Botschaften der Staatsregierung kommen auch in Ebern an. Eine der jüngsten, die bei Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) auf dem Tisch landete: "Bayern soll bis 2023 barrierefrei sein." Der Freistaat will dieses Ziel uneingeschränkt im gesamten öffentlichen Raum und für jede Art von Behinderung umsetzen.

Wie genau dies - vor allem finanziell - möglich werden soll, ist allerdings noch unklar: "Wie er das machen will, verrät er nicht", sagt Hennemann. Das Stadtoberhaupt hofft auf öffentliche Fördermittel und will die Ideen schon ausgearbeitet haben, wenn die Fördergelder verteilt werden.

Fit für die Zukunft

"Die Stadt barrierefrei zu machen, bedeutet, die Stadt für die Zukunft auszurichten. Wir werden zunehmend mehr ältere Bürger in Ebern haben", macht Hennemann deutlich.

Deshalb hat er eine Arbeitsgruppe "Barrierefreiheit" ins Leben gerufen, um mit Betroffenen zu erarbeiten, wo es in Ebern Problemstellen gibt. "Wir werden uns nicht zum ersten und letzten Mal getroffen haben", betont er, "denn die jetzigen Anstöße werden nicht bei Anstößen bleiben." Zusammen mit den Mitarbeitern der Verwaltungsgemeinschaft Rita Veen und Stefan Hofmann und Isabell Kuhn, der Beauftragten des Stadtrates für Integration und Senioren, begrüßte Hennemann die 15-köpfige Arbeitsgruppe am Dienstagabend. Treffpunkt war der Sitzungssaal im Verwaltungsgebäude. "Hier haben wir einen Aufzug. Das gibt es bei vielen anderen öffentlichen Gebäuden in der Stadt nicht."

Menschen mit Behinderung ist somit bei vielen Veranstaltungen die Teilnahme nicht möglich. Beispiel Stadtbücherei. "Da beißt sich der Denkmalschutz mit der Barrierefreiheit", muss Jürgen Hennemann zugeben.
Eine Möglichkeit des Zugangs zur Stadtbücherei wäre durch den Vordereingang denkbar. "Vielleicht schaffen wir zumindest den Zugang zu einer Ebene der Bücherei. Und dann muss eben der Bücheraufzug fahren", sagt das Stadtoberhaupt. Genau so sieht es bei den Arztpraxen in Ebern aus. Wer den Arzt sprechen will, der muss die Treppenstufen nach oben. "Das ist den Ärzten aber bewusst", sagt Helmut Pschirrer.

Eine barrierefreie Übernachtung in Ebern? "Mir ist da nichts bekannt", sagt Jürgen Hennemann nach längerer Diskussion mit der Arbeitsgruppe. Genauso sieht es mit Kneipen aus. "Und wenn ich rein komme, dann komme ich nicht auf die Toilette, weil die im Keller ist", erzählt eine Bürgerin aus eigener Erfahrung.
Die Klingel für Hilfsbedürftige bei der Firma Mandrops, in der sich die Post-Filiale befindet, funktioniert nicht immer. Jürgen Hennemann notiert auch den Wunsch, die "Wühlkiste" in ein Ladengeschäft ohne Treppenaufgang unterzubringen. "Gerade die Leute vom Altenheim wollen sich so was vielleicht noch ansehen. Aber sie kommen da überhaupt nicht hin."

Barrieren im Kopf

Dass es aber auch schon Positivbeispiele in Ebern gibt, darauf weist Stadträtin Isabell Kuhn (JL): "Die Behindertentoilette im Schumacherhaus, die barrierefreien Zugänge der Gemeindehäuser beider Kirchengemeinden und der Marienkappelle, und die Klingeln bei Apotheke und Brillenladen."

Barrieren im Kopf der Menschen sieht sie trotzdem noch. "Manchmal muss man die Leute vor den Kopf stoßen. Ändern können wir die Menschen nicht, aber wir können wenigstens darauf hinweisen." Problembewusstsein schärfen ist dabei das vorderste Ziel. "Das hat auch etwas mit Respekt zu tun", ergänzt Jürgen Hennemann.

Kein Vorwurf

Aber: "Man darf der normalen Bevölkerung keinen Vorwurf machen. Wenn man nicht betroffen ist, dann sieht man das alles mit anderen Augen. Da fasse ich mir an die eigene Nase", gesteht Georg Strehl.
Er würde sich sehr freuen, wenn sich die Parksituation am Stadtberg verbessern könnte. "Die Leute gehen zum Eis essen und lassen das Auto einfach auf dem Gehsteig stehen."