Bei Klaus Mandery, ehemaliger Biologielehrer, waren die Bilder aus dieser Zeit, seiner Schulzeit, noch ganz klar vor Augen: "Im Jahr 1968 haben wir als Schüler die Abiturzeugnisse und die Abiturfeier verweigert. Ein Jahr später gab es sogar einen Sit-in als Protest in der Schule."

Darüber hinaus waren es die Jahre, in welchen Wilhelm Schneider aus Maroldsweisach, seit fast genau einem Jahr Landrat des Landkreis Haßberge, mit dem Start am Gymnasium den Grundstein für seine heutige berufliche Position legte.

"Damals war alles noch ganz anders", könnte das Fazit der Gesprächsrunde lauten, zu welchem der Verein der Freunde des Friedrich-Rückert-Gymnasiums seine Mitglieder und Landrat Wilhelm Schneider (CSU) eingeladen hatte.

Im "Maro-Express" eingeflogen

Aber was war damals nicht so wie es heute ist? "Ebern war ganz anders", erinnerte sich Wilhelm Schneider: "Wir sind damals mit dem Maro-Express gekommen, es gab noch keine Kreisel, damals war es noch der Kugelfischer und es war die Regel, dass alle Lehrer in Ebern wohnen."

Und sonst? "Ich bin als Gymnasiast noch auf die Realschule gegangen. Wir hatten drei fünfte Klassen. Die 5a war rein katholisch, die 5b rein evangelisch und die 5c gemischt."

Die 6. und 7. Klasse hatte Wilhelm Schneider mit seinen Schulkollegen in den Räumen der ehemaligen Berufsschule am Steinberg verbracht. Als im Jahr 1972 das neue Schulgebäude in der Gymnasiumstraße fertig war, war der Junge aus Maroldsweisach bereits in der 8. Klasse.

Nur fünf Lehrer

"Am Anfang gab es nur fünf Lehrer. Das war wirklich sehr familiär. Die Lehrer haben jeden Einzelnen gekannt", erzählte Schneider. Und: "Wir waren schon ein besonderer Jahrgang", meinte er und die Runde lachte. "Na das ist doch klar", ergänzte Schneider, "natürlich nicht wegen mir. Sondern weil wir immer die Ältesten waren."

Wilhelm Schneider und seine Jahrgangskollegen waren die ersten, die das Friedrich-Rückert-Gymnasium mit einem Abiturzeugnis verlassen haben. Somit waren sie während ihrer Schulzeit immer die Größten an der Schule und durften auch den Mooshof und den Schatzberg als Reiseziele der Skikurse des Friedrich-Rückert-Gymnasiums einweihen.

"Das war ein Flug ins Ungewisse", erinnerte sich Jörg Röder, ehemaliger Sport- und Biologielehrer. "Wir konnten das vorher nicht anschauen. Wir haben das einfach genommen. Und Herr Schneider", sagte Jörg Röder, "damals durften die Schüler noch Alkohol im Skikurs trinken. Das waren noch andere Zeiten."

Vorauslaufenden Versuchskaninchen

Es war Klaus Vierbücher, der als Schulleiter diesen Jahrgang durch die gymnasiale Schulzeit begleitet hatte. In seinen Worten waren Wilhelm Schneider und seine Klassenkollegen "vorlaufende Versuchskaninchen".
Aber auch diese hatten Erfolg. "Schuld an der Karriere ist sicherlich auch Gerhard Zeidler", meinte Klaus Mandery mit einem Augenzwinkern, "er war damals Kollegstufenbetreuer."

Über all die Jahre, von der bestandenen Abiturprüfung bis heute, hat Wilhelm Schneider den Kontakt zum Friedrich-Rückert-Gymnasium nicht verloren. Schneiders Kinder absolvierten dort ihre Reifeprüfung, als Gemeindeoberhaupt von Maroldsweisach war ihm die Verbindung zur Schulleitung wichtig: "Man muss als Bürgermeister wissen, wer der Mann ist, in dessen Schule unsere Kinder gehen."

Nun hat er das Privileg, die Bildungseinrichtung, die ihm zu seiner Schulzeit neu erschaffen präsentiert wurde, für die Zukunft mitzugestalten. Die Generalsanierung war ein weiteres Thema an diesem Abend. "Die europaweite Ausschreibung läuft bereits. Wichtig ist es, im Kostenrahmen zu bleiben, der auch von der Regierung mitgetragen wird", informierte der Landrat.

"Die Wirtschaftlichkeit wird in diesem Verfahren auch noch einmal geprüft. Ob es einen Neubau geben wird oder eine Sanierung, das wird dabei geklärt."

Wobei der Landrat und ehemaliger Schüler des Friedrich-Rückert-Gymnasiums schon genaue Vorstellungen hat: "Den Fachtrakt abreißen und eine Sanierung machen. Denn durch einen Neubau würde es kleinere Klassenzimmer und keine derartige Aula mehr geben."

Schulleiter Klauspeter Schmidt rechnet mit einem Baubeginn im Jahr 2017. Der Schulstandort Ebern wird damit auf Dauer gesichert sein.


Aus der Verabschiedungsrede des ersten Abi-Jahrganges am Eberner Gymnasium, gehalten von Oberstudiendirektor Klaus Vierbücher:

"Mit dem Empfang des Reifezeugnisses nehmen Sie Abschied von einer Schule, an deren inneren Gestaltung Sie ganz wesentlich mitgearbeitet haben. Es ist üblich, bei einem solchen Abschied einen Blick zurückzuwerfen.

Vor neun Jahren kamen Sie als lustiger Haufen von 103 10- bis 12-jähriger Gymnasiasten in Ebern zusammen und besetzten gleich drei der schönsten Klassenzimmer im Realschulgebäude, während sich das Direktorat mit einem hochwassergefährdetem kleinen Kellerraum zufriedengeben mußte. Durch Ihre Zartheit bewirkten Sie, daß die Realschule ihren Pausenrhythmus änderte. Sie erhielten zwei statt einer Pause am Vormittag, eine bleibende Änderung. Und sehr viel Unruhe in den Köpfen einiger Eberner bewirkte die Erscheinung, daß durch ihr Nichttun der Hausschuhzwang, eine Erfindung des Landratsamts, brüchig zu werden begann, um dann im Jahr darauf seinen Geist aufzugeben.

Aber Sie wirkten nicht nur "systemverändernd", wie es damals so progressiv hieß, Sie bekamen auch die ersten Vorahnungen des kommenden Schulversuchs zu spüren. Sie wurden nach Konfession und Begabung in verschiedene Klassen geteilt, erhielten in unterschiedlicher Intensität Ergänzungsunterricht, mußten Lese- und Rechtschreibtests über sich ergehen lassen, kurz, Sie waren so eine Art vorlaufendes Versuchskaninchen. (...)
Sie nahmen alles gelassen und selbstverständlich hin, lebten Sie doch in einem Schulversuch, der es sich vorgenommen hatte, jeden Schüler bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit mehr zu fördern als zu fordern. Nur einer pädagogischen Neuerung versagten Sie Ihren Dienst, dem Milchfrühstück, bei dem jeweils entweder das Trinken oder das Zahlen nicht klappte."