich wurde nicht abgestritten, sondern das Ziel der Verteidigung bestand darin, die Höhe der Strafe, also das Strafmaß, zu reduzieren.


Fast in der Mitte

Der Verteidiger wies darauf hin, dass bei einer Konzentration unter zwei Prozent das Rauchen von "Gras" völlig wirkungslos sei. Von daher hielt er eine Strafe von 3500 Euro für ausreichend. Staatsanwalt Ralf Hofmann plädierte hingegen auf 7500 Euro. Amtsrichter Kober entschied im Namen des Volkes auf einen "Mittelwert" von 6000 Euro. Immer noch eine "Menge Holz" für 28 Pflänzchen.
Dazu kommen noch die Kosten für die Gerichtsverhandlung und den Anwalt. "Mit 51 Jahren ins Drogengeschäft einsteigen zu wollen, das war wahrlich keine gute Idee", meinte der Gerichtsvorsitzende zu dem Verurteilten. Da alle Prozessbeteiligten mit dem Richterspruch leben können, wurde das Urteil noch im Gerichtssaal rechtskräftig.